Esther Schweins im Interview

Esther Schweins ist Staatsanwältin Barbare Geldermann

Staatsanwältin Barbara Geldermann (Esther Schweins).
Staatsanwältin Barbara Geldermann (Esther Schweins). | Bild: ARD / Georges Pauly

Sie spielen die neue Staatsanwältin Barbara Geldermann. Was zeichnet die Anklagevertreterin aus?

Haltung ist für sie das A und O. Sie hat sich den Beruf der Staatsanwältin geradezu erträumt, weil er ihrer Persönlichkeit den engstmöglichen Rahmen bietet, sich zu entfalten. Geldermann hat sich ein mentales Korsett geschaffen. Je strammer es geschnürt ist, desto sicherer fühlt sie sich. Für andere hegt sie nur wenig Sympathie, daher ist es ihr relativ egal, ob sie von ihren Mitmenschen als Korinthenkackerin betrachtet wird. Woher ihr strikter Charakter kommt? In meiner geheimen privaten Biographie ist sie eine Angstbeißerin. Als Kind war sie schwer überfordert von der antiautoritären Erziehung durch ihre 68er-Eltern. Das schlug bei ihr früh ins Gegenteil um. Die kleine Barbara hat schon in der fünften Klasse niemanden mehr abschreiben lassen.

Ist sie das Gegenmodell zu den Anwälten Isa von Brede und Markus Gellert?

Sie ist das stets wachsame Auge des Gesetzes. Das Handeln der Kanzlei-Mitarbeiter, die es mit dem Recht nicht immer so genau nehmen, ist ihr vollkommen fremd und zuwider. Es steht ihrem Wertesystem antagonistisch gegenüber und verdient zu Recht ihre Verachtung, wie sie meint. Ich habe mir Barbara Geldermann durch ein Ausschlussverfahren angeeignet. Was lasse ich weg? Wie redet sie nicht? Was trägt sie nicht? Die Figur ist entstanden, indem ich ihr einen kleinen Rahmen aufgezwungen habe. Jetzt kann ich zwar nicht behaupten, dass sie mir persönlich ans Herz gewachsen ist. Aber ihre Absolutheit und Gradlinigkeit nötigen mir gerade so viel Respekt ab, dass ich sie ein bisschen mag. Sie wirkt auf mich auch unfreiwillig komisch: Ich könnte mich schlapplachen über ihr übersteigertes Bemühen um Ernsthaftigkeit.

Was gefällt Ihnen an der "Kanzlei" besonders?

Ich liebe Figuren, die aus Idealismus handeln, so wie Isa von Brede und Markus Gellert, die vorzugsweise verlorene Fälle annehmen und das Gesetz zugunsten ihrer kleinen Klientel beugen. Im wahren Leben würde man sich wünschen, von solchen Anwälten verteidigt zu werden, die nichts unversucht lassen, wenn sie von Ungerechtigkeit getriggert sind. Die Fälle sind zutiefst menschlich erzählt.

Fiel es Ihnen schwer, sich das Juristendeutsch anzueignen?

Ich habe dabei mehrere Tricks angewendet. Als Erstes habe ich die Texte noch komplizierter gemacht als sie im Drehbuch ohnehin schon waren. So kamen sie mir beim Spielen viel leichter vor. Dann habe ich als Schauspielerin die Erfahrung gemacht, dass der Mund von der Hand lernt. Das heißt, ich habe die Texte Satz für Satz aufgeschrieben. Zu guter Letzt hatte ich in Herbert Knaup einen hervorragenden Sparringspartner. Wir haben uns die Plädoyers gegenseitig aufgesagt, wieder und wieder in voller Lautstärke, solange, bis es kein Vertun mehr gab. Sie hätten uns mitten in der Nacht wecken können, die Texte hätten gesessen.

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