SENDETERMIN So, 01.12.13 | 17:00 Uhr

Das Flüstern der Wale - Lauschangriff auf die Orcas

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Lauschangriff auf die Orcas | Video verfügbar bis 01.12.2018

Dialekte im Meer

Wissenschaftler Paul Spongs und Meeresbiologin Reyhan Sonmez sitzen im Orca Lab und hören Schwertwale ab
Lauschangriff auf die Schwertwale

Die Rufe der Orcas faszinieren Wissenschaftler seit langem. Im Orca Lab nördlich von Vancouver in Canada hat sich der Wissenschaftler Paul Spongs seit vier Jahrzehnten der Entschlüsselung des "Walgeflüsters" verschrieben. Paul Spongs und seine Mitarbeiter haben über 20.000 Stunden der Schwertwal-Rufe mit Unterwassermikrophonen mitgeschnitten und so das weltweit größte Walsprachen-Archiv aufgebaut. Ihm ist es gelungen, einzelne Rufe bestimmten Orcas zuzuordnen. Seine Forschungen ermöglichen jetzt einen besseren Einblick in das Zusammenleben der Schwertwale. So haben die Forscher herausgefunden, dass Orcas die "Stimmen" ihrer Artgenossen auseinanderhalten können. Verschiedenen Lebensgemeinschaften entwickelten auch unterschiedliche Dialekte - ähnlich wie wir Menschen.

Lauschangriff auf die Orcas

Reyhan Sonmez schaut mit einem Spektiv (Fernglas) auf das Meer hinaus
Meeresbiologin Reyhan Sonmez hält Ausschau nach den Orcas.

Das Forschungsteam um den Meeresbiologe Paul Spongs hat auch herausgefunden, dass die anderen Schwertwale zuhören, wenn einer ihrer Artgenossen "ruft". "Vermutlich sagen die Säuger mehr als nur 'ich bin hier', doch bislang verstehen wir noch nicht, was genau sie sagen", erklärt Paul Spongs.

Das "was" hat sich die Meeresbiologin Reyhan Sonmez zur Aufgabe gemacht. Sie will die Gesänge mit moderner Software untersuchen, um herauszufinden über was sich die Meeressäuger "unterhalten". Sie hat sich die Unterstützung von Elmar Noeth und Florian Hoenig aus Erlangen geholt. Die Computerlinguisten entwickeln Programme, die in menschlichen Sprachen Worte und Muster erkennen können. Die große Frage ist, ob diese Programme auch bei der "Walsprache" funktionieren. Im Zuge der Untersuchungen stellt sich raus: Orcas nutzen ähnliche Frequenzen wie Menschen. Eine gute Voraussetzung für die weitere Forschung.

Walgesängen auf der Spur

Das Spracherkennungsprogramm zeigt auf dem Computerbildschirm unterschiedliche Ausschläge von Walrufen
Können die Wal-Rufe mit einem Verhaltensmuster verknüpft werden?

Die Programme der Computerlinguisten funktionieren auch für die Gesänge der Schwertwale. Mithilfe ihrer Technik ist es gelungen, das Hintergrund-Meeresrauschen herauszufiltern. Das automatische Verfahren isoliert die Rufe und klassifiziert sie im Anschluss. Die Ergebnisse bestätigen die Forschung von Paul Spongs. Wenn ein Wal ruft, macht der andere eine Pause - wie bei menschlichen Gesprächen. Ein Indiz dafür, dass die Säuger tatsächlich eine Art Unterhaltung führen. Aber welche Rufe welche Bedeutung haben, lässt sich so noch nicht sagen. Um ihr Programm weiterzuentwickeln, sind die beiden Sprachwissenschaftler zusammen mit der Meeresbiologin Reyhan Sonmez nach Kanada zu Paul Spongs ins Orca Lab gereist. Mit im Gepäck: Die neueste Version der Spracherkennungs-Software, die inzwischen gut die einzelnen Rufe unterscheiden kann. Jetzt kommt es darauf an, die erkannten Rufe mit dem Verhalten der Wale zu verknüpfen. Darin könnte der entscheidende Schlüssel liegen, um herauszufinden worüber die Orcas sprechen. In den nächsten Jahren wird Reyhan Sonmez die neue Software einsetzen, um systematisch wiederkehrende Lauten, bestimmten Verhaltensmuster zuzuordnen. Vielleicht wird Reyhan Sonmez dann die Erste sein, die versteht, worüber die gigantischen Säuger tatsächlich sprechen.

Autor des Films: Volker Barth (SWR)
Bearbeitung Text online: Laura Grun (SWR)

Stand: 27.03.2014 16:58 Uhr