Interview mit Charly Hübner

Er spielt Hauptkommissar Alexander Bukow im Polizeiruf 110

Bukow (Charly Hübner)
Bukow wird von König zu seiner Psychologin geschickt. | Bild: NDR / Manju Sawhney

Bukow steht in "Wendemanöver" mit einem Bein im Knast. Driftet er in die Kriminalität ab?

Nein, er ist dieser Typ, der nicht anders kann, als er tut. Und das ist das ganze Geheimnis. Natürlich ist er nicht bürgerlich. Nicht im Geringsten. Und so besteht durchaus immer die Möglichkeit, dass ein bürgerliches Regelbuch wie das BGB für jemanden wie ihn Strafen vorsieht. Ob er sie antritt, ist ja nochmal 'ne ganz andere Frage.

Geht ihm die Familienbande über Gesetzestreue?

Bukow ist ja nicht berechnend, sondern unruhig und in sich gefangen wie jeder Mensch. Aber natürlich ist die Treue zu Menschen wichtiger und realer als Treue zu irgendwelchen Gesetzen.1935 galten andere Gesetze als 1985. Und eben da gab es andere gesetzliche Regeln als 2015. Aber einen Vater hat man nur einmal.

Seinen Mitmenschen gegenüber verhält sich Bukow frech und unverschämt. Ist es ein besonderes Vergnügen, solche Szenen zu spielen?

Wenn es Sinn macht, ja. Wenn es eine hohleBehauptung bleibt, ist es langweilig.

Was mögen Sie an Bukow?

Dass er sich verweigert, unergründlich erscheint, und dabei nicht nur versucht, sein Leben irgendwie hinzukriegen. Dass er ein heiliger Teufel ist.

Gibt es etwas an ihm, was Sie überhaupt nicht abkönnen?

Nein.

Denken Sie, König und Bukow sind das perfekte (Ermittler-) Paar?

Ja, aber perfekt ist eine abstrakte, eine mathematische Größe. Keine organische. Das macht’s im realen Leben schwer.

Denkt Bukow in Magdeburg: Was sind das denn für komische Kommissare?

Das denkt Bukow überall. Aber alle Kommissare denken auch über Bukow: Geht’s noch? Also fast alle!

Ihrem Magdeburger Kollegen Jochen Drexler bereitet es beinahe körperliche Schmerzen, wenn einer den Dienstweg nicht einhält. Hätten Sie sich nicht gewünscht, mit ihm ein paar Szenen zu spielen?

Die Geschichte ließ es nicht zu, dass Strenge und Chaos sich reiben, dafür war zuviel Chaos in der Strenge und zuviel Strenge im Chaos.

Von Bukow bis Bukowski ist es nicht mehr weit. Ist das Zufall?

Ja. Das russische Wort buka wird mit Schreckgespenst oder Griesgram übersetzt. Bukow ist so etwas wie der Sohn vom Griesgram. Bukowski ist polnisch, nehme ich an, und meint vielleicht das Gleiche. Charles Bukowski hätte Bukow womöglich gemocht, aber ich glaube, Bukow weiß nicht, wer das ist.

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