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Dänemark: Trotz Omikron-Welle - Offene Schulen und kaum Einschränkungen

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Dänemark: Trotz Omikron-Welle - Offene Schulen und kaum Einschränkungen  | Bild: NDR

Alle noch etwas müde, aber trotzdem gut gelaunt. Nach den Ferien wieder um 7 Uhr am Frühstückstisch zu sitzen – das ist auch für die Ishøys wieder eine Umstellung. Doch die Familie aus dem süddänischen Lundby ist froh, dass der Alltag zurück ist und dass es für Tochter Esther zurück in die Schule geht. "Wir brauchen nur einen negativen Corona-Test. Das ist okay. Ich gehe gerne zurück", sagt Esther. Am Schul-Laptop schaut Esther mit Mama Regitze noch einmal durch, welche Fächer heute dran sind. "Erst hatte ich Sorge, dass sie die Schulen zu lassen. Jetzt bin ich sehr froh darüber, dass die dänische Regierung sagt: Es geht um die Kinder, ihre Bedürfnisse und darum, dass es ihnen gut geht", sagt Mutter Regitze Ishøy.

Die Schule ist nicht weit weg vom Haus der Familie. Esther kann zum Unterricht laufen. Doch eines ist neu: Statt durch den Haupteingang, soll die 12-Jährige direkt in ihr Klassenzimmer gehen. Maske muss hier niemand tragen. Bevor es losgeht, gibt es noch Corona-Tests. Zwei Mal die Woche brauchen alle hier einen Nachweis. Die neuen Regeln sehen auch vor, dass die Kinder immer in ihrem Klassenraum bleiben. Auch in den Pausen sollen sie sich nicht mehr mit der Parallelklasse treffen. Der einzige, der das noch darf ist Casper Milandt, Schulleiter der Svend-Gønge-Schule. Bei seinem Rundgang schaut er nach, ob sich auch alle in der Schule an die Auflagen halten: "Ich finde, alle machen das sehr gut. Es gab nur vereinzelt Kinder und Eltern, die verunsichert waren, dass der Präsenzunterricht wieder stattfindet. Zum Beispiel weil sie noch keine zweite Impfung hatten."

Omikron-Variante hat Dänemark mit voller Wucht erwischt

Epidemeologin Tyra Grove Krause sitzt am Schreibtisch und schaut auf ihren Bildschirm.
Trotz hoher Corona-Fallzahlen: Epidemeologin Tyra Grove Krause bleibt gelassen. | Bild: NDR

Der Corona Alltag ist zurück in Dänemark. Nicht nur hier im Süden merken sie das, sondern besonders auch in der Hauptstadt Kopenhagen. Im September noch hatte das Land das Ende aller Einschränkungen gefeiert. Doch dann erwischte die Omikron-Variante Dänemark mit voller Wucht. Der Inzidenzwert liegt weit über 2.000. Während Nachbarland Schweden kaum testet, untersucht Dänemark die Corona-Lage sehr genau. Im staatlichen Serums Institut werden fast alle Proben untersucht. Mittlerweile wird bei neun von zehn die Omikron-Variante nachgewiesen. Trotzdem bleibt die Epidemeologin Tyra Grove Krause gelassen: "Wenn wir das mit Omikron überwunden haben, stehen wir hoffentlich besser da als vorher, weil dann ein großer Teil der Bevölkerung immun geworden ist. Sowohl durch Impfungen als auch durch die vielen Ansteckungen. Das schützt uns für die Zukunft, auch wenn dann wieder neue Varianten entstehen könnten."

Die Impfbereitschaft ist Dänemark hoch. Fast 80 Prozent haben zwei Spritzen bekommen, Verweigerer gibt es kaum. Auch deshalb sei die Lage in den Krankenhäusern – trotz der hohen Infektionen – verhältnismäßig entspannt. In den Impfzentren arbeiten sie weiter im Akkord und gegen die Zeit. "Wir haben schon über die Hälfte der Bevölkerung ein drittes Mal geimpft. Das ist ganz ansehnlich. Aber wir brauchen noch mehr, die sich boostern lassen", erklärt Tina Barsøe, Leiterin des Kopenhagener Impfzentrums Baldersgade.

Quarantänezeiten sind stark verkürzt

Ein Frau gibt einer anderen Frau eine Impfung in den Oberarm
Den ersten Pieks setzen: Die Zahnarzthelferin Else Lykke wird umgeschult zur Vaccinateurin.  | Bild: NDR

Nebenan lernen sie bereits neues Personal an. Physiotherapeutinnen oder angehende Krankenschwestern sollen bald ran an den echten Oberarm. Die Quarantänezeiten sind stark verkürzt: Wer 48 Stunden ohne Symptome ist, darf wieder unter die Menschen. Ins Restaurant allerdings geht es erst, wenn sich der Coronapass nach ein paar Tagen automatisch umstellt. "Andere Länder bleiben bei 14 Tagen Isolation. Wir aber glauben, dass die Regeln nicht allzu streng sein dürfen, damit sich die Menschen überhaupt an die häusliche Quarantäne halten", saht Tyra Grove Krause vom Epidemeologin Statens Serum Institut.

Im süddänischen Lundby kehrt Esther nach dem ersten Schultag wieder nach Hause zurück. Bis auf die neuen Klassenraum-Regeln, war eigentlich fast alles wie immer. "Das wichtigste für mich ist, dass Esther zufrieden ist und dass es Ihr gut geht. Dann ist es auch für mich okay“, sagt Mutter Regitze Ishøy. Wie Esther sind auch fast alle Mitschüler geimpft. Die wenigen Einschränkungen zum Schulstart nehmen sie gerne in Kauf. Hauptsache das Leben geht so gut es geht weiter.

Autor: Christian Blenker, ARD-Studio Stockholm

Stand: 10.01.2022 10:58 Uhr

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