[W] wie Wissen: Sendetermine

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Samstag ist [W] wie Wissen-Tag | Bild: imago stock&people

10. März: Tatort Meer

Der Mensch braucht das Meer – und sicherlich nicht umgekehrt.  Ausgebeutet, zugemüllt – so missbrauchen wir unsere Lebensgrundlage. [W] wie Wissen ist mit Biologen unterwegs, deren Anliegen es ist, Tiere und damit den Lebensraum Meer zu schützen:

Ende der 1960er-Jahre hatte die norwegische Fischindustrie die Heringsbestände nahezu leer gefischt. Damit wurde auch den Orcas und anderen Walen ihre Nahrungsgrundlage entzogen. Zudem wurden Orcas als Jagdrivalen zu Hunderten getötet. In den 1980er-Jahren dachte man um und erließ drastische Maßnahmen zum Schutz des Wals – und des Herings. Wir begleiten die Orca-Forscherin Eve Jourdaine. Sie erforscht, wie die Wale den Hering jagen und wie viele sie fressen. Das Ergebnis ist eine nachhaltige Fangquote für den Hering, der auch den Orcas eine Lebensgrundlage bietet.

Wir kennen zwar den Sound von Walen, das Schnattern, Schnalzen und Pfeifen von Delfinen – aber von Fischen? Korallenbänke wie in Südostasien sind Hotspots der Artenvielfalt und ein Paradies für Meeresbiologen. Steve Simpson zeigt, wie sich Clownfische untereinander unterhalten, wie sie Warnrufe ausstoßen, wenn Gefahr droht. Doch durch den zunehmenden Lärm von Booten und Schiffen verstummen die Fische. Lärm – eine unvermutete und unterschätzte Umweltverschmutzung.

Der größte Fisch im Meer, der Walhai, ist ein faszinierendes Tier. Biologe Jonathan Green möchte herausfinden, wo der Walhai seinen Nachwuchs zur Welt bringt. Nur so kann er versuchen, diese Region und den Weg, den die trächtigen Walhaie dorthin nehmen, schützen zu lassen. Er befestigt eine Kamera an der Flosse eines Walhais. Doch der Fisch taucht zu tief und die Sicht der Kamera verdunkelt sich. Auch die Verfolgung eines trächtigen Weibchens mittels eines Unterwasserbootes misslingt dem Biologen. Dabei findet er am Meeresgrund aber Hinweise, dass sich die Region für die Niederkunft durchaus eignen würde.

Alarm an der deutschen Ostseeküste: In den letzten Monaten sind 37 tote Kegelrobben gefunden worden. Für Michael Dähne, Meeresbiologe und Kurator am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, sind die Todesfälle in Rätsel, er vermutet erst einen Virus. Sektionen der toten Körper zeigen aber:  Die Tiere waren kerngesund.  Wie sind sie ums Leben gekommen? Noch ist die Zahl der verendeten Tiere keine Bedrohung für die Population. Mittlerweile leben wieder geschätzt 30.000 Kegelrobben in der Ostsee, nachdem die Art in den 1980er-Jahren akut vom Aussterben bedroht war. Neben den Sektionen, um der Todesursache auf den Grund zu gehen, versuchen Dähne und seine Kolleginnen in den nächsten Wochen und Monaten die Population zu erfassen. Bei gutem Wetter werden sie die Liegeplätze der Tiere ansteuern und sie fotografieren.

24. März: Fantastische Tiere und was wir von ihnen lernen können

Der Nacktmull ist sicher nicht das schönste, aber eines der faszinierendsten Tiere auf unserem Planeten. Es ist ein kaltblütiges, haarloses faltiges kleines Säugetier, das keinen Schmerz kennt, nie an Krebs erkrankt und dessen Knochensubstanz nicht altert. Die Tiere können mehr als 30 Jahre alt werden. Sie leben in großen unterirdischen Kolonien in Kenia, Äthiopien und Somalia.   Was sind die Geheimnisse dieser Spezies – und was können wir von ihnen lernen über Krebsvorsorge und Alterungsprozesse?

Es gibt viele faszinierende Tiere, die Vorbild in der Medizin sind: Ein Reismehlkäfer zittern beim Krabbeln, seine Nerven spielen verrückt. Wissenschaftler vom Forschungszentrum für Insektenbiotechnologie in Gießen haben ihm eine Substanz zu fressen gegeben, die seine Nervenenden angreift, wie es Parkinson auch tut. Dann werden dem Käfer Extrakte aus Pflanzen angeboten – mit erstaunlichem Resultat: Der Reismehlkäfer sucht sich offenbar gezielt Substanzen in der Natur, die ihm helfen. Nach kurzer Zeit ist das Zittern weg und das Insekt klettert wieder eine Säule hoch. Die Forscher wollen herausfinden, welche Substanz für diese verblüffende Heilung verantwortlich ist und ob sich daraus ein Medikament entwickeln lässt, das Parkinsonkranken helfen kann.

