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Ein Blick in die Welt: Leben in Corona-Zeiten

PlayCorona weltweit: In Schweden haben Schulen geöffnet

"Hallo, mein Name ist Pouya Fahthi, ich grüße euch aus den kurdischen Gebieten des Irans". Pouya Fathi lebt in Kamyaran, einer Stadt mit 70.000 Einwohnern und spricht Deutsch. Er hat in Teheran Deutsch studiert.

Zusammensein in schwierigen Zeiten genießen

"Die Quarantänemaßnahmen im Iran sind nicht so streng, wie wir es von den europäischen Ländern kennen. Weil das Land schon so unter den Sanktionen durch die USA leidet, kann sich die Regierung einen totalen Lockdown nicht leisten", erzählt Pouya Fathi. Dennoch haben die meisten Geschäfte hier geschlossen. Pouya Fathi ist mit seiner Großfamilie in Quarantäne gegangen. Freiwillig, aus Vorsicht. Mit seiner Großmutter, Tanten, Cousins und Cousinen.

"Das ist jetzt unsere Begrüßungsgeste. Wegen Corona geben wir uns jetzt nicht mehr die Hand und umarmen uns auch nicht mehr", so Pouya Fathi. Aber sie genießen das Zusammensein in diesen schwierigen Zeiten.

"Es gibt jetzt auch einen Mangel an Desinfektionsmitteln und Mundschutzen. Desinfektionen stellen wir selber her aus Ethanol, Glycerin und abgekochtem Wasser. Mundschutz stellen wir auch selber her. Bleibt gesund und passt auf euch auf. Und jetzt auf Kurdisch", erzählt Pouya Fathi.

Viele können sich kein Wasser leisten

Nairobi: Im Armenviertel informiert Margaret Kilonzo die Bewohner über Hygienemaßnahmen
Nairobi: Im Armenviertel informiert Margaret Kilonzo die Bewohner über Hygienemaßnahmen

Das Armenviertel Kibera – eines der größten in Ostafrika. Hier lebt Margaret Kilonzo. Und hier ist sie ehrenamtlich unterwegs, die Menschen im Viertel über Corona aufzuklären. Sie erzählt, wie schwierig die Situation in Kibera ist. Die Regierung hat die Bewegungsfreiheit eingeschränkt – das wissen die Menschen hier, doch sie ändern ihr Verhalten nicht. "Sie halten hier einfach keinen Abstand, trotz des Risikos. Sie haben keine Masken, die Mütter nicht, die Kinder nicht – und dann spielen sie hier miteinander. Das ist alles sehr gefährlich. Auch diese Frauen hier – sie sind viel zu beschäftigt, miteinander zu quatschen und halten Null Abstand", so Margaret Kilonzo, ehrenamtliche Helferin.

Margret Kilonzo und ihre Kollegen versuchen den Menschen nahezubringen, wie wichtig Hände waschen ist. Mit Wasser und Seife. Das Problem: Armut überall. Viele haben kein Geld, um Essen zu kaufen. Sie hungern, wie diese alleinerziehende Mutter und ihre Kinder.

"Sie können sich nicht einmal Wasser leisten. Sie haben einfach nichts. Dieses Stück Seife ist alles, was sie haben, aber wie sollen sie sich so die Hände waschen", fragt Margret Kilonzo.

Schwedischer Sonderweg

Corona weltweit: In Schweden haben Schulen geöffnet
Corona weltweit: In Schweden haben Schulen geöffnet

Samstagnachmittag – und Fußballzeit. Eva Johannson verfolgt das Spiel eines ihrer Söhne – auch in Coronazeiten läuft in Schweden der Spielbetrieb der Jugendmannschaften. "Wir Eltern folgen den strikten Anweisungen, die wir bekommen haben – dass man nicht auf dem Fußballplatz sein darf. Allerdings kann man uns nicht davon abhalten, hier draußen zu stehen - wir wollen ja wissen, wie es läuft. Man darf nur nicht zu dicht nebeneinander stehen", so Eva Johannson, Lehrerin.

