SENDETERMIN So, 15.06.14 | 17:00 Uhr

Verhüllte Warenwelt - Warum gibt es so viele Verpackungen?

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Verhüllte Warenwelt - Warum gibt es so viele Verpackungen? | Video verfügbar bis 13.06.2019
Verpacktes Obst und Gemüse
Verpackungen schützen, informieren und werben.

Die Zeit, in der wir unser Essen ausschließlich selbst anbauten und die Milch direkt von der eigenen Kuh molken, sind lange vorbei. Und fast genauso lange gibt es auch Verpackungen. In erster Linie als Schutz und Transportmittel unseres Essens. Mittlerweile fällt im Schnitt bei jedem von uns 33 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr an. Ein großes Entsorgungsproblem. Deswegen fragt [W] wie Wissen: Warum gibt es so viel Verpackungen?

Verpackungen- Die zweite Haut der Supermarktprodukte

In Plastik verpackter Biosalat
Häufig sind Verpackungen aus Kunststoffen.

Der Blick in die Supermarktregale zeigt: Es ist eine bunte Welt aus bedrucktem Karton, glitzernden Plastik- oder Alufolien. In jedem Markt gibt es im Schnitt etwa 170.000 Verpackungen. Das Verpacken von Waren gehört zu den ältesten handwerklichen Techniken. Allerdings haben sich Materialen und Zweck der Verpackungen im Laufe der Jahrhunderte stark verändert: Werbung und Kundenbindung stehen heute mindestens genauso im Vordergrund, wie die Notwendigkeit des Transportes und der Produktschutz. Nach Angaben der Deutschen Verpackungshersteller wurden allein 2011 rund 20 Millionen Tonnen Verpackungen produziert. Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt sechs Packungen pro Tag.

Mit 40 Prozent haben Kunststoffe den größten Anteil an den Verpackungsmaterialen. Die Kunststoffe, die umgangssprachlich auch als "Plastik" bezeichnet werden, sind umstritten: Sie sollen gesundheitsgefährdende Weichmacher und andere Schadstoffe enthalten. Gelangen sie durch fehlende fachgerechte Entsorgung in die Gewässer, hat das fatale Folgen für die Umwelt und die Meerestiere. Plastik ist auch schwierig zu entsorgen: Nach Angabe der Deutschen Umwelthilfe, brauchen Plastiktüten zum Beispiel bis zu 500 Jahre, bis sie vollständig abgebaut sind - je nach eingesetztem Kunststoff.

Verpackungen vermeiden - die Grenzen des Verzichts

Eine Frau hält eine Aluminiumdose in der Hand.
Eigene Transportverpackungen von Kunden sind oft nicht gerne gesehen.

Es gäbe die Möglichkeit, ganz auf eine Verpackung im Supermarkt zu verzichten. Zum Beispiel, wenn man mit der eigenen Blechdose Wurst oder Käse an der Frischtheke kauft. Wir haben es versucht, sind aber nicht weit gekommen. Der Grund: Rein rechtlich gibt es zwar nichts gegen den Einkauf mit der eigene Wurst - oder Käsedose einzuwenden, aber die strengen Hygienevorschriften der Lebensmittelindustrie führen dazu, dass Händler die Ausgabe in "Privatboxen" scheuen. Aus Sorge, dass bei der Übergabe einer gebrauchten Dose in den Thekenbereich Keime übertragen werden, die die Waren kontaminieren, lehnen die meisten Händler den Abverkauf ab.

Das wird ein Stück verständlich, wenn man sich die Flut von Vorschriften anschaut, die es zu beachten gilt: Da wäre zuallererst die Verordnung zum "Inverkehrbringen von Lebensmitteln tierischen Ursprungs". Sie verpflichtet Hersteller und Handel "nur hygienisch einwandfreie Ware" abzugeben. Sonst haften sie für Schäden. Dazu kommen Spezialvorschriften für den Verkauf von Käse, Bioprodukten oder auch Geflügel und einiges mehr.

Nun sind Verpackungen bei losen Waren wie Wurst und Käse, aber auch bei Flüssigkeiten wie Milch, Saft oder Salatölen natürlich unerlässlich für den Transport. Doch was ist mit Obst und Gemüse? Diese Produkte haben oft mit ihrer Schale einen natürlichen Transport- und Hygieneschutz. Vor allem bei eingeschweißten Bio-Äpfeln, Gurken oder Aprikosen ärgern sich Verbraucher. Schließlich versprechen diese Waren, dass sie umweltfreundlicher produziert wurden, als konventionelle Produkte. Doch die Ökoverordnung schreibt vor, dass Bioware im Supermarkt deutlich getrennt von der konventionellen Ware angeboten werden muss. Um zu gewährleisten, dass sich hier nichts "vermischt", werden Bioäpfel und anderes immer noch extra verpackt. Das bedeutet natürlich auch, dass mehr Verpackungsmüll entsteht.

Verpackung der Zukunft

Um Verpackungsmüll zu reduzieren und die Akzeptanz bei umweltbewussten Kunden zu erhöhen, wird seit vielen Jahren einiges getan: Müsli in Altpapierkartons, dünnere Lebensmittelfolien, kompostierbare Plastikbecher. Doch der große Durchbruch für das Verpacken von Frischkäse, Cocktailsoßen oder Salamischeiben ist noch nicht gemacht. Um die Haltbarkeit und Hygiene diese Lebensmittel zu gewährleisten, wird immer noch viel Plastik eingesetzt. Normalerweise wird Plastik aus Erdöl gewonnen. Doch das wird langsam knapp, die Preise steigen. Viele Firmen experimentieren schon seit Jahrzehnten mit Bioplastik aus nachwachsenden Rohstoffen, doch immer noch liegt - laut einer Erhebung 2009 - der Anteil der Verpackungen aus Biomaterialien bei unter einem Prozent.

In Zukunft wird man im Supermarkt nicht weniger und sehr viel umweltfreundlichere Materialien sehen, als vielmehr Verpackungen mit neuem Zusatznutzen. Der Schlüsselbegrifft lautet: intelligente Verpackungen. Dazu gehören wieder verschließbare Tüten, wie man sie jetzt schon für Kürbiskerne, oder Trockenobst findet, sowie zum Beispiel speziell beschichtete Olivenölflaschen, die zeigen, wann das Produkt verdorben ist.

Autoren: Mona Geier (SWR)

Stand: 15.06.2014 14:21 Uhr