Statement von Redakteurin Stephanie Heckner

Tatort-Redakteurin Stephanie Heckner
Tatort-Redakteurin Stephanie Heckner

»Am 14. Dezember 2013 lief ich auf der Suche nach letzten Geschenken durch die Innenstadt und blieb in einer Traube von Menschen hängen, die sich um eine junge Familie aus Südamerika gebildet hatte. Alle drei waren dick vermummt gegen die Kälte. Die Mutter sang, das Kind trommelte und der Vater spielte Gitarre. Wie das Bild einer anderen 'Heiligen Familie', die eine solche Lebenslust und Warmherzigkeit verströmte, dass jeder stehenblieb und daran teilhaben wollte. Ein paar Meter weiter an der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt saßen osteuropäische Bettler, jeder für sich, in einer Art Gebetshaltung denen gegenüber, die vorbeihasteten, um ihre Einkaufszettel abzuhaken. Betteln hat zu Weihnachten Hochkonjunktur. Die Kirchen verteilen Spendenzettel. Bettlerorganisationen schicken ganze Busse nach München.

Wie die Bettler zu Weihnachten ins Münchner Stadtbild gehören, so der Alte Südliche Friedhof mit seinen Obdachlosen, die manchmal noch unter den Arkaden schlafen, wenn die ersten Jogger schon ihre Runden drehen und seiner St. Stephans Kirche.

Ab Juni 2013 lag vor dieser Kirche plötzlich eine alte vergammelte Matratze über einem Betonpfeiler. In dieser Zeit lief die Entwicklung des Tatorts 'Klingelingeling' an. Und der Alte Südliche Friedhof erspielte sich in diesem 'Tatort zwischen den Jahren' von selbst eine Hauptrolle. Die alte Matratze stellte sich übrigens bald für die Passanten, die näher hinschauten, als ein Kunstwerk heraus, eine Art Brunnen, der sein Wasser aus den bronzenen Knöpfen der Matratze tropfen lässt und über dem ganzen Kirchplatz verteilt. Waterfall - ein Kunstwerk der Italienerin Tatjana Trouvé, die heute in Paris lebt.

Der Tatort 'Klingelingeling' war von Anfang an zwischen nah und fern, fremd und eigen angesiedelt, einerseits in München stark geerdet, andererseits belebt von Menschen und Schicksalen, die in München keine Heimat haben. Dass er mit Cosmina Stratan und Florin Piersic jr. zwei Schauspieler gefunden hat, die ihre rumänische Kultur ganz unverstellt ins Spiel bringen, ist eine echte Freude und große Bereicherung für den Film.
Die Familie aus Südamerika blieb mir übrigens derart im Sinn, dass ich nach zwei Stunden noch einmal dorthin zurückgegangen bin. Ich wollte ihren Kontakt notieren, um sie vielleicht später als Komparsen zu gewinnen. Aber als ich wieder dort war, waren sie verschwunden."«

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