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Belgien: Nach Paris – Verbindung nach Molenbeek

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Belgien: Nach Paris Verbindung nach Molenbeek | Bild: ARD

Unsere große Kamera bleibt im Kofferraum. Mit ihr könnten sehr schnell, sehr unangenehme Situationen entstehen. Das haben wir bei früheren Drehs in Molenbeek erlebt. Deshalb eine kleine unauffällige Kamera. Der Stadtteil von Brüssel ist, was man ein Problemviertel nennt. Enorm hohe Arbeitslosigkeit. Viele kaum integrierte Einwanderer. Und immer wieder fahnden belgische Ermittler hier nach Terror-Verdächtigen.

So wie gestern. Zugriff in Molenbeek. Die belgische Polizei nimmt sieben Männer fest, zumindest einer soll am Freitag in Paris gewesen sein. Auch mehrere Wohnungen werden durchsucht. "Die Festnahmen muss man in Verbindung sehen mit dem Auto, dem grauen VW Polo, der Freitag Nacht am Bataclan Musiktheater gefunden wurde, so der Justizminister. Das Auto war in Belgien gemietet worden. Und es scheint so, dass der Mann der es gemietet hat, ein Belgier war."

Oder ein Franzose, der in Belgien gelebt hat. Was ist da los in Molenbeek? Ist der Stadtteil ein Rückzugsort für Islamisten? Heute Vormittag sind wir verabredet mit Claude Moniquet. Der frühere Geheimdienst-Mann ist ein profilierter Kenner der belgischen Szene, die er seit Jahrzehnten verfolgt.

Problemviertel Molenbeek

"Wir hatten schon damals Zellen, die über Molenbeek agiert haben. Zellen für den Dshihad in Bosnien, für den Dschihad in Afghanistan. – Und jetzt eben für den Islamischen Staat – Das ist leider keine Überraschung, sondern hier ist lokal bei einer Minderheit eine Kultur entstanden, die allerdings sehr präsent ist und in dem Maße mächtiger wird, wie Staat und Polizei sich zurückziehen."

Immer wieder sorgen im kleinen Belgien Islamisten für Schlagzeilen. Im Januar 2015 nehmen die Behörden in Verviers eine Terror-Zelle hoch. Bei der Erstürmung werden zwei Dhihadisten getötet.Nach einer Schießerei in einem Thalys-Zug nach Paris führt die Spur nach Molenbeek. Genau wie im Mai 2014. Im Jüdischen Museum in Brüssel tötet Mehdi Nemmouche vier Menschen. Der Franzose hatte in Molenbeek gelebt. Ein lange bekanntes Problem also. Warum passiert nichts?

Claude Moniquet macht die örtlichen Politiker in Molenbeek verantwortlich. Die hätten bewusst zugeschaut, wie radikale Moscheen immer mächtiger wurden. "Ich sage nicht, das waren Sympathisanten. Sie hatten Angst. Sie blieben untätig und haben die Polizei entmutigt, wenn die ihre Arbeit gemacht hat."

Autoren: Christian Feld und Cornelia Kolden

Stand: 10.07.2019 02:34 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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