[W] wie Wissen: Sendetermine

Ein Datum eines Kalenderblatts
Samstag ist [W] wie Wissen-Tag | Bild: imago stock&people

11. August: Rebhuhn, Spatz und Kiebitz – wo sind unsere Vögel?

Spatz oder Rebhuhn, Schwalbe oder Kiebitz, Feldlerche oder Fasan – viele einheimische Vögel sind inzwischen im Bestand stark zurückgegangen oder sogar vom Aussterben bedroht. 

Der Spatz folgt dem Menschen seit Jahrtausenden – von den ersten Ansiedlungen bis in die heutigen Großstädte. Einst galt er noch als Plage – mittlerweile steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Arten. Dabei ist der Spatz ein wahrer Überlebenskünstler, enorm anpassungsfähig und erfindungsreich, dennoch hat sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren der Bestand bundesweit fast halbiert. Es fehlt zunehmend an Nahrung und Brutplätzen. [W] wie Wissen geht dem Spatzenschwund auf den Grund und zeigt, wie dem kleinen frechen Vogel geholfen werden könnte.

Nicht nur in der Stadt werden sie selten, auch auf dem Land leben immer weniger Vögel. Rebhühner finden in der heutigen Agrarlandschaft weder Lebensraum noch genügend Nahrung. Sie sind vom Aussterben bedroht, der Bestand ging seit 1980 um 95 Prozent zurück. Was kann man für die Tiere tun? Göttinger Wissenschaftler haben Rebhühner mit kleinen Sendern versehen und ihre Bewegungen verfolgt. Die Vögel brauchen Deckung und Nahrung. Sie profitieren von Blühstreifen und ungemähten Wiesen, in denen sie Schutz und vor allem auch Insekten für ihrer Jungen finden können. Hier muss viel mehr passieren, um die Tiere zu retten.

Beim Kiebitz besteht ebenso großer Handlungsbedarf. Er verliert seinen Lebensraum – Auenlandschaften und ungemähte Wiesen. Pestizide bedrohen die Insekten, die Vögel finden nichts mehr zu fressen. Was tun? Die konventionelle Landwirtschaft abschaffen? Unrealistisch und gar nicht nötig, sagen die Akteure von F.R.A.N.Z., einem Modellprojekt, das zum Ziel hat, den Vogelschutz in unserer Agrarlandschaft zu verbessern. Oft sind nur kleine Veränderungen nötig, um das Überleben einzelner Vogelarten zu sichern. Zehn konventionelle Bauern sind mit von der Partie, einen dürfen wir begleiten. Regelmäßig kommen Naturschützer und Wissenschaftler auf seinem Hof zusammen, um mit ihm Vogelschutz-Maßnahmen zu besprechen.

Großbritannien hat eine ganz besondere Vogelwelt – und die wohl begeistertsten Vogelbeobachter der Welt. "Twitcher" nennt man die besessenen Hobby-Ornitholgen, die sich erbitterte Wettkämpfe darum liefert, wer die meisten seltenen Vögel gesehen hat. Die Nachricht von der Sichtung eines seltenen Vogels soll bei einem typischen "Twitcher" nervöse Zuckungen auslösen. Der lässt dann alles stehen und liegen, meldet sich krank und macht sich auf den Weg, um die Seltenheit in den Fokus seines Spektivs zu bekommen. [W] wie Wissen macht sich mit so einem "Twitcher" auf die Suche nach seltenen Tieren.

18. August: Die Welt ist bunt – aber ist mein Blau auch dein Blau?

Ist das Blau, das ich sehe, auch das, was du siehst?  Schwer zu beantworten, aber ein spannendes Forschungsgebiet. Auf jeden Fall bestimmt auch die Sprache, wie wir über Farben kommunizieren.  Blau oder grün? Dazwischen liegt Türkis – das Wort für diese Farbe nutzen wir aber erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts.  Unser Gehirn sucht nach Konstanz in der Welt der Farben. Eine Banane ist gelb, klar – und wir sehen sie auch gelb, selbst wenn sie auf Fotos eigentlich grau ist. 

Waren alle Dinos grau, und wie kann man wissen, welche Farben sie hatten? Bei Tieren wird in spezialisierten Zellen Farbstoff in winzigen Fächern, den Melanosomen, ausgebildet. Und diese Strukturen sind in manchen Fossilien mit Hautresten erstaunlicherweise gut erhalten. Heute kann man sie als Millionen längliche Gebilde unter dem Elektronenmikroskop erkennen. Jede Farbe hat eine eigene Kennung der Melanosomen – so weiß man inzwischen, wo ein Dino welche Farbe trug.  Die längst ausgestorbenen Echsen bekommen ihre Farbe zurück!

