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Kambodscha: Der Traum von Saint-Tropez

Die nackte Meerjungfer verbreitet einen Hauch von Anzüglichkeit und darunter baden buddhistische Mönche: Die Bucht von Kep gehört zu den hübschesten Stränden Kambodschas - touristisch noch kaum entdeckt.

Serge Remy
Serge Remy | Bild: BR

Serge Remy führt uns zu den, wie er sagt, "modernen Tempeln von Kambodscha".

Die Ruine eines Hauses auf Stelzen
Die Ruine eines Hauses auf Stelzen | Bild: BR

Die teils vom Dschungel überwucherten Bauten aus den 60er Jahren erinnern an ein anderes, modernes Kambodscha. Für deren Erhalt und Restauration hat Serge eine eigene Organisation gegründet.

Serge Remy, Vimana-Cambodia Kulturorganisation:

»Dieses Haus gehörte einem Prinzen. Er organisierte hier Rock 'n‘ Roll-Parties. Typischer 60er Jahre-Stil.«

Tatsächlich fanden wir diesen Filmausschnitt im Königlichen Archiv: Das Königshaus wollte Kep zum Saint-Tropez Asiens machen.

Aber dann kamen Bürgerkrieg und Rote Khmer, der Traum von Modernität endete auf den Killing Fields. Die Villen von Kep, von ihren Eigentümern verlassen und von den Armen ausgeräubert, verfielen. Es gibt viele solcher Ruinen in Kep, gebaut um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Eine Renovierung ist teuer, oft sind die Besitzverhältnisse nicht geklärt.

Serge Remy wirbt für den Erhalt der Bauten:

»Kambodschaner erkennen darin ihr modernes Erbe, modern wie Amerika.«

Eine Krabbenverkäuferin
Eine Krabbenverkäuferin | Bild: BR

An der Uferpromenade von Kep ist eine weitere und wahrscheinlich populärere Attraktion von Kep zu besichtigen. Frauen bieten sie den Touristen an: Frische Krebse.

Eine Krebsfischerin:

»Die Krebse werden schon langsam knapp. Wir fangen zu viele wegen der Touristen.«

Noch kommen hauptsächlich einheimische Wochenendausflügler hierher, aber schon macht man sich Sorgen in Kep, fürchtet internationalen Touristenrummel.

An einer Affenkolonie vorüber führt der Weg zum bedeutendsten Architekturdenkmal der Stadt: Der einstigen Sommerresidenz des Königs Norodom Sihanouk. Auch hier: Stil der 60er Jahre.

"König Sihanouk“, erzählt Serge, "hatte diese Vision eines neuen, jungen Ortes an der Küste. Dies war das erste moderne Gebäude in Kep.“

Robert Hetkämper und Serge Remy in der Königsresidenz
Robert Hetkämper und Serge Remy in der Königsresidenz | Bild: BR

Die Villa ist im Besitz des Kambodschanischen Königshauses. Noch ist ungewiss, ob der Bau bald renoviert wird, wie Serge es sich wünscht. Noch leben hier nur ein paar Familien, die das Haus vor Plünderern schützen sollen.

Frage an Serge Remy: Was ist Ihr Traum für Kep?

Serge Remy:

»Das Motto meiner Stiftung: Die Vergangenheit bewahren, die Gegenwart mit den Kambodschanern teilen und die Zukunft bauen. Es sollte möglich sein, hier einen speziellen Tourismus zu entwickeln, ohne Massentourismus.«

Ein renoviertes architektonisches Erbe und sanfter Tourismus als Perspektive für den kleinen Küstenort Kep.

Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, hängt ab von den lokalen Behörden und der Regierung in Phnom Penh. Wenn man dort auf Massentourismus setzt, wäre der Traum von Kep bald zu Ende.

Am Abend an der Uferpromenade treffen wir Familie Chin aus Phnom Penh. Sie gehört ganz offenbar zur noch dünnen Mittelschicht, die sich Urlaub leisten kann:

"Die Krebse von Kep“, sagt er, "sind die besten in ganz Kambodscha. Aber wenn zu viele Touristen herkommen, werden sie bald überfischt sein. Noch ist Kep ein Paradies.“

Kasino- und Hotelkomplex
Kasino- und Hotelkomplex | Bild: BR

Knapp 50 Kilometer westlich von Kep führt eine neue Straße durch den Nationalpark von Bokor. Sie endet an diesem monströsen Prachtbau: Hotel und Spielkasino nach dem Geschmack chinesischer Gruppenreisen.

So sieht es aus, wenn staatliche Planer hier auf Massentourismus setzen. Und manch Strand von Sihanoukville, weiter westlich gelegen, ist schon heute überlaufen. Kambodscha wird zum neuen Ziel der Strandurlauber.

Eine renovierte Villa
Eine renovierte Villa | Bild: BR

Zurück in Kep: Dessen Strände sind eher klein, dafür aber noch still. Und in diesem Resorthotel findet man die für den Ort typische Villenarchitektur, renoviert zu neuem Glanz.

Französische Architekten bauten um 1960 herum für reiche Kambodschaner die Villen nach dem Geschmack der damaligen Zeit. Ein belgischer Unternehmer machte jetzt ein Hotel daraus.

Frage: War dieser Nierentisch-Baustil nicht lange verpönt?

Jef Moons, Knai Bang Chatt Resort:

»Geschichte wiederholt sich. Aber nur wenige respektieren die Geschichte dieses Landes. Selbst Kambodschaner halten wenig vom Renovieren alter Häuser. Sie fragen eher: "Warum baust Du nicht neu und prächtig?"«

An der Königsvilla von Kep hofft der Denkmalsschützer auf die Zukunft:

»Kambodscha hat die Tempel aber auch die schöne Küste. Und Kep kann vom Massentourismus verschont bleiben, wenn vernünftig geplant wird. Vieles ist über die Jahre besser geworden im Land.«

Vielleicht geht er ja in Erfüllung, der Traum des alten Königs von Kep als dem Saint-Tropez von Kambodscha.

Autor: Robert Hetkämper, ARD Singapur

Stand: 15.04.2014 10:36 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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