Bernhard Grzimek – der Abenteurer, der Medienprofi, der Sonderling

Grzimek mit einem Elefanten.
Bei seinen Reisen studierte Grzimek, wie wilde Tiere in Freiheit leben.

Wenn er dienstags um 20.15 Uhr seinen Platz vor der Kamera einnimmt, wirkt Bernhard Grzimek nicht wie ein Mann, der das Abenteuer sucht. Der Zoodirektor, so sein Hauptberuf, sitzt ordentlich gescheitelt, mit Krawatte und Anzug im Studio und begrüßt seine Zuschauer freundlich und näselnd mit den immer gleichen Worten "Guten Abend meine lieben Freunde". Seine Studiogäste sind dann aber doch recht wilde Genossen für eine Live-Sendung. Mal sitzt ein Tiger am Stuhlbein, mal hält er einen Affen im Arm, mal liegt eine Schlange um seinen Hals.

Aber der studierte und promovierte Veterinärmediziner will die wilden Tiere nicht nur ins Wohnzimmer bringen oder in seinem Frankfurter Zoo beobachten. Sein großer Wunsch ist sie auch in der freien Wildbahn zu studieren. Dazu begibt sich Bernhard Grzimek ab den fünfziger Jahren mit seinem Sohn Michael auf Forschungsreisen. Die beiden touren oft durch Afrika, sie besuchen aber auch andere Kontinente wie Japan, Kanada, Australien und Südamerika.

Furchtlos in der afrikanischen Wildnis

Damit das Reisen komfortabler wird, machen Vater und Sohn Michael auf Initiative von Michael den Flugschein und steigen nach bestandener Prüfung in Frankfurt in eine Dornier 278 mit Zebrastreifen und fliegen vom Flughafen Egelsbach (Gemeinde Offenbach) in zwei Wochen zum Zielort Arusha (im Nordosten Tansanias).

Bernhard Grzimek mit seinem Sohn Michael.
Sohn Michael entwickelt sich bereits sehr früh zum engen Begleiter.

In der afrikanischen Wildnis geht Bernhard Grzimek mit den Tieren ebenso furchtlos um, wie er das zuhause tut. Für gute Filmaufnahmen riskiert er viel. Zum Beispiel tritt er einmal mit einem Plastiknashorn vor ein echtes Nashorn. Was witzig klingt, ist für ihn und die Crew lebensgefährlich. Denn die Reaktion des Tiers kann er keinesfalls vorhersehen.

Grzimek wirkt auf Frauen


Aber auch das private Abenteuer sucht der erfolgreiche Filmemacher immer wieder. Seine Frau Hildegard heiratet er schon während des Studiums. Die beiden haben zwei Söhne –  Rochus kommt 1931 zur Welt, Michael drei Jahre später und 1950 adoptieren die beiden noch einen dritten Jungen namens Thomas.

Bernhard Grzimek und seine Frau Erika nach der Trauung.
Bernhard Grzimek und seine Frau Erika nach der Trauung.

In den Kriegsjahren hat Grzimek eine Geliebte in Berlin. Aus dieser Affäre gehen zwei uneheliche Kinder hervor. Seine Ehefrau Hildegard zieht währenddessen die beiden Söhne auf, sie weiß um das Verhältnis. Die Ehe zerbricht dann endgültig nach dem Tod des Sohnes Michael, der 1959 bei einem Flugzeugunglück in der Serengeti verunglückt. Grzimek lässt sich 1973 von Hildegard scheiden und heiratet fünf Jahre später seine viel jüngere Schwiegertochter Erika, also die Witwe von seinem Sohn Michael.

Bernard Grzimek kommt mit seinem Charme bei den Frauen an und genießt seine Anziehungskraft. Noch im hohen Alter bekommt er körbeweise Liebesbriefe geschickt. Der Tierforscher setzt sein Charisma auch ganz gezielt ein für seine Missionen. Denn die reichen Damen zücken schnell mal ihre Geldbörsen.

