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Erdgasförderung: Klimaschäden durch Methan?

Erdgasförderung: Klimaschäden durch Methan? | Video verfügbar bis 06.12.2018

Bei Bohrungen in der Nordsee haben Öl- und Gaskonzerne flache Gastaschen durchstoßen, aus denen Methan aufsteigt. Methan ist 25 Mal klimaschädlicher als CO2. Weil der Bohrvorgang Risse im Untergrund verursacht, steigt das klimaschädliche Gas entlang des Bohrlochs auf - teilweise noch Jahrzehnte nach Stilllegung der Bohrstelle. Das haben Wissenschaftler vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel durch mehrere Expeditionen nachgewiesen.

Bundesverband leugnet das Problem

Plusminus konfrontierte den Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. mit den Forschungsergebnissen des GEOMAR. Der Verband schreibt dazu: "Werden beim Bohren gasführende Gesteinshorizonte durchbohrt, so greifen Sicherheitssysteme, die die Bohrung abdichten, sodass weder Methan noch andere Stoffe austreten können." Eine wichtige Aufsichtsbehörde der Öl- und Gasindustrie, das niedersächsische Landesbergamt, teilt mit, es sei dort bislang nicht bekannt gewesen, dass durch eine generelle Störung des Untergrundes Methan-Austritte aus flachen Gastaschen verursacht werden könnten, unabhängig von der Dichtheit der Bohrung selbst.

Wissenschaftler stießen schon 2014 auf Methan-Emissionen

Wissenschaftler vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen veröffentlichten bereits 2014, dass aus Öl-Bohrlöchern Methan entweicht. Sie flogen mit eigens entwickelten Messgeräten über ein Förderfeld in Kalifornien. Der Betreiber der Bohrstellen hatte damals keinerlei Methan-Emissionen gemeldet, doch die Wissenschaftler wiesen das klimaschädliche Gas eindeutig nach. Inzwischen hat der Betreiber seine Angaben korrigiert.

Kieler Forscherin kritisiert Untätigkeit von Industrie und Behörden

Weder Industrie noch Aufsichtsbehörden untersuchten, ob aus Bohrlöchern Methan entweicht, kritisiert Lisa Vielstädte. Die Kieler Wissenschaftlerin forscht derzeit an der renommierten Stanford University in Kalifornien zu aufsteigenden Treibhausgasen aus stillgelegten Bohrlöchern.

Methan-Emissionen auch beim Transport

Methanemissionen entstehen nicht nur an den Bohrlöchern selbst, sondern auch bei der Aufbereitung des Gases und beim Transport zum Endverbraucher. Laut Umweltbundesamt entweichen jährlich 192.990 Tonnen Methan im Rahmen der Erdgasnutzung. Hinzu kämen 9300 Tonnen Methan durch die Bereitstellung und Förderung von Öl. Pro Tonne Methan entstehen 3975 Euro Klimafolgekosten, so das Umweltbundesamt. Somit komme es jährlich zu 804 Millionen Euro an Klimafolgekosten durch die Förderung und Bereitstellung (inklusive Importe) von Erdöl und Erdgas in Deutschland.

Wird der Klimawandel beschleunigt?

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Scheer kritisiert, dass in den vergangenen Jahren fälschlicherweise der Eindruck entstanden sei, dass Energie aus Öl, Gas und Kohle billige Energie sei. Dabei beschleunige diese Form der Energiegewinnung den Klimawandel und führe damit zu hohen Folgekosten für die Allgemeinheit. Um vereinbarte Klimaziele zu erreichen, scheint ein Umstieg von Kohlekraftwerken auf Gaskraftwerke als sinnvoll. Doch dafür muss herausgefunden werden, wie häufig Leckagen im Rahmen der Nutzung von Erdgas vorkommen. Denn einen Vorteil bringt der Umstieg von Kohle- auf Gaskraftwerke nur, wenn bei Förderung und Transport von Erdgas nicht mehr als 3,2 Prozent des produzierten Gases in die Atmosphäre entweicht.

Bericht: Alexa Höber

Stand: 07.12.2017 08:46 Uhr

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