Gespräch mit Axel Milberg

Zum Tatort: Borowski und der freie Fall (So, 14.10.2012 | 20:15 Uhr)

»Der scheue, individuelle Einzelgänger Borowski löst sich langsam auf.«

Borowski und Sarah Brandt
Borowski und Sarah Brandt fühlen sich herausgefordert.

Borowski gibt in diesem Fall den analytischen Ermittler, der keine Ablenkung vom Fall duldet. Ist er das wirklich oder schützt er sich damit vor seiner Vergangenheit – schließlich war er ja als junger Polizist Mitglied des Ermittlungsteams, das den Fall Barschel aufklären sollte?

Eoin Moore, der Autor dieser Folge, schildert Borowski hier als Ermittler, der sich an Fakten hält. An das Beweisbare. Damals, vor fünfundzwanzig Jahren im Fall Barschel, und auch jetzt im aktuellen Mordfall. Wie die meisten der seriösen, professionellen Beamten. Dazu gehörte allerdings Borowski nicht immer. So gab es in der Stoffentwicklung auch meinerseits diesbezüglich einen Einwand: Der scheue, individuelle, misstrauische, emotionale Einzelgänger Borowski löst sich langsam auf.

Warum wehrt sich Borowski so vehement gegen jede Art von Verschwörungstheorie? Ein Kriminalist muss doch immer das Unwahrscheinliche bei seiner Arbeit in Betracht ziehen.

Sarah Brandt vertritt doch die Gegenseite, die Mordund Verschwörungstheorie, somit war Anlass für Zoff und Diskussionen in der Filmhandlung gegeben. Und spätestens in Genf beginnt Borowski doch wieder Blut zu lecken. Der alte, irgendwie ungelöste Fall lässt ihn nicht los.

Noch eine andere Seite erfährt man in dieser Geschichte über Borowski: Er hält nicht viel von Politikern. Sie hätten einen vertrauten Umgang mit der Unwahrheit, sagt er. Dennoch tut einem Karl Martin von Treunau am Schluss Leid, weil er sein privates Glück verloren hat. Wie ist Ihre Haltung zu Politikern?

Es gibt eine Menge idealistische Politiker, die weder von Macht, Geld oder Bedeutung berauscht sind. Das glaubt aber niemand. Das finde ich schade. Dank einer wachen und freien Presse wird es dem anderen Politikertypus schwer gemacht, zumindest in Deutschland. Wir, die Wähler und politischen Laien, lesen zu wenig Parteiprogramme, Ausschussprotokolle, Wirtschaftsgutachten etc. – Es ist eben einfacher, über das Aussehen, das Erscheinungsbild, die Wortwahl eines Politikers zu reden als über die Sachfragen und die entsetzlich komplizierte Materie der Politik.

Für wie realistisch halten Sie Verschwörungstheorien? Könnten einige von ihnen im Kern nicht wahr sein?

Ich stelle eine einfache Gegenfrage: Ist das Aktenschreddern an dem Tag, an dem die Neonazimorde den wahren Tätern zugeordnet werden konnten, Zufall? Glauben Sie, dass das vernichtete Material tatsächlich nichts Relevantes enthielt? Wie waren die Umstände, die den thüringischen Verfassungsschutz-Chef auf seine Position hievten? Nur mal eben als aktuelles Beispiel. Macht verführt zu Machtmissbrauch. Der Begriff "Verschwörungstheorie" ist für mich allerdings ein dummer Begriff. Und es gibt auch sogenannte Verschwörungstheorien, die ich für Schwachsinn halte. So etwas wie Weltherrschaftstheorien, das Zusammenarbeiten aller Geheimdienste oder auch, dass die Landung auf dem Mond in Wahrheit in Hollywood gedreht wurde. Nein, wäre da was dran, gäbe es zu viele Mitwisser, die irgendwann reden würden.

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