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Dänemark: Corona-Stillstand im ganzen Land

PlayDänische Flagge
Dänemark: Corona-Stillstand im ganzen Land | Bild: Colourbox / Brian Dreyer

In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Corona-Infizierten in Dänemark drastisch angestiegen. Die Regierung hat jetzt reagiert: Öffentliche Einrichtungen werden geschlossen, auch die Schulen und Kitas im ganzen Land sind ab Montag für mindestens zwei Wochen zu. Dänemark verzeichnet momentan den höchsten Anstieg an Infektionszahlen in Europa. Der Erreger "breite sich viel zu schnell aus", so Gesundheitsminister Magnus Heunecke.

Hotels, Feriengebiete – alles ist leer

Ein Paar steht vor einem Hotel
Keine Gäste im Hotel von Annette Petersen und Erik Steen. | Bild: NDR

Der Öresund zwischen Dänemark und Schweden, eigentlich wächst Europa hier zusammen. Und Grenzen spielen schon lange keine Rolle mehr. Aber jetzt ist alles anders: Wer nach Dänemark rein will, braucht einen dänischen Pass oder ein besonderes Anliegen. Alle anderen bleiben draußen. Ein paar Kilometer südlich des Fähranlegers liegt das kleine Hotel von Annette Petersen und Erik Steen bei Helsingör. Eigentlich ist das Haus jetzt voll, aber was ist schon normal in diesen Zeiten. "Es ist alles leer. Die letzten Gäste war eine Band, die mit Sting aufgetreten ist. Danach kam keiner mehr. So sieht es aus", sagt Erik Steen. Sonst machen hier gerne Durchreisende aus Schweden und Deutschland Halt. Man liege ja direkt an der berühmten Vogelfluglinie, meint Steen.

Nebenan in der Küche ist auch Ruhe. Bis vor gut einer Woche wurden hier noch Hunderte Mahlzeiten zubereitet. Etliche Aufträge fürs Catering waren bis Ostern gebucht - alle abgesagt. Allein im Kühlraum lagern Waren für mehr als 10.000 Kronen. "Wir haben zwei Standbeine, das Catering und das Hotel und bei beiden bricht vom einen Tag auf den anderen plötzlich das Geschäft zusammen. Das macht uns schon nervös", sagt Annette Petersen.

Dänemark ist Urlaubsland. Die Ferienhaus-Betreiber rechnen allein aus Deutschland mit einem Storno von 1,4 Millionen Übernachtungen – und das nur bis Ostern. Bei Katia Östergaard klingelt deshalb ständig das Telefon. Sie ist Direktorin des Dänischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Tausende von Jobs sind in Gefahr, Existenzen und Unternehmen stehen vor dem Aus. Eine solche Krise habe ihre Branche noch nicht erlebt: "Die Regierung macht, was sie kann, um uns wirtschaftlich zu helfen. Hilft bei Zahlungsengpässen und beim Ausfall der Gehälter. Fast täglich gibt es eine neue Idee oder Initiative. Wir sind im engen Dialog mit der Regierung, um wenigstens etwas Hilfe für unsere Mitglieder auszuhandeln."

Corona-Fälle in Dänemark mehr als verzehnfacht

Plakat mit einem Hinweis zum Coronavirus
Alle Schulen, Kindergärten und Universitäten sind geschlossen. | Bild: NDR

In nur knapp einer Woche haben sich die Corona-Fälle in Dänemark mehr als verzehnfacht. Auch deshalb die drastischen Maßnahmen. Die Touristen-Hotspots sind menschenleer. Selbst Königin Margrethe hat alle öffentlichen Feierlichkeiten zu ihrem 80. Geburtstag abgesagt. Darüber hinaus wurden alle Schulen, Kindergärten und Universitäten bis auf Weiteres geschlossen. Wer konnte, hat seine Kinder sofort zuhause behalten.

So auch Lina Mandersson. Sie arbeitet als Psychologin, hat zwei Kinder. Sie selbst wurde von ihrem Arbeitgeber ins Homeoffice geschickt. Nur wenn die Eltern die Betreuung nicht selbst übernehmen können oder beide Eltern in wichtigen Funktionen, zum Beispiel im Krankenhaus arbeiten, gibt es eine Notfallbetreuung bis zum neunten Lebensjahr. Linas Kinder bleiben erst einmal zuhause. Der neunjährige Aksel hat Aufgaben mit nach Hause bekommen und soll zwischendurch ein wenig tanzen. Denn gerade Bewegung ist wichtig. Damit mehr Zeit für die Kinder bleibt, bestellt Lina Lebensmittel online und lässt sie sich nach Hause liefern. "Ich denke, das schwerste ist, dass die Kinder verstehen, dass das hier kein Wochenende und keine Ferien sind. So etwas hatten wir noch nie. Man braucht einen guten Tagesablauf, eine feste Struktur. Aber so weit sind auch wir noch nicht“, sagt Lina Mandersson.

Autor: Christian Stichler, ARD Stockholm

Stand: 15.03.2020 20:12 Uhr

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