Aber auch unsere heutige Tierwelt birgt immer wieder Überraschungen: Chamäleons tragen Tarnfarben, meist sind sie grün oder braun gemustert. Erst kürzlich entdeckten Wissenschaftler in München, dass die meisten Arten auch fluoreszierende Muster haben.  Die leben in schattigen, tropischen Wäldern, wo der Anteil an ultraviolettem Licht relativ hoch. Genau das nutzen die Tiere mit Fluoreszenz, zur Kommunikation mit Artgenossen und unsichtbar für potenzielle Feinde.

Bunte Muster auf der Haut – das scheint auch vielen Menschen zu gefallen. Jeder vierte Deutsche trägt mittlerweile ein Tattoo, feine Muster bin hin zu farbenprächtigen, fotorealistischen Gemälde. Und obwohl die Tattoo-Szene blüht wie nie zuvor, konnten Mediziner bisher nicht erklären, warum die in die Haut gespritzten Farben ein Leben lang erhalten bleiben. Schließlich gehört die Haut zu den Organen, die sich ständig erneuern. Doch nun hat ein Forscherteam in Frankreich das Rätsel gelöst.

25. August: Spuren, die wir hinterlassen

Stinkig und ekelig, was in der Toilette landet? Pro Tag produziert ein gesunder, erwachsener Mensch durchschnittlich 1,5 Liter Urin – und das ist ein wertvoller Rohstoff. Forscher im Bioenergiezentrum in Bristol haben jetzt herausgefunden, wie man die gelbliche Flüssigkeit sinnvoll nutzen kann und ein ganz besonderes Urinal entwickelt. Wer hier aufs stille Örtchen geht, kann gleichzeitig Strom erzeugen! Das funktioniert mit mikrobiellen Brennstoffzellen: In diesen Zellen befinden sich Bakterien, die den Urin verarbeiten.

Aber wir hinterlassen nicht nur körperliche Spuren, wir haben auch ein virtuelles Leben. Wir chatten über Whatsapp, führen unser Facebookaccount wie einst ein Tagebuch, speichern unsere Fotos und Daten bei Cloud-Diensten. Was aber geschieht mit unserem "digitalen Ich", wenn wir mal nicht mehr sind? Das kann richtig kompliziert werden! Inzwischen gibt es professionelle Nachlassverwalter, die mit Bestattungsunternehmen zusammenarbeiten. [W] wie Wissen gibt Tipps, wie man hier vorsorgen kann.  

Wie sicher ist das Erbe der Menschheit in Bits und Bytes archiviert? Martin Kunze, Keramik-Künstler aus Österreich, ist der Überzeugung, dass digitale Archive nicht ewig halten. Programme und Geräte ändern sich rasend schnell. Er betreibt deshalb das Projekt "Memory of Mankind" und archiviert Schriften und Daten auf winzigen Keramiktäfelchen, die eine sehr lange Haltbarkeit haben. [W] wie Wissen hat Martin Kunze in einem dem österreichischen Salzbergwerk besucht, in dem er ein Archiv der Weltgeschichte aufbaut.

Kunst der alten Meister wird seit Hunderten Jahren sorgfältig bewahrt und Ölfarben, Marmor oder Holz immer wieder vorsichtig restauriert. Aber viele Künstler verwenden inzwischen Plastik für ihre Kunstwerke, und dessen Lebensdauer ist begrenzt. Es wird spröde, die Farbe verblasst. Wichtige Werke der modernen Kunst drohen verloren zu gehen. Wie kann man den Verfall aufhalten? Einschweißen? Kühlen? In dunkle Räume verbannen? Wir haben in Museen nachgefragt.

1. September: Was tun gegen die Plastikflut?

Jeder Deutsche produziert im Durchschnitt 72 Kilo Plastikmüll pro Jahr – die Hälfte davon sind Verpackungen. Die Folgen der weltweiten Plastikflut sind dramatisch: In einigen Teilen der Weltmeere gibt es inzwischen mehr Plastik als Plankton. Klar ist: Wir müssen unseren Verpackungsverbrauch extrem reduzieren. Aber wie schaffen wir das im Alltag, am besten schon beim Einkaufen, und was tun eigentlich die großen Ketten, um die Verpackungsflut einzudämmen?

Nicht nur im Meer, auch in unseren Flüssen gibt es inzwischen eine immer stärkere Verunreinigung mit Mikroplastik. Wir begleiten Forscher der Universität Bayreuth auf der Suche nach Mikroplastikpartikeln im Rhein und gehen der Fragen nach, welche Folgen die Belastung für Mensch und Umwelt hat.