Auch der Stuttgarter Tüftler Oliver Schwarz vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung lässt sich von Tieren inspirieren. Egal ob schneiden, spritzen, stechen oder klammern: Viele Funktionen, die Ärzte in ihrem Alltag brauchen, ähneln denen in der Natur. Zum Beispiel die Holzwespe: Um ihre Eier abzulegen, bohrt sie zentimetertiefe Kanäle ins Holz. Das Erstaunliche daran ist: Ihr Stachel besteht aus zwei Segmenten, die sich unabhängig voneinander vor- und zurückbewegen. Während sich das eine mit Widerhaken im Holz verankert, raspelt das andere wie eine Feile. Schwarz hat nach diesem "Pendelhubprinzip" einen Raspelbohrer entwickelt, der Löcher mit beliebigen Querschnitt erzeugen kann: dreieckig, viereckig oder oval. Eine ideale Anwendung ist die Implantationen vom künstlichen Hüftgelenk oder Zähnen. Mit dem neuen Bohrer ginge es minimalinvasiv, schneller und vor allem erheblich präziser.

Spitzmäuse teilen sich mit den Mäusen aufgrund ihrer Körperform nur den Namen. Tatsächlich sind sie eng mit Maulwürfen und Igeln verwandt. Javier Lazaro vom Max-Planck-Institut in Radolfzell sucht Antworten auf die großen Gebrechen der Menschen – bei der klitzekleinen Spitzmaus. Er untersucht sie im Sommer und im Winter und stellte fest, dass die Spitzmaus im Winter schrumpft, und zwar gewaltig. Und nicht nur bei Fett- und Muskelmasse – die Organe und die Knochen schrumpfen auch!  Allein der Kopf wird im Winter um über 20 Prozent kleiner.

Wahrscheinlich ist das eine Energiesparmaßnahme. Spitzmäuse haben einen derart hohen Energieverbrauch, dass sie schon nach wenigen Stunden ohne Futter verhungern. Tückisch im Winter, denn da sind Spinnen und Larven knapp.  Im Frühling wachsen die Spitzmäuse dann wieder: Die Knochen an Skelett und Schädel werden wieder aufgebaut.  Javier Lazaro hat die Hoffnung, sich von der Spitzmaus eine Therapie für Osteoporose abzuschauen.

14. Apil: Sorge ums Wasser

Wasser – gut 120 Liter verbraucht jeder Einwohner in Deutschland täglich. Es kommt sauber aus der Leitung und verschwindet verschmutz in den Abwasserrohren, die zu den Kläranlagen führen.  Gelingt es in der Wasseraufbereitung, alle Keime und Medikamentenrückstände zu entfernen?

Multiresistente Keime sind in Bächen,  Flüssen und Seen in Niedersachsen gefunden worden.  Besonders belastet waren Gewässer in der Nähe von Tiermastanlagen oder Krankenhäusern, wo viele Antibiotika eingesetzt werden. Auch wenn multiresistente Keime für gesunde Menschen in der Regel keine unmittelbare Bedrohung darstellen – was bedeutet diese Belastung unserer Gewässer? Trägt sie zur Gefährdung immungeschwächter Menschen durch multiresistente Keime bei?  Kann man im Sommer noch im örtlichen Badesee schwimmen? [W] wie Wissen bemüht sich um Aufklärung.

[W] wie Wissen besucht eine neue Kläranlage im bayerischen Weißenburg. Dort fließt in einer vierten Reinigungsstufe das normal vorgereinigte Abwasser in einen Ozonreaktor. Die Medikamentenrückstände werden oxidiert, die Verbindungen aufgebrochen. Über spezielle Filter werden die Rückstände dann aus dem Abwasser entfernt. Der Ozonreaktor ist auch ein Baustein, um multiresistente Keime aus dem Abwasser zu entfernen.  Die wenigsten Kläranlagen in Deutschland haben eine vierte Reinigungsstufe – eine Nachrüstung ist dringend notwendig.

Was passiert mit unserem Brauchwasser?  Wir besuchen das älteste Abwassersystem des europäischen Festlandes in Hamburg.  Die ersten großen Leitungssysteme wurden 1842 nach einer Feuerkatastrophe gebaut, denn die Stadt sollte besser mit Löschwasser versorgt werden können.  So entstand das damals modernste und beste Wasserversorgungs- und entsorgungssystem. 1.000 Kilometer Kanäle aus Ziegelsteinen sind bis heute das Herz der Abwasserentsorgung Hamburgs.  Aber die müssen abgelassen, untersucht und ausgebessert werden – eine Mammutaufgabe!

In Deutschland haben wir ausreichend Wasser, auch für die Landwirtschaft.  Aber ausgerechnet in einer Region, in der akuter Wassermangel herrscht, wird Gemüse für ganz Europa angebaut:  in Andalusien, im Süden Spaniens. Ein Meer aus Gewächshäusern ist entstanden – das Plastikmeer. Jährlich wird den unterirdischen Reservoirs mehr Wasser entnommen, als nachfließt. Entsalzungsanlagen an den Küsten sollen aus Meerwasser Trinkwasser machen. Aber die Anlagen verbrauchen enorm viel Energie aus fossilen Brennstoffen. So wird aus dem Wasserproblem ein Energieproblem. Daher forschen Wissenschaftler unweit des Plastikmeers an einer Methode, die Entsalzung umweltfreundlich zu gestalten – mit Hilfe einer Zutat, die es in Andalusien in Hülle und Fülle gibt: Sonne. Mit ihrer Hilfe wird Brauchwasser aus der Stadt Almería aufbereitet und gereinigt, um Trinkwasser zu gewinnen.