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Griechenland: Alexis Tsipras

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Alexis Tsipras - ein Porträt | Bild: dpa

Nach Jahren der bitteren Entbehrungen verspricht er ihnen einen radikalen Wandel: eine neue Zukunft:

Alexis Tsipras:

»Schluss mit dem Sparzwang, Schluss mit der Unterwerfung, Schluss mit der Erpressung!«

Tsipras provoziert - das kommt an: Er, der 40-jährige Parteichef der radikalen Linken Griechenlands, die neue politische Hoffnung:

Tsipras – Griechenlands Robin Hood?

Despoina Kostopoulou
Despoina Kostopoulou | Bild: Bild: BR

Sie setzen auf ihn: Die Putzfrauen vor dem Finanzministerium in Athen. Sie wollen das, was ihnen genommen wurde, wieder zurück - ihren Job. Seit Monaten besetzen sie den Eingang ihres ehemaligen Arbeitsplatzes. Mit dabei ist auch Despoina Kostopoulou. Erst wurde ihr Gehalt um 40 Prozent gekürzt, dann kam die Entlassung.

Despoina Kostopoulou:

»Was wir von Alexis Tsipras erwarten ist, dass er sein Versprechen erfüllt. Er hat versprochen alle Ungerechtigkeiten auszugleichen. Wir sind ein Teil der Ungerechtigkeit. Er hat es mehrfach gesagt.«

Tsipras will alles ganz anders machen. Mit einem eigenen Reformprogramm soll in erster Linie den Menschen geholfen werden.

Tsipras – ein wirtschaftspolitischer Geisterfahrer?

Ein Bettler
Ein Bettler | Bild: Bild: BR

26 Prozent Arbeitslosigkeit, Hunderttausende ohne Sozialversicherung. Tsipras will die Renten erhöhen, den Mindestlohn anheben, die Steuern senken, neue Arbeitsplätze im privaten und öffentlichen Sektor schaffen.

Ein Programm, das seine Partei auf etwa 12 Milliarden Euro schätzt. Doch bisher weiss niemand, wie das finanziert werden kann. Tsipras hat angekündigt endlich auch die Oligarchen, die Reichen des Landes zur Kasse zu bitten. Das freut auch die EU.

Tsipras – das Schreckgespenst der Eurozone?

Bei der Wahl 2012 galt er noch als das Schreckgespenst im ganzen Euroraum, wollte sämtliche Reformen rückgängig machen, die Sparpolitik beenden.

Alexsis Tsipras, Juni 2012:

»Entweder setzt man die Auflagen um oder man schafft sie ab. Nea Demokratia und Passok wollen sie nicht abschaffen. Sie wollen sie umsetzen. Wir werden sie abschaffen.«

Seine Rhetorik heute gemäßigter: Die Spar- und Reformauflagen will Tsipras nun neu verhandeln und nicht mehr gleich abschaffen.

Alexis Tsipras, Spitzenkandidat Syriza 2015:

»Ich bin mir sicher, dass eine bleibende Lösung gefunden wird, und die wird eine win-win Situation sowohl für Griechenland als auch für Europa darstellen. Für Griechenland bedeutet das, auf den eigenen Füßen zu stehen, dass es Wachstum erfährt und die großen Schwierigkeiten überwindet.«

Jens Bastian
Jens Bastian | Bild: Bild: BR

Bislang kompromisslos fordert Tsipras einen erneuten Schuldenschnitt. Die Staatsverschuldung Griechenlands ist enorm: etwa 320 Milliarden Euro. Einen Schuldenerlass für Griechenland fordern mittlerweile auch immer mehr Ökonomen. Das reicht aber noch nicht aus, sagt Jens Bastian. Vor wenigen Jahren half er den Griechen Reformen umzusetzen, war Mitglied der sogenannten Task-Force der EU.

Jens Bastian, ehemals Griechenland-Krisenstab der EU-Kommission:

»Wir können in bestimmten Bereichen, zum Beispiel die Laufzeitverlängerung der Rückzahlung der Kredite, die Zinsen weiter absenken. Aber das sind Lösungen, auch wenn sie positiv sind und einen Beitrag leisten können, glaube ich nicht, dass sie das dahinterliegende strukturelle Problem der Verschuldung dieses Landes lösen können.«

Triumph für Alexis Tsipras
Triumph für Alexis Tsipras | Bild: Bild: BR

Gewaltige Aufgaben: Tsipras will eins auf keinen Fall riskieren – den Austritt aus der Eurozone – genauso wenig wie die meisten Griechen.

Autorin: Stephanie Stauss

Stand: 30.01.2015 23:24 Uhr

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