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Curacao: Unterricht mit Flamingo Bob

PlayFlamingo auf dem Arm eines Menschen
Curacao: Unterricht mit Flamingo Bob | Bild: NDR

Im karibischen Inselstaat Curacao kennen ihn mittlerweile alle: den Flamingo mit dem Namen Bob. Ein Flamingo der besonderen Art, mit einer besonderen Mission, einer der gut mit Kindern kann. Untrennbar zu Bob gehört Odette Doest, die Tierärztin hat den Flamingo gerettet, als der in ein Hotelfenster flog und zusammenbrach. Der linke Flügel lässt sich nicht mehr ausdehnen, seine Füße sind zu steif. Der Flamingo kann nicht zurück in die Wildnis, Odette hat ihn aufgenommen. Bob hat nun ein anderes Leben. Mindestens einmal die Woche machen sie sich gemeinsam auf den Weg in die Schule, Bob der Beifahrer. "Manche fragen mich: Ist der echt? Es gibt Leute, die denken wirklich, ich fahre mit einem falschen Flamingo herum – was witzig ist", erzählt Odette.

Mit Bob für Tierschutz werben – das ist die Mission von Odette. Nach kurzer Eingewöhnung kommen Flamingo und Schüler einander näher. Die Kinder sind viel schüchterner als Bob, der auch schon einiges an Erfahrung hat. Odette hat ihn schließlich über Monate für solche Begegnungen trainiert. "Die Idee ist, dass sich die Kinder in Wildtiere verlieben. Bob ist ein Botschafter. Durch ihn werden sie die Umwelt um sich herum besser verstehen", erklärt Odette. Dann berichtet sie über Plastikmüll und Tierschutz: Ein alter Drache, achtlos liegengelassen, kann eine Todesfalle für Flamingos und andere Tiere sein. Bob wirkt, die Botschaft bleibt hängen: "Ich denke, wir müssen uns noch besser um Tiere kümmern", sagt Esmee Sjollema. Fleur van Leeuwen ergänzt: "Plastik ist nicht gut für sie."

Plastik bedroht die Tiere

Curacao hat eine beeindruckende Artenvielfalt über und unter Wasser. Doch der Mensch hinterlässt seine Spuren. Alle Arten Plastik werden angeschwemmt oder bleiben liegen, auch Nylonfaden und Fischerhaken. Abfall den Odette dann rausoperieren muss. Eigentlich arbeitet die 46-Jährige schon als Tierärztin pausenlos. Doch seit ihrer Kindheit rettet Odette Wildvögel.

Flamingo Odi ist ist ein Jahr alt, Odette hat sie schwer erkrankt an einem Pool gefunden und über Monate aufgepeppelt. "Sie darf nicht zahm werden. Pflege heißt nicht kuscheln. Pflege heißt: Wildtieren sind verletzt, ich helfe ihnen und bringe sie so schnell wie möglich in die Natur zurück", erklärt Odette. Bobs Job: Er leistet dem Flamingo-Mädchen Gesellschaft, damit sie mit ihresgleichen in Kontakt bleibt. Sie soll wieder ausgewildert werden.

Wildtiere werden aufgepäppelt und ausgewildert

Eine Frau hält einen Flamingo auf dem Arm, umringt von Kindern.
Mit Bob für Tierschutz werben – das ist die Mission von Odette. | Bild: NDR

45 kranke Wildtiere pflegt Odette derzeit. Das sind 80 Kilo Futter pro Woche. Es braucht Käfige, Medizin, Verbandsmaterial und Zeit. Ohne Spenden für ihre Stiftung würde Odette das nicht schaffen. Aber all die Arbeit zahlt sich aus. Genau dann, wenn geheilte Tiere ausgewildert werden – so wie Odi: Neben der Vorfreude bleibt immer ein Rest Anspannung. Wird Odi wieder in der Gemeinschaft angenommen. Ist sie wild genug geblieben? Abstandhalten, loslassen. Nur die ersten Schritte sind etwas gagelig, dann verschwindet das Flamingo-Mädchen und weiß genau wo es hingehört.

Und Bob? Der genießt den Pool – bis es wieder rausgeht als Botschafter der Wildtiere. 18 Jahre schon bringt Odette Mensch und Tier näher. Und vielleicht ist es jetzt eben Bob, der die Herzen am weitesten öffnet.

Autorin: Xenia Böttcher, ARD Studio Mexiko

Stand: 29.03.2020 20:32 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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