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Langzeitfolgen der Krebsbehandlung

PlayW wie Wissen
Der Preis des Überlebens | Video verfügbar bis 23.01.2020
Melina
Die 12-jährige Melina kämpft mit den Therapiefolgen

Die Krebstherapie hat bisher das Überleben der Patienten zum Ziel - fast um jeden Preis. Tatsächlich ist dieser Ansatz erfolgreich, denn es gibt immer mehr Langzeitüberlebende. Allerdings hinterlassen die belastenden Krebstherapien Spuren im Leben der Patienten - so auch bei Melina.

Die Zwölfjährige erkrankte vor rund einem Jahr an Leukämie. Mittlerweile hat sie den Blutkrebs vorläufig besiegt. Er wurde mit einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie erfolgreich bekämpft. Die harte Behandlung hat allerdings ihrem gesamten Körper arg zugesetzt: Knochen, Schleimhäute und mehrere Organe sind geschädigt - und das womöglich auf Dauer. Derzeit kämpft sie zum Beispiel mit einer Pilzinfektion, die sich in der Leber ausgebreitet hat. 

Immer mehr Überlebende

Beutel mit Chemotherapeutika
Chemotherapeutika haben langfristige Nebenwirkungen

Immer mehr Kinder und Jugendliche überleben eine Krebserkrankung. Sie sind der glückliche Beleg für die effektiven Möglichkeiten der Onkologie. Doch erst jetzt fangen Forscher an, auch die Schattenseiten der Therapie unter die Lupe zu nehmen. Und erste Daten zeigen: Viele der mittlerweile rund 1,5 Millionen Langzeitüberlebenden hierzulande sind nicht "geheilt". Ihr Krebsrisiko ist teilweise enorm erhöht, sie haben Herzprobleme, ihre Kräfte kehren manchmal nie mehr vollständig zurück.

Probleme auch nach vielen Jahren

Holger Bassarek
Holger Bassarek ist Langzeitüberlebender

So wie bei Holger Bassarek: Der Endvierziger war vor fast 20 Jahren an Krebs erkrankt - akute lymphatische Leukämie (ALL). Bestrahlungen, Chemotherapie und eine Knochenmarktransplantation haben ihn damals geheilt - vorerst. Denn nun, nach so vielen Jahren, ist der Krebs zurückgekehrt. Allerdings nicht als Leukämie, vielmehr wächst ein Tumor in seinem Oberschenkelknochen. Sehr wahrscheinlich ist der Knochenkrebs eine Spätfolge der harten Therapie vor 20 Jahren. Und das ist nicht alles: Holger Bassareks Gedächtnis ist mitunter nicht so verlässlich, wie es sein sollte. Er leidet immer wieder unter Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Und seine Finger kribbeln und sind ständig taub.

Kaum Anlaufstellen

Weitere, typische Spätfolgen von Chemo- und Strahlentherapie sind ein fortschreitender Knochenabbau und ein erhöhtes Risiken für Herzerkrankungen. So haben zum Beispiel Frauen, die als Kind einer Leukämietherapie durchlebten, ein Brustkrebsrisiko von rund 20 Prozent

Doch erst langsam rücken diese besonderen Patienten in den Fokus der Ärzteschaft. Die Langzeitüberlebenden finden daher kaum Anlaufstellen für ihre Probleme. Onkologen fühlen sich spätestens nach fünf Jahren nicht mehr zuständig, Hausärzte sind mit der komplexen Problematik häufig überfordert. Und so erfahren viele Patienten erst von anderen Betroffenen in Internetforen, dass ihre chronische Müdigkeit oder ihr kaputtes Gelenk auf Strahlen- oder Chemotherapien zurückzuführen sind, die 20 Jahre und mehr zurückliegen.

Vorsorgesprechstunden am Uniklinikum Freiburg

Das Uniklinikum Freiburg ist eine der ersten Kliniken in Deutschland, die sich der Beratung von Langzeitüberlebenden widmet. Die Onkologen dort bauen eine "Vorsorgesprechstunde für junge Erwachsene" auf. Es geht um die Frage: Was beeinträchtigt die Lebensqualität der ehemaligen Patienten? Was bedroht ihre Gesundheit? Regelmäßige Kontrollen sollen helfen, Erkrankungen wie Herzprobleme oder Knochenabbau frühzeitig zu erkennen. Und die Klinik bietet den Patienten obendrein psychologische Hilfe an.

Doch all das übersteigt bei weitem den Rahmen der gesetzlichen Vorsorge. Der Aufbau solcher Hilfsangebote ist daher auch ein Kampf ums Geld. In Freiburg finanziert man sich zum Beispiel zum guten Teil aus Spenden. Denn Krankenkassen haben die Patientengruppe der Krebsüberlebenden bisher übersehen - so wie viele Ärzte. Doch langsam entdeckt die Medizin die gebeutelten Kinder ihres Erfolgs. Melina gehört vielleicht zu den ersten, die davon profitieren werden.

Autor: Thomas Liesen

Stand: 16.07.2015 12:35 Uhr

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Sa, 24.01.15 | 16:00 Uhr