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Myanmar: Der Protest gegen die Militärs geht weiter

PlayEin Demonstrant zeigt den Dreifingergruß, als Zeichen des Widerstands und zur Unterstützung der Proteste gegen den Militärputsch in Myanmar.
Myanmar: Der Protest gegen die Militärs geht weiter | Bild: picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Wire / Chaiwat Subprasom

Die Menschen in Myanmar gehen weiter auf Straße und demonstrieren gegen den Putsch der Militärs. Für die Anhänger von Aung San Suu Kyi ist es gefährlich, sich offen gegen die Machthaber zu wenden. Viele junge Leute wollen aber für die politischen Errungenschaften der vergangenen Jahre kämpfen. Aung San Suu Kyi ist ihre Ikone.

"Wir brauchen Aung San Suu Kyi"

Eine junge Frau im weißen Kleid spricht in die Kamera.
Nyo Nyo hat sich vorher nie politisch engagiert, doch jetzt müsse jeder seine Angst überwinden.  | Bild: NDR

Nyo Nyo zieht sich ihr traditionelles Kostüm an. Sie will ein Zeichen setzen, auch mit ihrem Outfit. In traditioneller Tracht zur Demonstration gegen die Putschisten. Mit 36 Jahren ist sie alt genug, um sich noch an die Zeit vor zehn Jahren zu erinnern, als die Militärs das letzte Mal das Sagen hatten. Seit dem Putsch geht sie deshalb jeden Tag in Yangon auf die Straße. Trotz des Versammlungsverbots. "Wenn die Armee regiert, dann werden wir zurückgeworfen auf die Tage, wo wir abgeschnitten waren von Informationen und alles am Boden lag, das Gesundheitssystem und das Bildungssystem, die Wirtschaft. Deswegen wollen wir keine Militärdiktatur.

"Wir sind die Zukunft", rufen die Demonstranten und: "lasst unsere Anführerin Aung San Suu Kyi frei." Die bisherige de facto Regierungschefin sitzt im Hausarrest, soll unter fadenscheinigen Gründen angeklagt werden. Im Westen ist sie – die Friedens-Nobelpreisträgerin – inzwischen hoch umstritten, in ihrer Heimat aber hat sie im Herbst erneut die Wahlen haushoch gewonnen. Hassfigur für die Generäle, Freiheitssymbol für das Volk.

"Wir brauchen Aung San Suu Kyi. Nur sie kann dieses Land verändern. Sie ist so beliebt. Ich hoffe, sie kommt bald frei", sagt Nyo Nyo. Sie habe sich vorher nie politisch engagiert, doch jetzt müsse jeder seine Angst überwinden.
Seit dem Putsch geht eine Welle des zivilen Ungehorsams durch Myanmar. Jeden Tag scheinen mehr Menschen auf die Straße zu gehen. Angefangen hat es mit den Ärzten, es folgten Anwälte, Lehrer, Mönche und sogar manchmal Polizisten. Und nun gibt eine bunte Koalition der Generation Z, der um die 20-Jährigen, immer mehr den Ton an.

Generation Z: Mit Kreativität und Phantasie gegen Militärs

Dazu gehört auch der Musiker Wai Moa Aung, der mit seinen Freunden jetzt Revolutionslieder auf der Ukulele spielt. "Die Demonstranten in früheren Zeiten der Diktatur marschierten einfach mit Plakaten durch die Straßen, suchten die direkte Konfrontation mit den Militärs. Wir die Generation Z kämpfen eher mit Kreativität und Phantasie. In unserer Generation ist jeder ein Anführer."

Yangon, die größte Stadt Myanmars, ist immer noch gezeichnet von den Spuren von fast einem halben Jahrhundert Militärdiktatur. In den vergangenen Jahren unter Aung San Suu Kyi gab es mit der Öffnung des Landes Aufbruchstimmung. Auch Nyo Nyo gehörte zum aufstrebenden Mittelstand. Doch die Geschäftsfrau spürt die Auswirkungen des Putsches bereits. Die studierte Ökonomin hat bisher Unternehmen beraten. Doch jetzt herrscht Schockstarre, alles steht still. "Vorher ging es mir mit meiner Firma wirklich gut. Das ist vorbei. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen aber falle ich finanziell nicht ins Bodenlose, weil ich noch die Apotheke zusammen mit meiner Schwester betreibe und wir Wohnungen haben, die wir vermieten", sagt Nyo Nyo. Sie fürchtet, dass ihr Land nun wieder mit Sanktionen überzogen wird und sich die Generäle abschotten.

Klappern und trommeln gegen die Putschisten

Junge Demonstranten machen Musik.
Die Generation Z gibt bei den Protesten immer mehr den Ton an. | Bild: NDR

Was ist sein Plan? Min Aung Hlaing, der mächtige Militär- und Junta-Chef behauptet, er wolle nur Wahlbetrugsvorwürfe prüfen lassen. Für diese gibt es allerdings bisher keine Beweise. Gleichzeitig lässt er Regimegegner festnehmen und droht den Demonstranten: "Weil skrupellose Menschen unser Land aufwiegeln, haben verschiedene Berufsgruppen ihre Pflichten nicht erfüllt. Das stört das Funktionieren unserer Verwaltung, die große Herausforderungen hat. Wir werden effektive Maßnahmen ergreifen."

Jeden Abend pünktlich ab 20 Uhr gilt eine Ausgangssperre. Dann wird es laut auf den Straßen von Yangon. Anwohner klappern und trommeln gegen die Putschisten. Gerade die Nächte sind im Moment besonders gefährlich. "Ich checke die ganze Zeit die sozialen Medien. Auch Freunde und Verwandte warnen ich, wenn draußen was los ist. Das Militär lässt nachts Kriminelle auf den Straßen marodieren und die Polizei verhaftet dann oft bekannte Kritiker, die tagsüber die Demos organisieren", sagt Nyo Nyo. Der zivile Ungehorsam scheppert durch die Nacht. Die Bevölkerung wird ihren Widerstand keinesfalls lautlos aufgeben. Doch mit jedem Schlag klingt auch die Angst mit – vor einem Blutbad durch das Militär.

Stand: 14.02.2021 20:05 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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