Woher kommt Mikroplastik? Zunächst mal entsteht es in Jahrzehnten durch den Zerfall großer Plastikteile. Reifenabrieb, Mikroplastik in manchen Drogerieartikeln oder Fasern aus Funktionskleidung – es gibt viele weitere Quellen für Mikroplastik. Geschätzte 90.000 Tonnen dieser winzigen Plastikpartikel landen Schätzungen zufolge pro Jahr bei uns in der Umwelt – und früher oder später im Abwasser. Kläranlagen sind mit den winzigen Kunststoff-Partikeln meist überfordert. Forscher in Berlin suchen nach Auswegen.

Kunststoffe werden mit Erdöl, Erdgas und Kohle erzeugt. Sie sind ein Umweltproblem – aber sie sind eben auch ein vielseitiger, günstiger, unverzichtbarer Werkstoff. Ein Leben komplett ohne Kunststoffe ist undenkbar. Lässt sich der Werkstoff auch umweltfreundlich herstellen? [W] wie Wissen besucht das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundstoffe. Dort wird mit Kunststoff aus Mais, Zuckerrohr, Kaffeesatz oder sogar Holz experimentiert.

8. September: Richtig essen – sind extreme Ernährungstrends gesund?

Immer neue Empfehlungen zur optimalen Ernährung, bei der man gesund bleibt und dabei noch schlank wird – das Interesse ebbt nicht ab. Die einen setzen auf Low Carb, andere auf Low Fat. Manche versuchen mit "Clean Eating" möglichst naturbelassene Lebensmittel zu essen – oder erhoffen sich Gesundheitseffekte durch Superfoods und Smoothies. Aber was ist dran an diesen Ernährungstrends?

Smoothies sind weder besonders gesund, noch zum Abnehmen geeignet. Im Gegenteil: Die geballte Ladung Vitamine enthält – wenn sie aus Früchten besteht – so viel Fruchtzucker, dass sie eine wahre Kalorienbombe ist. Und auch grüne Smoothies aus Gemüse können problematisch sein, denn ein Übermaß an Antioxidantien können das chemische Gleichgewicht im Körper stören.  

Wer abnehmen will, scheitert oft an den strikten Diätvorschriften. Beim Intervallfasten soll das dagegen nicht passieren. Statt einer Diät isst man wie immer, schiebt aber längere Essenspausen als üblich ein. Ob es funktioniert? Wir haben es getestet.

Die Kohlenhydrate treten an gegen das Fett. Low Carb heißt: Verzicht auf Kohlenhydrate und nach Belieben Fett und Eiweiß futtern.  Low Fat dagegen heißt: Verzicht auf fette Speisen und viele Kohlenhydrate essen. Welche Diät ist gesünder, und wie nimmt man am besten ab?

Möglichst schadstofffreie Biokost, mit wenig Zucker und wenig Fett – eine gesunde Ernährung ist für viele Menschen wichtig. Doch bei einigen nimmt die Fixierung auf gesundes Essen extreme Ausmaße an. Das kann zu einer Essstörung führen, die Orthorexie. Vor allem junge Frauen sind betroffen. Sie finden immer weniger Lebensmittel, die ihrer Meinung nach wirklich gesund genug sind, und magern bedenklich ab. In einer Klinik für Essstörungen wird ihnen geholfen.

15. September: Gesund oder krank – wie geht es unserem Gesundheitssystem?

Deutschland gibt täglich eine Milliarde Euro für Ärzte, Krankenhäuser und Medikamente aus. Bei den Gesundheitsausgaben gehören wir laut OECD-Bericht zur Weltspitze. Aber ist das Gesundheitssystem sein Geld wert? Das will [W] wie Wissen genauer unter die Lupe nehmen.

Die erste Anlaufstelle für Patienten sind die Hausärzte. Gerade in manchen ländlichen Regionen gibt es immer weniger Hausärzte und immer mehr verzweifelte Patienten, zum Teil ist die Versorgung gefährdet. Durch die Anwerbung ausländischer Mediziner und die Einrichtung von Gemeinschaftspraxen versuchen die betroffenen Gemeinden, Abhilfe zu schaffen.

Während bei den Hausärzten Mangel herrscht, haben wir im europäischen Vergleich eine hohe Zahl an Kliniken, Krankenhausbetten und Operationen. Statistisch gesehen wurde im letzten Jahr jeder vierte Deutsche stationär behandelt, und die OP-Zahlen sind im Vergleich zu 2004 um fast 40 Prozent gestiegen. Da stellt sich die Frage: Sind all diese Eingriffe sinnvoll? Kritiker fordern eine Umgestaltung der Krankenhauslandschaft – weg von zu vielen kleinen Krankenhäusern hin zu weniger aber dafür großen, gut ausgestatteten Gesundheitszentren.   