Grzimek - der Medienprofi

Hunger und Not herrschen nach dem 2. Weltkrieg in Frankfurt. Zu diesen kargen Zeiten hat kaum einer Zeit oder Geld übrig, schon gar nicht für einen Zoo oder dessen hungrige Tiere. Bernhard Grzimek nimmt sein neues Amt als Zoodirektor trotzdem sehr ernst. Er verschafft sich Aufmerksamkeit: Mit seinen Helfern und den übrig gebliebenen Tieren zieht er kurzerhand durch die Stadt.

Der Frankfurter Zoo: Gehege für Tiere und ein Veranstaltungs- und Rummelplatz.
Der Frankfurter Zoo: Gehege für Tiere und ein Veranstaltungs- und Rummelplatz.

Und es funktioniert. Die Frankfurter sind regelrecht dankbar für die Ablenkung im tristen Nachkriegsalltag. Feste, Modenschauen, Musik, Feuerwerke, Faschingsfeten und einer Achterbahn im Tiergarten lenken von den Alltagssorgen ab. Mit diesen geschickten Events spült er reichlich Geld in die Zoo-Kasse. Sein Einfallsreichtum kennt dabei keine Grenzen. Einmal verspricht er den Frankfurtern, sie könnten bei ihrem nächsten Zoobesuch einen weißen Elefanten besichtigen. Die Neugierigen sehen dann tatsächlich einen weißen Elefanten – einen Dickhäuter, der mit weißer Farbe angestrichen war.

Rentable Zoologie-Häppchen

In seinem TV-Format setzt der Tierwissenschaftler bereits Anfang der sechziger Jahre auf Entertainment. In seiner Sendung "Ein Platz für wilde Tiere" folgt er der Devise zwei Drittel Unterhaltung, ein Drittel Info. Es gelingt ihm hervorragend, sein zoologisches Wissen in kleinen Häppchen unters Volk zu bringen. Nach der Sendung scheut er sich nicht, die Kontonummer einzublenden, um für Spenden für die bedrohte Tierwelt zu bitten.

Grzimek präsentiert im Fernsehstudio einen Otter.
In der Sendung "Ein Platz für Tiere" erklärt Grzimek die Tierwelt.

Nach einem Aufenthalt in der Serengeti erklärt Bernhard Grizmek in einer TV-Sendung, dass man ab sofort Pauschalreisen in die afrikanische Wildnis buchen könne. Als Kunden daraufhin in den Reisebüros nachfragen, diese aber noch nicht im Programm sind, werden erste Afrikasafaris in den Katalogen aufgenommen. Damit ist Grzimek der Erfinder der Safari-Pauschal-Reisen.

Gegen das Gesetz für seine Tiere

Einen großen Skandal ruft Grzimek mit seinen Filmaufnahmen bei einem Eierlieferanten hervor, um die grausamen Bedingungen in Legehennenbatterien an die Öffentlichkeit zu bringen.  Heimlich – ohne Dreherlaubnis – filmt er diese Art der Hühnerhaltung, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt ist.

Auch dem aufkommenden Trend, Froschschenkel in Restaurants zu essen, begegnet er radikal. Er lässt kritische Aufkleber anfertigen und klebt diese auf die Speisekarte entsprechender Restaurants, was Lokalverbote nach sich zieht. Für seine Tiere scheut Grzimek keine Mittel – ob legal oder illegal. Der Professor treibt für den Natur- und Tierschutz Millionen ein, aber auch er persönlich hinterlässt ein beachtliches Erbe.

Grzimek – der Sonderling

Und schließlich gibt es auch eine humorige Seite, des immer seriös wirkenden TV-Stars. Er liebt rüde Scherzartikel: ob Furzkissen, künstliche Hundehaufen oder Erbrochenes – er freut sich wie ein Kind, wenn er jemanden damit erschrecken kann. Vor diesen "Unverschämtheiten" ist keiner in seinem Umfeld gefeit.

von Andrea Rickert