Auch in der Schule, in der Eva Johannson unterrichtet, läuft fast alles wie gehabt. In Schweden sind die Kindergärten und die Klassen eins bis neun geöffnet. Schutzmaßnahmen wie regelmäßiges Hände desinfizieren müssen natürlich eingehalten werden.

"Ein wenig merkwürdig fühlt es sich an. Auf der anderen Seite haben wir ja nun bereits einige Wochen hinter uns und können nicht feststellen, dass unsere Schule besonders betroffen wäre. Nun nach den Osterferien sind die Klassen wieder fast vollständig", sagt Eva Johannson.

Eine Bilanz, ob der schwedische Sonderweg mit geöffneten Restaurants und dem Setzen auf freiwillige Vorsicht ein möglicher Weg ist, mit Corona umzugehen – dafür sei es noch zu früh.

"Ich nehme an, die wirtschaftlichen Folgen, wenn man ein Land runterfährt, die scheinen für eine Gesellschaft auch verheerend zu sein. Man muss wohl die ganze Zeit all diese Dinge abwägen: Wirtschaft, Gesundheit. Die Vor- und Nachteile", erzählt Eva Johannson.

Auch Australien ist im Corona-Griff

Ein leerer Bondi Beach. Seit über 4 Wochen ist der Strand gesperrt, es gelten Abstandsregeln – nach den verheerenden Feuern hat jetzt Corona den 5. Kontinent im Griff. "Ich bin Anke Timm. Ich lebe in Sydney in Australien mit meiner 16-jährigen Tochter". Tessas Highschool hat dicht gemacht. Ankes Job bei einer Stiftung läuft bei gekürzter Stundenzahl im Homeoffice. Deshalb ist jetzt packen angesagt. Die beiden werden ihre Wohnung in Sydney aufgeben. Zu teuer ist das Leben in der australischen Metropole.

Das neue Zuhause in den Blue Mountains: Ein Haus, das Anke sonst an Touristen vermietet, die jetzt ausbleiben. "Für die nächsten drei Monate werden wir hier zuhause sein. Und dann schauen wir mal weiter", erzählt Anke Timm.

New York – eine Geisterstadt

Endlich wieder draußen, endlich wieder auf dem Fahrrad. Peter Reuther, der Kameramann des ARD-Studios New York, war an Corona erkrankt, war zwei Wochen zu Hause in Quarantäne. Und entdeckt jetzt seine Stadt ganz neu. "Normalerweise würden an einem so schönen Tag Tausende von Menschen auf der Brooklyn Bridge tummeln und jetzt ist fast Menschenleere. Das hab ich noch nie gesehen", erzählt Peter Reuther, Kameramann.

In der Stadt, die niemals schläft herrscht gespenstische Ruhe.

"Ein Freund von mir, der hat eine App auf seinem Handy, damit kann er den Umgebungsgeräuschpegel messen. Und da gibt es so eine Entsprechungsskala. Wir waren am Washington Square Park, einem Platz, wo eine Menge los ist normalerweise. Viele Autos drum herum, viel Gehupe und so weiter und der Geräuschpegel, den wir da gemessen haben, entsprach etwa dem, der normalerweise in einer Bibliothek vorherrscht", so Peter Reuther.

Wären da nicht die Sirenen der Krankenwagen, die immer wieder die Stille zerreißen. Im amerikanischen Epizentrum der Pandemie sterben immer noch über 400 Menschen täglich.

Während anderswo in den USA gegen die Kontakteinschränkungen demonstriert wird, fügen sich die New Yorker bisher in ihr Schicksal und beklatschen jeden Abend um sieben das medizinische Personal der Stadt.

Autorin: Antraud Cordes-Strehle

Stand: 27.04.2020 13:39 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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