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Mali: Hoffnung nach dem Putsch?

PlayMilitär vor Mikrofonen.
Mali: Hoffnung nach dem Putsch? | Bild: NDR

Vor gut einer Woche putschten sich Militärs in Mali an die Macht und zwangen Präsident Keïta zum Rücktritt. Während die internationale Politik den Coup verurteilt, wird er im Land von einer Mehrheit der Bevölkerung gefeiert. Mohmed Hamidou Maïga erzählt seinen Freunden gern davon, wie es am Tag des Putsches war. Als das Militär die Macht in Mali übernahm. Er war dort, er hat es gesehen: "Ich habe mich gefreut und vor Erleichterung geseufzt, denn ich war mitten drin. Ich habe geschrien: 'Es lebe die malische Armee!'"

Auf dem Platz der Unabhängigkeit in Bamako wird ein paar Tage nach der Machtübernahme noch immer gefeiert. Heute jubelt Mohamed nicht, er muss arbeiten. Er hilft am Eingang zur Feier, kontrolliert die Besucher. Mohamed und alle auf dem Platz haben die gleiche Hoffnung: Dass die Soldaten ihr Land endlich verändern. "Wir sagen dem Westen, Amerika, der Europäischen Union: Das war kein Putsch, sondern eine Hilfsaktion für die Bevölkerung", so Mohmed Hamidou Maïga.

"Mali braucht eine Zäsur"

Ein Mann sitzt auf einem Sofa
Mohamed Hamidou Maïga demonstrierte in Malis Hauptstadt Bamako. | Bild: NDR

Die Bevölkerung hatte monatelang gegen die alte Regierung protestiert. Sie warfen ihr vor, die Sicherheitslage in Mali nicht in den Griff zu bekommen – und korrupt zu sein. Schon da war Mohamed immer wieder mit auf der Straße, vorne dabei, wollte dass der Präsident zurücktritt. Sein Wunsch ging in Erfüllung: Das Militär putschte, der Präsident tritt zurück. Aber jetzt muss die Junta liefern. "Egal wer es am Ende gemacht hätte, jetzt müssen sie jemanden einsetzen, der verantwortungsvoll führt. Heute hoffen wir, dass die Übergangsphase nicht als politische verstanden wird. Jetzt geht es nicht darum, einfach nur eine neue Regierung einzusetzen, die die gleichen Fehler macht. Mali braucht eine Zäsur", erklärt Bocoum Boubakar vom Verband für für Bürgerbildung und -entwicklung (Association pour l'Éducation citoyenne et le développement).

So sieht es auch Mohamed. In diesen unruhigen Zeiten besucht er regelmäßig seine Mutter. Mit seiner Familie floh er 2012 in die Hauptstadt Bamako, nachdem Tuareg und Islamisten den Norden Malis überrannt hatten. Sie hatten auch sein Dorf eingenommen, begannen ihnen Vorschriften zu machen, ihr Leben zu verändern. "Wir mussten da weg, weil wir eine Familie mit vielen Kindern waren, mit kleinen Jungen und Mädchen. Sie hielten sich ständig in unserer Nähe auf und holten sich sogar Wasser bei uns", erinnert sich Mohamed Hamidou Maïga. Seine Mutter wünscht sich Frieden, denn die Islamisten destabilisieren Mali noch immer. "Wir hoffen, dass dieser Putsch unserem Land Normalität gibt. Und dass sie den Krieg im Norden beenden können. Er ist unsere größte Sorge“, sagt Hawa Maïga.

Islamisten destabilisieren Mali

Der Putsch begann in der Militärbasis von Kati, vor den Toren der Hauptstadt - durchgeführt von jungen Offizieren. Sie sollen von internationalem Militär trainiert worden sein, im Rahmen von Ausbildungseinsätzen, etwa von den USA, Deutschland und auch Russland.

Die Soldaten versprechen den Maliern Neuwahlen. Wann, ist noch unklar. Sie haben begonnen, sich mit allen Gruppen im Land zu treffen, und zeigen sich kompromissbereit: "Jede Gruppe bringt ihre Idee ein, wie der Übergang funktionieren soll. Und wir haben auch einen Vorschlag. Wir werden alle sammeln und werden versuchen, sie zusammenzubringen", sagt Ismael Wagué, Sprecher der aufständischen Soldaten. Die ausländischen Truppen im Land seien weiter willkommen.

Internationale Gemeinschaft lehnt Putsch ab

Ein Soldat der Bundeswehr mit Gewehr in der Hand.
Rund 900 Bundeswehrsoldaten sind in Mali im Rahmen einer EU- und einer UN-Mission. | Bild: NDR

Die Internationale Gemeinschaft will auch bleiben, doch den Putsch selbst lehnt sie ab, fordert schnelle Neuwahlen, auch Deutschland. Die westafrikanischen Nachbarstaaten haben deshalb Sanktionen verhängt, die Grenzen geschlossen, die Handelswege unterbrochen. "Ich denke, die internationale Gemeinschaft und die westafrikanischen Staaten widersprechen sich selbst: Jetzt fordern sie gute Regierungsführung. Aber als wir vorher in Mali Probleme damit hatten, haben sie nichts gesagt“, sagt Bocoum Boubakar.

Mohamed Maïga und seine Freunde von der Oppositionsbewegung sind voller Hoffnung. Sie alle glauben, dass das Land nach dem Putsch nicht nur Militärhilfe braucht, sondern eine starke Regierung: "Wir erwarten viel, aber vor allem muss sich schnell um das Nötigste gekümmert werden: die schlechte Sicherheitslage, die unzureichende Nahrungsmittelversorgung, Gesundheit und Bildung. Das ist fundamental.  
Mohammed der Aktivist, Mohamed der Fussballtrainer. Sein ganz persönlicher Wunsch: Dass er mit seiner Elf irgendwann wieder durchs ganze Land reisen kann – und in allen Städten Malis in Frieden Fußball spielen.

Autoren: Caroline Hoffmann / Norbert Hahn, ARD Nairobi

Stand: 30.08.2020 20:24 Uhr

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