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Laos: Ein Land im Knebelgriff der Chinesen?

PlayHochgeschwindigkeitszug
Laos: Ein Land im Knebelgriff der Chinesen? | Bild: ARD

Ein von China gebauter Hochgeschwindigkeitszug soll aus dem kleinen Entwicklungsland Laos ein modernes, vernetztes Land machen. Modern und verschuldet, denn China hat das umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro schwere Projekt finanziert und treibt Laos damit in seine Abhängigkeit. Für China ist dieser Schnellzug ein weiterer entscheidender Schritt seines Seidenstraßen-Projekts. Es erschließt sich über Infrastrukturprojekte weltweit Märkte, Handelskorridore, Zugang zu Ressourcen. In südostasiatischen Staaten, gerade in Laos, ist der chinesische Einfluss besonders groß.

Der Schnell-Zug, mit dem Laos in die Zukunft rasen will, wirkt immer noch wie ein Fremdkörper in dem kleinen Land, das zu den ärmsten in Asien zählt. In der Hauptstadt Vientiane befindet sich eine Bahnhofshalle in Übergröße – der chinesische Bauherr lässt grüßen. Seilorfaichong, der Chef der Zugbegleiter, hat eine Ausbildung im Nachbarland gemacht und spricht fließend chinesisch. Er freut sich über die erste Bahnverbindung für Laos. Sie führt über 167 Brücken und durch 75 Tunnel. "Ich bin wahnsinnig stolz, weil der Zug die Reisezeit so viel kürzer macht. Früher war es so schwierig von einem Ende von Laos zum anderen zu kommen und jetzt dauert es nur ein paar Stunden."

Laos musste viele Milliarden Schulden aufnehmen

Staudamm aus der Vogelperspektive.
Auch Staudämme gehören zu den chinesischen Großprojekten. | Bild: ARD Singapur

Im Vergleich zum Bus braucht der Zug nur vier statt 15 Stunden. Khanphet Malaythong reist zum zweiten Mal mit. Der Zug ist ein Joint Venture, das zu Zweidritteln China gehört und für das Laos viele Milliarden Schulden aufnehmen musste. Doch der Fahrgast findet das in Ordnung so: "Es hat sich so viel getan. Das ist gut für die Wirtschaft. Wir haben die Zugstrecke, aber es gibt auch eine neue Autobahn. Also wirklich, wir haben jetzt eine ganz andere Infrastruktur."

Der Zug fährt in der alten Königs- und Tempelstadt Luan Prabang ein. Eine Gruppe von laotischen Studenten führt zur Unterhaltung der Touristen eine traditionelle chinesische Show auf.  Sie alle studieren auch die Sprache des großen Nachbarn. "Das ist so wichtig, Chinesisch zu lernen, damit wir mit chinesischen Geschäftsleuten kommunizieren und zusammenarbeiten können", sagt Student Vengtor.

Auch Staudämme gehören zu den chinesischen Großprojekten hier. Bis 2030 soll es rund 100 davon geben und Laos mit Strom-Exporten zur Batterie Südostasiens machen. Aber das hat seinen Preis: Hier wurden mehrere Dörfer geflutet, Bewohner mussten umsiedeln. Als wir mit einer Anwohnerin sprechen wollen, die das kritisch sieht, wird das Interview kurzfristig von Regierungsbeamten, verhindert, die uns auf der Drehreise auf Schritt und Tritt folgen.

Goldgräber-Stimmung bei chinesischen Investoren

Korrespondentin Sandra Ratzow steht mit Li Jing Wen vor einem Modell mit Gebäuden.
Chinesen möchten in Laos investieren. | Bild: ARD Singapur

Die Fahrt geht weiter nach Boten, an die Grenze zu China. Im Zug fallen die vielen Chinesen auf, Touristen und Geschäftsleute. Auch Li Jing Wen möchte jetzt in Laos investieren, vielleicht ein Hotel aufmachen – Goldgräber-Stimmung bei ihr und ihren Freundinnen. "Die Laoten sind noch nicht so smart. Sie können noch so viel von China lernen. Sie sind noch nicht so schnell und wendig und flexibel genug im Kopf, wenn Sie verstehen, was ich meine", sagt Li Jing Wen.

Das Container Terminal in Boten brummt, ist Hauptumschlagplatz für Waren aus und nach China. Das ehemalige Dorf, durch das nun mehrspurige Straßen führen, ist eine Sonderwirtschaftszone und ein Prestige-Projekt. Bereits jetzt sind überall chinesische Restaurants, es wird weitgehend mit chinesischen Yuan bezahlt. Ein Investor aus Chinas Provinz Yunnan will umgerechnet gut neun Milliarden Euro hier investieren.

Kaum einer möchte über die Schulden und Abhängigkeiten von China sprechen, in die sich Laos gestürzt hat. Khamphet Vongdala, Direktor aus dem Industrie- und Handelsministerium, ist da keine Ausnahme. Er betont einzig und allein die Chancen: "China ist so ein großer Markt und Laos ist so klein. Wir müssen versuchen, unsere Produkte nach China zu verkaufen. Wir müssen auf den Export setzen, denn China ist so ein großer Markt."

Laos auf dem Weg zu einer chinesischen Provinz?

Ein Gästehaus am Fluss Mekong: Die Österreicherin Monica Domeij-Gaul betreibt es seit mehr als 15 Jahren. Sie sagt: Im kommunistisch geführten Laos traue sich niemand, den China-Kurs der Regierung in Frage zu stellen. Aber zur Wahrheit gehöre eben auch, dass der Westen wenig Interesse an Laos zeige. "Es sind die einzigen Investoren und das schon seit Jahren. Seit Jahren, darüber sollten wir uns nicht aufregen. Und es ist auch so, dass ich eher so das Gefühl habe, dass Laos sich ausverkauft. Sie wollen das schnelle Geld haben und die Chinesen geben das schnelle Geld. Ich habe immer geredet, als ich herkam, in 50 Jahren ist Laos eine chinesische Provinz. Es wird höchstwahrscheinlich etwas eher sein."
Der Schnellzug verbindet Laos mit der Welt, aber fesselt das Land eben auch noch enger an China.

Autorin: Sandra Ratzow, ARD-Studio Singapur

Stand: 23.02.2024 09:59 Uhr

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