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Indien: Warum stehen Flugzeuge auf Dächern?

PlayFlugzeug auf einem Hausdach
Indien: Warum stehen Flugzeuge auf Dächern? | Bild: NDR

Im Norden Indiens, im Bundesstaat Punjab, gibt es ein ganz besonderes Dorf: Jahaj Village, das Flugzeugdorf. Überlebensgroß, bizarr und ein bisschen protzig geht es hier auf den Dächern zu: mal ein Panzer, mal ein Schiff, ein Känguru  – und immer wieder Flugzeuge. Es gilt: Je größer, desto besser.

Santok Singh besitzt das größte Modell. Es ist eine Art Partykeller auf dem Dach. Er liebt Flugzeuge, seitdem er mit 16 Jahren nach England ausgewandert ist. Dort hat er als Fabrikarbeiter geschuftet, um sich im Punjab eine Villa zu bauen, für die wenigen Besuche in der Heimat. "Wir Punjabis sind bekannt dafür, dass wir hart arbeiten. Egal, wo wir auf der Welt hinkommen, wir sind immer erfolgreich. Und das zeigen wir auch. Alle hier im Dorf bewundern mich dafür", erzählt er. Das heißt: Diejenigen, die noch im Dorf leben. Viele sind das nicht mehr. Fast jede Dachfigur steht für eine Auswanderergeschichte. Der Traum vom besseren Leben in Europa, den USA oder Australien.

Viele träumen ihn hier, daher auch die Liebe zum Flugzeug. Die Punjabis gehören mehrheitlich zur Religion der Sikhs. Die gelten als besonders umtriebig und unternehmungslustig. Auch im Tempel gibt Flugzeugmodelle. Die Gläubigen bitten damit um Segen für bevorstehende Reisen oder Verwandte, die ausgewandert sind.

Doch was nützt der ganze Reichtum, wenn niemand mehr da ist, mit dem man ihn genießen kann. Santok Singhs Frau Bajan wäre viel lieber bei der Familie, den Enkelkindern in England: "Mein Mann hat schon immer gemacht, was er wollte. Ich bin ihm immer gefolgt. Wir kommen zweimal im Jahr für einen Monat hierher. Auch wenn ich und die Kinder sagen, lass uns doch in England bleiben. Er will einfach nicht hören."

In ein paar Tagen wird Santok Singh in echtes Flugzeug steigen, zurück nach Birmingham. Sein Partyflieger auf dem Dach wird wieder leer stehen: sichtbarer Beweis für wirtschaftlichen Erfolg. Und ein Leben zwischen den Kontinenten.

Autor: Peter Gerhardt, ARD-Studio Neu Delhi

Stand: 28.07.2019 21:32 Uhr

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