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Das intelligente Badezimmer

Junge Frau steht vor einem Monitor im Spiegel
Willkommen im Bad der Zukunft

Im Bad der Zukunft beginnt der Tag mit exzellentem Service. Beim Eintreten erhellt sich automatisch der Raum, ein im Waschbeckenspiegel integrierter Monitor leuchtet auf, die verborgene Minikamera erfasst und erkennt den Benutzer und schon wird man begrüßt. "Hallo Anna", ertönt es hinter dem Spiegel. Doch damit nicht genug. Nun blenden nacheinander einzelne Felder im Monitor auf: die aktuelle Wetteranzeige und noch zwei weitere Felder mit Programmankündigungen für den Abend. Falls Anna Konzerttickets bestellen möchte, jetzt wäre die Möglichkeit. Ein Fingerdruck auf den Touchscreen und schon meldet sich das System: "Anna, möchtest Du Tickets für das Fahrenkrog-Konzert bestellen?", erklingt es abermals. Anna kann sich auch für einen Kinobesuch entscheiden, das System bietet ihr einen Film für den Abend an. Ein kurzes "Ja, bitte" von Anna reicht als Bestätigung, die Reservierung für die Kinokarten ist gebongt.

Suche nach intelligenten Lösungen

Junger Mann steht vor einem im Spiegel eingelassenen Monitor
Das Badezimmer der Zukunft: vor dem Spiegel die Kinokarten bestellen.

Die Szene könnte aus einem Science-Fiction-Film stammen, ist aber real. An der Universität Saarland testen seit drei Jahren Forscher verschiedener Fachrichtungen, wie das Badezimmer der Zukunft aussehen könnte. An dem Projekt beteiligt sind Wirtschaftsinformatiker, IT-Spezialisten, das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz sowie Baddesigner. Das wesentliche Ziel aller Beteiligten ist, eine möglichst nutzerfreundliche und vor allem intelligente Lösung zu finden. "Das bedeutet, dass das Badezimmer wahrnehmen kann: Wer tritt da ein, was macht die Person gerade und was will die Person gerne an Informationen haben", erklärt Andreas Filler, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Saarland.

Nachrichten unter der Dusche - kein Problem

Junge Frau steht vor einer  Projektionsfläche in einer Duschwandkabine
In der Duschkabine werden unterschiedliche Informationen oder Dienste angeboten.

Das System passt sich also dem jeweiligen Benutzer an und bietet je nach Präferenz unterschiedliche Informationen oder Dienste an. Und zwar an verschiedenen Orten des Badezimmers. Möchte der Badezimmerbenutzer in der Dusche die Nachrichten schauen, werden diese auf der Projektionsfläche in der Duschwandkabine angezeigt. Verlässt er die Dusche, während die Nachrichten noch laufen, erkennen die Sensoren im Raum den Ortswechsel des Benutzers und projizieren die Nachrichten auf eine Fläche vor der Duschkabine. Je nach Präferenz des Benutzers sind auch Börsenkurse, TV-Serien oder sogar Kinofilme abrufbar. Wer also genügend Zeit mitbringt, kann sich im Bad der Zukunft bestens berieseln lassen.

Was will der Nutzer?

Oft wird bei neuen Produktentwicklungen in der Entstehungsphase der zukünftige Nutzer kaum oder gar nicht herangezogen. Nicht selten stellt sich viel zu spät heraus, dass das Produkt die Bedürfnisse der Benutzer nicht ausreichend erfüllt, im schlimmsten Fall gar nicht. Doch diesen Fehler vermieden die Forscher der Universität Saarland. „Wir haben in allen Phasen und Entwicklungen den Benutzer mit einbezogen und haben Pre-Tests am Anfang gemacht“, erklärt Andreas Filler. „Welche Situation will der Benutzer haben? Wo und in welcher Situation sagt er: ‚Das ist etwas, was ich mir in meinem Badezimmer vorstellen kann.‘?“

Detailaufnahme einer Espressomaschine
Die Kaffeemaschine kann in Zukunft aus dem Bad gesteuert werden.

Zu Beginn des Forschungsprojekts kamen zunächst Spielfiguren zum Einsatz. Anhand eines kleinen Modellbads erzählten die Probanden, was sie wo gerne an Service hätten. In einer späteren Projektphase wurden die Probanden mit Hautsensoren ausgestattet. So konnten die Forscher bei den Probedurchläufen die emotionalen Reaktionen messen.

Das Saarbrücker Testprojekt zeigt nur einen Teil dessen, was in Zukunft ein Badezimmer leisten kann. Denkbar ist auch, dass man sich am Waschbecken oder unter der Dusche eine Pizza oder Brötchen bestellt. Oder am Morgen kurz vor dem Zähneputzen den Computer darum bittet, die Kaffeemaschine einzuschalten. Auf diesen Service würde hierzulande in Zukunft wohl kaum jemand verzichten wollen.

Autor: Jörg E. Mayer

Stand: 20.11.2012 16:20 Uhr

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