E-Mobilität

Mit dem Elektroauto quer durch Deutschland

E-Mobilität – Mit dem Elektroauto quer durch Deutschland | Video verfügbar bis 31.05.2018

– Elektroautos schaffen nicht die in der Werbung versprochenen Reichweiten.
– Auf Langstrecken müssen Fahrer Ladepausen gut planen, um nicht stehen zu bleiben.
– Manchmal ist das Laden Glückssache, da es zu viele unterschiedliche System und Anbieter gibt.

"Plusminus" macht den Selbstversuch. Mit einem Elektroauto soll es von Stuttgart nach Hamburg gehen, rund 650 Kilometer. Mit dabei ist ein passionierter E-Auto-Fahrer, der die Fallstricke rund um die Elektromobilität kennt.

Werbung und Realität

Ladezustandsanzeige einer E-Auto-Batterie
Mit 100 Prozent keine volle Reichweite

Die Batterie ist voll geladen. Doch trotz 100 Prozent Ladung wird nur eine Reichweite von 287 Kilometern angezeigt. Dabei verspricht die Werbung doch eine Reichweite von bis zu 400. Bei Würzburg wird es nach nur 143 Kilometern schon langsam eng. 79 Kilometer Restreichweite werden angezeigt. Wir wollen auf Nummer sicher gehen, fahren lieber ab. Denn wer weiß, ob die nächste Ladestation nicht kaputt oder belegt ist. Die Ladesäule müssen wir erst mal suchen, sie steht ziemlich versteckt auf dem Parkplatz.

Nach einer Stunde ist das Auto noch immer nicht voll geladen. Obwohl es sich um eine Schnellladesäule handelt. So reicht die Kapazität nur für rund 150 Kilometer. Bei Fulda geht es deshalb wieder von der Autobahn. Beim Abenteuer Elektroauto fahren muss der Fahrer genau planen, wo es Lademöglichkeiten gibt. Dabei hilft eine App.

Teurer Strom, vielleicht

Am Autohof Eichenzell stehen Ladesäulen. Für 30 Minuten Ladezeit sind 12,50 Euro fällig. Doch Strom kommt keiner. Das Auto versteht sich nicht mit der Ladestation. Auch ein Anruf bei der Hotline hilft nicht weiter. Wir probieren es mit einer anderer Möglichkeit: ein Ladechip, damit klappt es.

Er erläutert, dass es in Deutschland ungefähr 60 verschiedene Karten zum Laden von E-Autos gibt. Und Elektroauto-Fahrer brauchen viele Karten, da es keine Harmonisierung der Ladestationen gibt.

drei verschiedene Ladesystem mit unterschiedlichen Steckern
Ist das richtige Ladesystem dabei?

Mit dieser Batteriefüllung kommen wir immerhin rund 200 Kilometer weit, doch immer wieder Autobahn-Tankstellen ohne Ladesäulen. Es bleibt wieder nur der Ausweg, runter von der Autobahn. Beim inzwischen dritten Ladestop in Rhüden am Harz nach 464 Kilometern treffen wir einen anderen Elektroauto-Fahrer. Da sich bei ihm die Säule beim Laden einfach abschaltet, bleibt ihm nur der Anruf bei der Hotline. Helfen kann man ihm nicht. Er bekommt nur den Hinweis, sich doch woanders eine Ladesäule zu suchen. Das ist für ihn jedoch gar nicht so einfach, denn er fährt einen Nissan, mit einem speziellen Stecker.

Dabei gibt es hier vier Ladesäulen, doch drei davon ohne Anschluss für asiatische Autos. Das sind genau die drei, die von der Bundesregierung und den deutschen Autoherstellern mitfinanziert wurden. Werden die asiatischen Elektroautos bewusst ausgebremst?

An der eigenen Ladestation des amerikanischen Elektroauto-Herstellers Tesla gegenüber herrscht währenddessen ein Kommen und Gehen. Nach 20 Minuten sind die US-Autos geladen und wieder weg. Karten- und Steckerprobleme gibt es hier nicht.

Nachdem es endlich weitergeht, fahren wir wegen eines Staus runter von der Autobahn. Beim fünften Ladestop in Wietzendorf gibt es den Strom sogar kostenlos.

Nach fast 700 Kilometern und mehr als zwölf Stunden Fahrt ist es endlich geschafft, Ankunft in Hamburg mit dem Elektroauto. Beim letzten Laden wird die Kundenkarte nicht akzeptiert, wieder einmal Pech gehabt.

Vorbild Niederlande

Ladeanschluss eines E-Auto
E-Autos sind auf Stromquellen angewiesen

In den Niederlanden sind E-Auto-Fahrer besser dran, denn dort wurde bereits im Jahr 2010 begonnen, ein einheitliches Ladenetz aufzubauen, obwohl damals noch kaum Elektroautos unterwegs waren. Heute gibt es in Holland pro Quadratkilometer zehn Mal so viel Ladesäulen wie in Deutschland und man kann mit einer einzigen Karte überall laden.

Prof. Maarten Steinbuch, Professor für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität Eindhoven, erklärt, dass die Elektromobilität in den Niederlanden erfolgreicher vorangebracht wurde, weil es hier, anders als in Deutschland, keine eigenen Automobilhersteller gäbe. Das sei ein Vorteil, so der Experte: "Natürlich schützt eine Industrie grundsätzlich ihr bestehendes Geschäft. Denn der Wandel zur Elektromobilität braucht Zeit. Er kostet Geld, kostet Investitionen, und das bedeutet, die Industrie zieht es vor, ihre bestehenden Geschäfte zu verlängern."

Stand: 01.06.2017 09:09 Uhr