Ein Umbruch in der medizinischen Versorgung, der in anderen Ländern längst eingeleitet ist. Ein Extrembeispiel ist eine Herzklinik in Indien. Nur eine radikale Spezialisierung ermöglicht hier eine Versorgung der Allerärmsten. Medizin zum Discount-Preis!

29. September: Die Kraft der Riesenwellen

Zum Surfen, zum Hüpfen in der Brandung – Wellen machen Spaß.  Aber woher kommen sie eigentlich? Wellen sind Energie. Ebbe, Flut und Wind bringen die Wassermoleküle in Schwingung.  Bei Oberflächenwellen bewegen sich die Wassermoleküle auf kreisförmigen Bahnen, der Durchmesser steht dabei senkrecht auf der Wasseroberfläche. Trifft das Meer auf die Küste, werden die unteren Wasserteilchen gebremst, die oberen nicht – das sind die Flachwasserwellen.

Und die können riesig werden. An keinem Strand der Welt schlagen höhere Wellen auf als in Nazaré in Portugal. Über 30 Meter hoch sind die Monsterwellen, die hier in den Wintermonaten brechen. Big Wave Surfer aus aller Welt warten auf die nächste Riesenwelle, Rekorde werden aufgestellt, Touristen beobachten das Spektakel. [W] wie Wissen hat sich die Szene mal angeschaut.

Am 5. Juni 1858 türmten sich die Wassermassen vor Dänemark und der deutschen Nordseeküste. Ohne Vorwarnung rollte eine sechs Meter hohe Flutwelle an dem warmen, windstillen Sommertag auf die Küstenregion zu. Der Geograf Jürgen Newig von der Kieler Christian-Albrechts-Universität erforscht diesen Tsunami und stützt sich auf zeitgenössische Berichte von Menschen, die das Ereignis auf Sylt, Wangerooge und Helgoland beobachteten. Er nimmt an, dass die Riesenwelle durch einen Hangabrutsch im Atlantik entstanden ist. [W] wie Wissen geht der Frage nach, ob so etwas heute wieder passieren könnte. 

Aber wie genau entstehen derartige Monsterwellen? Bei Experimenten im Wellenkanal kann man das nachvollziehen. Das ist auch wichtig bei der Frage, wie Menschen die große Energie des Meeres besser nutzen können. Oft schienen Forscher und Ingenieure in den letzten Jahrzehnten dabei kurz vor dem Durchbruch zu stehen, der Bau von großen Kraftwerken wurde geplant oder angekündigt.  Doch bisher ist es noch nicht geglückt, die Energie in großem Maßstab zu nutzen. Ein Problem: Die Technik ist teuer und reparaturanfällig, weil das Salzwasser die Turbinen angreift. Aber Forscher tüfteln immer weiter an neuen Konzepten.

6. Oktober: Wenn die Insekten sterben

In den letzten 25 Jahren sind die Insekten in Deutschland um bis zu 75 Prozent zurückgegangen – sogar in den Naturschutzgebieten. Eine dramatische Entwicklung! Viele Vögel finden nicht mehr genug zu fressen, die Nahrungskette kommt ins Wanken. Und es trifft auch uns Menschen, wenn immer weniger Bienen und Hummeln ihren Job als Bestäuber machen.

[W] wie Wissen macht den Praxis-Test: Was, wenn keine Bienen oder andere Bestäuber mehr da sind? Wie aufwendig ist dann die Bestäubung der Obstbäume zum Beispiel von Hand? Zusammen mit einer Landschafts-Ökologin von der Uni Freiburg machen wir auf einer Apfelplantage am Bodensee ein Experiment: Wir isolieren Bäume von der Außenwelt. So kann die Expertin abschätzen, wie teuer eine Ernte ohne Hilfe von Insekten für den Obstbauern, und damit auch uns Verbraucher werden könnte.

Die Landwirtschaft gilt als einer der Hauptverursacher für das Insektensterben, mit ihren Monokulturen und dem massiven Einsatz von Pestiziden. Ginge das auch anders, mit mehr Biolandbau und einer anderen Subventions-Strategie? [W] wie Wissen fragt nach.

Insektenforscher Robert Trusch verwaltet im Naturkundemuseum Karlsruhe eine der größten Schmetterlingssammlungen Deutschlands. Er kann genau sagen, wie häufig einzelne Arten früher waren und wie es aktuell aussieht. Danach ergibt sich ein erschreckendes Bild. Wir begleiten den Wissenschaftler auf Falterjagd in den Rheinauen. Er zeigt uns welche Spezies noch heute dort zu finden sind und welche nicht mehr.