Stefan Dähnert zum "Tatort – Roomservice"

Interview mit Drehbuchautor Stefan Dähnert

Odenthal und Sattler
Szene aus dem Film: Lena Odenthal befragt den Politiker, der von seiner Frau juristisch vertreten wird.

Luxushotel, Mann mit Macht und Trieb, Zimmermädchen als Freiwild – an der Ausgangssituation für "Roomservice" kommt einiges bekannt vor. Was faszinierte Sie und Ihren Koautor Patrick Brunken an der Figur Strauss-Kahn?

Die geldpolitischen erstaunlich progressiven Ideen des ehemaligen IWF-Chefs DSK rangen uns eigentlich Respekt ab, zumal er gerade drauf und dran war, Nicolas Sarkozy als französischen Regierungschef abzulösen. Ein paar gute Ideen zu haben macht einen aber nicht automatisch zum guten Menschen. Im realen Vorbild dieses Machtmenschen war schon einiges an Widersprüchlichkeit angelegt, die uns faszinierte.

Von außen betrachtet hat man den Eindruck, dass die Hybris eines Machtmenschen an bestimmten Punkten auch merkwürdig leichtsinnig macht. "Roomservice" entfaltet, wie eine Falle aussehen könnte, die diesen blinden Fleck ausnutzt. Hat auch dieser Erzählstrang sein Vorbild in der Realität?

Der bekannte Journalist Edward Epstein hat im Nachgang der Dominique Strauss-Kahn- Affäre in der "New York Review of Books" einfach mal aufgeschrieben, was an dem Morgen im Mai 2011 in New York faktisch passiert ist. Keine Verschwörungstheorie, einfach eine zeitliche Abfolge von erstaunlichen Handlungen in diesem Luxushotel. Für mich war das vor allem eins: der Plot für einen Tatort.

Sattler zeigt Hybris, aber auch politische Leidenschaft. Was steckt dahinter, dass dieser Machtmensch sich ausgerechnet für die Frauenquote einsetzt?

Wir sehen in der ersten Minute: Der Mann liebt die Frauen wirklich. Allerdings weit trivialer als er das vor laufenden Kameras sagen kann. Quote ist modern und gibt der Karriere einen Kick; insbesondere der Karriere jener Männer, die sich für sie einsetzen. Der Plan ist diabolisch. Aber vergessen wir nicht: Er ist von seiner Frau erdacht.

Zu eben dieser Frau, die eisern seiner Seite steht, baut Lena Odenthal einerseits eine gewisse Nähe auf, an deren Andersartigkeit arbeitet sie sich aber auch ab. Ist Valerie Sattler als Gegentyp zu Lena konzipiert?

Wir haben in diesem Fall versucht, dem "Königsdrama" des Ehepaars Sattler den Machtkampf um die Ermittlungshoheit bei Lena und Johanna entgegen zu setzen. Auch auf dieser Ebene geht es sublim um das Thema "Wozu sind Frauen fähig?". Wie Frau Sattler weiß Lena als dienstälteste deutsche Fernsehkommissarin um die Mühsal und die Einsamkeit die so ein berufslebenslanger Kampf mit sich bringt, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise. Dagegen glaubt Lenas jüngere Kollegin Johanna Stern, dass man 2015 als Frau in Deutschland ungehindert durch Leistung glänzen kann. Es wäre natürlich schön, wenn das so schon stimmen würde.

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