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17.03.2010

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Rückschau: Die Schimmel-Lüge

Das Geschäft mit der Angst 

Autoren: Mareike Burgschat/Jörg Hilbert 

Schimmel an der Wand, Foto: picture-alliance / dpa Bild vergrößern Bildunterschrift: ]
(© NDR) Schimmel in der Wohnung - "der macht in jeden Fall krank." Das ist mittlerweile landläufige Meinung. Die Angst vor Schimmel ist groß. Damit lassen sich auch gute Geschäfte machen. Schimmelgutachter und -sanierer machen sich unter deutschen Dächern breit. Und allzu oft werden sie fündig.

Dabei lässt sich die Angst vor dem Schimmel durchaus als übertrieben bezeichnen. Das Umweltbundesamt sieht keinen wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhang zwischen der Konzentration von Schimmelpilzen in Innenräumen und möglicherweise daraus entstehenden Krankheiten.

Ein gutes Geschäft: Schimmelbeseitigung

Dennoch gehört Schimmel in hohen Konzentrationen nicht in die Wohnung. Wo er auftritt, da muss gründlich saniert werden. Doch mittlerweile suchen Gutachter auch im letzten Winkel nach Schimmelsporen. Die Lobby-Arbeit der Schimmelsanierer funktioniert. Die "Gefahr durch Schimmel" ist immer wieder Thema in den Medien.

"Es geht um eine Menge Geld dabei, das darf man nicht vergessen. Und diejenigen, die in den Medien am besten auftreten, die bekommen die meisten Folgeaufträge", so Dr. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt. Die Behörde gibt wegen der Unsicherheit bei Mietern, Hausbesitzern und auch Fachleuten den sogenannten "Schimmelpilzsanierungs-Leitfaden" heraus. Panik soll damit aber nicht verbreitet werden.

Doch auch die für den Leitfaden verantwortliche Innenraumlufthygienekommission kommt nur zu dem Ergebnis: "Bis heute gibt es in der Fachwelt keine schlüssige Antwort auf die schwierige Frage, wie Schimmelpilzschäden methodisch sicher und auf einheitliche Weise zu erfassen sind."

Unterschiedliche Methoden – unterschiedliche Ergebnisse

Und so nutzen Gutachter höchst unterschiedliche Untersuchungsmethoden und kommen oft zu genauso unterschiedlichen Ergebnissen. Diese Unsicherheiten machen den Weg frei für das Geschäft mit dem Schimmel. Wer lange genug sucht, der findet auch etwas. Nach diesem Motto prüfen sogenannte Schimmel-Experten die Wände und Böden deutscher Wohnungen. Sie suchen nach verstecktem Pilzbefall. Und so findet sich in so gut wie jedem Bau früher oder später eine Ecke, die mit Schimmel-Sporen verschmutzt ist. Denn kein Haus ist schimmelfrei. Die Empfehlung vieler Sanierer lautet dann: Alles Befallene rausreißen. Fußböden erneuern, Wände abtragen, alles neu machen, jeden Verdacht beseitigen.

"Es geht darum, eine Angst zu schüren die es ermöglicht, Untersuchungen und entsprechende Begutachtungen ins Feld zu führen, die teilweise so überzogen sind, dass sie nicht notwendig sind", urteilt Mikrobiologe Dr. Thomas Warscheid. Denn der Pilzbefall sei unbedenklich, solange er im verborgenen schlummere und keinen Einfluss auf die Raumluft habe. Wichtig sei aber, dass die Ursache für den Schimmel, nämlich Feuchtigkeit, bekämpft wird.

Schadensbewertung liegt im Ermessen des Gutachters

Allgemein gültige Grenzwerte für Schimmelbefall gibt es nicht, und auch die Sanierungsmaßnahmen sind nicht festgeschrieben. Es liegt also allein im Ermessen des Gutachters, wie er einen Schaden bewertet und was er zur Lösung des Problems vorschlägt. Sollte sich die Meinung durchsetzten, in jedem Fall das gesamte verschmutzte Material zu entfernen, werden in den kommenden Jahren enorme Kosten auf Hausbesitzer, Bauunternehmer, Versicherungen und auch Kommunen zukommen.

Für den Verbraucher gilt also: Wenn es tatsächlich Hinweise auf verdeckte Schimmel-Schäden gibt, dann lieber einen Gutachter zu viel anhören, als vorschnell das ganze Haus abreißen. "Schäden sind zu vermeiden. Schäden sind zu sanieren. Aber bitte mit Augenmaß und nicht mit übertriebener Hysterie", so Warscheid.

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 15.12.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Di, 15.12.09 | 21:50 Uhr

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