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Solarenergie - Nur noch für Privatverbraucher lukrativ?

PlaySolaranlage auf einem Dach
Solarenergie - Nur noch für Privatverbraucher lukrativ?

– Photovoltaikanlagen sind trotz Senkung der Einspeisevergütung für Verbraucher rentabel
– Bei Investition machen viele Verbraucher Fehler
– Regierung muss Erneuerbare Energie schneller vorantreiben; sonst Klimaziel unerreichbar

Solaranlage auf einem Dach
Solaranlage auf einem Dach

Eine Investition in die Zukunft. Anke und Patrick H. lassen sich eine Photovoltaikanlage auf ihr Haus setzen. Fürs Stromnetz und zur Eigenversorgung. Es gibt zwar nur noch zwölf Cent Einspeisevergütung – statt wie früher bis zu 57 Cent. Aber sie sind optimistisch. Anke und Patrick H. freuen sich: "Wir würden es auch jedem empfehlen. Wir haben die tolle Süd-Ausrichtung vom Dach und von daher sind wir da richtig guter Dinge."

Photovoltaikanlagen für Verbraucher noch immer rentabel

22.000 Euro haben sie investiert – für die Solarzellen und den Speicher zur Eigenversorgung. Trotz gesunkener Preise kein Pappenstiel. Aber sie hoffen, das Geld in elf, zwölf Jahren wieder drin zu haben. Und damit stehen sie nicht alleine. Laut Bundesnetzagentur wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 900 Megawatt Sonnenstromanlagen neu errichtet. Mehr als ein halbes Atomkraftwerk. Die günstigeren Module sind dabei ein wichtiger Faktor.

Montage einer Solaranlage auf einem Dach
Trotz weniger Einspeisevergütung eine rentable Sache

Johannes Fein, Projektleiter Engesaar GmbH, weiß: "Man merkt mittlerweile einen Trend dazu, dass die Leute über Eigenverbrauchsmöglichkeiten Bescheid wissen und mit diesen Möglichkeiten vertraut sind, dass die Anlagen auch ohne die Einspeisevergütung sich sehr, sehr gut rechnen. Die Einspeisevergütung wird gesetzlich mit dem atmenden Deckel tendenziell weiter nach unten gefahren. Die Strompreise sind aber am Steigen. Damit macht man sich als Kunde natürlich unabhängig."

Häufige Verbraucherfehler bei Investitionen

Aber längst nicht immer läuft es so glatt wie in diesem Fall. Die Verbraucherzentralen wissen, dass manche Anbieter auch überzogene Hoffnungen wecken. Deshalb empfehlen sie, Angebote immer unabhängig überprüfen zu lassen. Helmut Pertz, Energieberater Verbraucherzentrale Saarland, erklärt: "Der Fehler ist häufig, dass an Verschattung nicht gedacht wird. Oder bestimmte laufende Kosten, die auch anfallen, sind häufig nicht mit einkalkuliert. Der andere Punkt sind die Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die häufig oft einfach gemacht sind, die von sehr günstigen Verhältnissen ausgehen. Zum Beispiel, was die Eigennutzung des Stroms angeht. Da sind die Sätze oft viel zu hoch angesetzt."

Stromspeicher nicht rentabel

Solaranlage auf einem Dach
Stromspeicher noch zu teuer

Jochen Marwede kennt die Branche sehr genau. Der Ingenieur war früher im weltweiten Energie-Analyseteam von Shell. Seit zehn Jahren betreibt und verkauft er selbst Solarsysteme, auch aus Überzeugung für den Umweltschutz. Auch heute kann sich eine Anlage immer noch rechnen, findet er. Aber von Stromspeichern, wie sie inzwischen gerne mit verkauft werden, rät er ab. Die seien einfach noch zu teuer, findet er: "Das eine ist, dass der Speicher zusammen mit der Photovoltaik gerechnet wird, da kann man auf eine schwarze Null kommen. Dann frisst aber der Speicher die Rendite der Photovoltaik. Das zweite ist die Annahme für Strompreissteigerungen. Wenn man mit fünf oder sechs Prozent Preissteigerungen rechnet und am Ende siebzig bis neunzig Cent die Kilowattstunde die Jahre bewertet aus der Laufzeit, dann wird das besser. Und das letzte ist, dass nicht mit relativer Rendite gerechnet wird, sondern: 'Am Ende haben Sie so viel auf dem Konto'. Und das fällt natürlich alles an, wenn die Strompreiskosten unrealistisch hoch sind."

Zu wenig Rendite für kommerzielle Investoren

Die privaten Bauherren bleiben bei der Stange, weil es ihnen oft nicht nur um die reine Rendite geht, sondern auch um den Umweltschutz. Aber bei kommerziellen Investoren für Großanlagen ist der Markt nach der drastischen Senkung der Einspeisevergütung 2012 regelrecht eingebrochen. Professor Uwe Leprich, einer der wissenschaftlichen Pioniere für künftige Energiesysteme, fordert, die Vergütung wieder anzuheben: "Wir brauchen die Photovoltaik in sehr großem Ausmaß, weil: Es hat sich herausgestellt, dass Wind und Photovoltaik die kostengünstigsten erneuerbaren Energien sind. Wir haben gesetzlich das Ziel, jedes Jahr 2500 MW PV zuzubauen in Deutschland. Die letzten drei Jahre haben wir das Ziel deutlich verfehlt. Das heißt wir müssen da wieder Gas geben und da spielen private Haushalte natürlich eine große Rolle."

Montage einer Solaranlage auf einem Dach
Photovoltaik wichtig zur Erreichung der Klimaschutzziele

Wichtig auch zur Erreichung der Klimaschutzziele, findet Jochen Marwede. Bei der Regierung passten Reden und Handeln nicht zusammen: "Die Bundesregierung redet drüber und sagt: Wir wollen was tun. Aber mit dem, was getan wird, ist das überhaupt nicht zu schaffen. Wenn das so weiter geht wie die Bundesregierung das plant, haben wir 100 Prozent Erneuerbare irgendwann im Jahr 2150. Wir brauchen diese aber im Jahr 2040. Das passt nicht zusammen und da muss sich einiges tun."

Bürokratieabbau entlastet die Umwelt

Ein erster Schritt, der nichts kostet, könnte sein: Privatleute von Bürokratie entlasten.

Prof. Uwe Leprich, Energieexperte, erklärt: "Es werden oft die einzelnen Einheiten so behandelt, als wenn es Unternehmen wären. Und das schafft eine Menge Bürokratie. Ich denke, dass man gerade bei kleineren Einheiten auch schlankere Prozesse aufsetzen kann. Man muss genau hinsehen, was ist notwendig – und wo kann man Dinge vereinfachen? Weil es sind oft gar nicht mal die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Modelle, sondern es ist der bürokratische Aufwand, der ja letzten Endes auch kostet, der diese Ansätze verhindert."

Ohne deutlich mehr Solarstrom wird die Energiewende nicht zu schaffen sein. Erst recht nicht, falls künftig tatsächlich mehr Öko-Strom für Elektroautos gebraucht wird.

Ein Beitrag von Lars Ohlinger

Stand: 10.08.2017 08:59 Uhr

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Mi, 09.08.17 | 23:30 Uhr
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Diese Sendung wurde vom
Saarländischen Rundfunk produziert.