SENDETERMIN So, 27.01.13 | 17:00 Uhr | Das Erste

Zuckerersatzstoffe

Ein Schüsselchen mit Zuckerersatz neben einem Zuckerwürfel

Zum Süßen gibt es Alternativen zu Zucker.

Die Evolution hat uns darauf getrimmt: Süß ist gut. Es signalisiert reife Früchte, Zucker und damit Energie. Über Jahrmillionen unserer Entwicklungsgeschichte war die "süße Sucht" kein Problem, denn es gab eher einen Mangel, als ein Überangebot. Das hat sich gründlich geändert.

Tatsächlich nehmen wir heute 20 mal so viel Zucker zu uns, wie die Menschen vor 150 Jahren. Zu viel des Guten und nicht nur ein Problem für die Zähne und die schlanke Linie. Zuckerersatzstoffe können hier helfen. Zum einen die natürlichen, dem Zucker verwandten Zuckeraustauschstoffe, zum anderen die künstlich hergestellten Süßstoffe. Sie sind 100 bis 400 Mal süßer als Zucker.

Die zwei Klassen der Zuckerersatzstoffe

Neben der Nachbildung eines Gebisses steht eine Schüssel mit einem Zuckeraustauschstoff.

Zuckeraustauschstoffe wie Xylith süßen die Zahnpasta

Natürliche Zuckerersatzstoffe wie Sorbit, Xylith, Maltit oder Lactit haben nur halb so viele Kalorien wie Zucker. Sie sind aber auch nur halb so süß wie der echte Zucker. Also braucht man doppelt so viel davon, um auf die gleiche Süße zu kommen - also auch kein Zugewinn. Aber unsere Zähne profitieren von diesen Zuckerersatzstoffen.

Die Bakterien im Zahnbelag können Zuckerersatzstoffe wie Xylith nicht verdauen. Somit können die Bakterien die Säuren, die normalerweise Karies auslösen nicht bilden. Deshalb sind "antikariogene" Zuckeraustauschstoffe die idealen Süßer für Zahncremes und Mundspülungen. Wenn es um die Zahngesundheit geht, ist Xylith die erste Wahl.

Aber Zuckeraustauschstoffe können auch Probleme bereiten. Sie beeinträchtigen die Verdauung. Empfindliche Personen reagieren mit Blähungen und Durchfall. Der Grund: Zuckeraustauschstoffe gelangen in den Dickdarm, weil sie nur unvollständig im Dünndarm aufgenommen werden. Im Dickdarm wird der Zuckerersatzstoff von Bakterien heftig vergoren, dabei entstehen unerwünschte Gase. So können Stoffe wie Maltit, Sorbit und Co. zu einem Reizdarm führen. Dieses Problem gibt es beim normalen Haushaltszucker nicht.

Natürliche Zuckerersatzstoffe oder besser Süßstoff?

Verschiedene Flaschen mit Süßstoff

Viel süßer als Zucker: künstliche Süßstoffe.

Die Zuckeraustauschstoffe sind natürliche Stoffe, die zum Beispiel auch in süßen Früchten vorkommen. Das unterscheidet sie grundlegend von der Alternative, den Süßstoffen. Diese sehr intensiven Süßmittel kommen aus dem Labor. Sie werden chemisch synthetisiert. Der wichtigste Rohstoff ist Erdöl. Beispiel: der Süßstoff Acesulfam K. Er wurde 1967 zufällig in den Laboratorien der Höchst AG entdeckt. Acesulfam K ist nicht nur sehr hitzestabil, der Süßstoff übersteht auch die Verdauung unbeschadet und landet so in den Kläranlagen.

In Softdrinks wird gerne Aspartam zum Süßen eingesetzt, ein lange umstrittener Süßstoff. In Tierversuchen hatte er in den 60-Jahren Blasenkrebs verursacht, allerdings nur bei sehr hohen Dosierungen. Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa sieht keine wissenschaftlichen Beweise für eine Gefahr durch Aspartam. Der Verdacht ist aber nicht ganz vom Tisch. Das Abbauprodukt Diketopiperazin wird noch untersucht. Im Mai 2013 soll eine endgültige Beurteilung vorliegen.

Ähnlich umstritten war der Süßstoff Cyclamat. In Tierversuchen hat auch Cyclamat Krebs erzeugt. Allerdings nur in abenteuerlich hohen Dosierungen, wie sie beim Süßen mit Cyclamat nicht erreicht werden. Im Jahr 2004 gab es eine große Übersichtsstudie zu Süßstoffen und Krebsgefahr. Die Autoren kommen zu dem Schluss: Das Risiko ist unerheblich.

Stevia: der aufgehende Stern am Süßstoffhimmel

Stevia-Pflanze

Stevia wird aus den Blättern der gleichnamigen Pflanze gewonnen.

Seit 2011 ist Stevia als Süßmittel in der EU zugelassen und erfreut sich großer Beliebtheit. Auch Stevia stand unter Krebsverdacht. Doch Menschen müssten täglich die Hälfte ihres Körpergewichts in Steviablättern zu sich nehmen, um sich dem Krebsrisiko auszusetzen. Dabei reicht zum Süßen ein halbes Gramm Stevia pro Tag.

Ganz ersetzen werden die Zuckerersatzsstoffe den Originalzucker wohl nie. Seine spezielle runde Süße, sein Glanz, seine Eigenschaften in Küche und Backstube werden von den Stellvertretern oft nur unvollkommen erreicht.

Autor: Frank Wittig (SWR)

Stand: 20.06.2013 16:57 Uhr