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China / Nordkorea: Familienschicksal am Grenzfluss

PlayKim Ju-kil bleibt nichts als eine Bootsfahrt auf dem Yalu-Fluss. Von dort kann er zumindest seine alte Heimat, Nordkorea, sehen.
China / Nordkorea: Familienschicksal am Grenzfluss | Bild: Bild: BR

Morgenröte über Nordkorea. Drüben ist das Reich des Diktators Kim Jong Un. Hier, auf der chinesischen Seite in Dandong, bereiten sie das Frühlingsfest vor: "Reichtum und Glück" steht auf den Plakaten.

Unerschrocken im Grenzfluss: Auch wenn das Verhältnis zwischen China und Nordkorea gerade so unterkühlt ist wie das Wasser im Yalu-Fluss, für die Chinesen in Dandong ist der Nordkoreaner, auch der im Boot gleich nebenan, einfach der Nachbar.

Frühlingsfest in Dandong

Kim Ju-kil und seine Frau sind zu den Kindern nach Dandong gereist, zum Frühlingsfest. Kim ist in Nordkorea geboren. Er gehört zur koreanischen Minderheit. Zwei Millionen Koreaner leben in China.

Die Familie im Boot
Die Familie im Boot | Bild: Bild: BR

Die Bootsfahrt geht an der Freundschaftsbrücke vorbei, zur kaputten Brücke daneben, die im Koreakrieg zerbombt wurde. Damals kämpfte China an der Seite von Nordkorea. Gemeinsam blicken sie in ein Land, mit dem sie sich verbunden fühlen, weil Vater Kim dort her kommt.

Kim Ju-kils Tochter
Kim Ju-kils Tochter | Bild: Bild: BR

Für seine Tochter ist Nordkorea vor allem ein unberechenbarer Nachbar: "Ehrlich gesagt bin ich oft beunruhigt über die Nachrichten von Raketen oder Atomtests da drüben. Das macht mir Angst, weil wir ja hier in der Grenzregion leben. Wir hoffen einfach, dass das nur Machtspiele sind und dass nicht mehr draus wird."

Zerschlagene Hoffnungen

Auf der chinesischen Seite: eine Geisterstadt. Die chinesisch-nordkoreanische Sonderwirtschaftszone Dandong. Große Hoffnungen hatten sie in den kommunistischen Bruderstaat gesetzt. Dann: Enttäuschung. Nordkorea zog sich zurück, die topmoderne Brücke nach drüben, sie endet im Nichts.

Kim Ju-kil
Kim Ju-kil | Bild: Bild: BR

Mit Stacheldraht schützt sich China vor Flüchtlingen aus Nordkorea. Direkt an der Grenze: die Chinesische Mauer. Herr Kim und seine Frau machen einen Ausflug hierher. Sie haben keine Augen für das perfekt renovierte Bauwerk. Sie wollen von hier aus nur die alte Heimat drüben sehen. Kims Schwester lebt noch in Nordkorea. In den 60er Jahren hat sie sich entschlossen, dort zu bleiben. Damals war die Grenze noch offen und in China herrschte Hungersnot. Die Geschwister – heute getrennt durch den Grenzfluss: "Meine Schwester und ich haben uns oft am Fluss verabredet. Dort konnten wir uns von Ufer zu Ufer unterhalten. Das war anfangs noch erlaubt."

Das letzte Treffen

Dann wurden die Regeln strenger, Treffen am Fluss nicht mehr möglich. Vor zwei Jahren erhielt die Schwester nach langem Warten die Erlaubnis, ihren Bruder zu besuchen. Vielleicht ein letztes Treffen der Geschwister. Schön, aber auch traurig.

Kim Ju-kil: "Am Ende haben wir uns einfach nur 'Auf Wiedersehen' gesagt. Ich habe sie eingeladen, dass sie gerne noch mal zu Besuch kommen kann. Sie versprach, es zu versuchen."

Blick in die Vergangenheit

Touristinnen aus Südchina
Touristinnen aus Südchina | Bild: Bild: BR

Der Blick nach Nordkorea, für diese chinesischen Touristinnen aus dem reichen Süden ist er ein wenig gruselig. Extra dafür sind sie angereist: "Als wir vom Boot aus ganz nah rüber schauen konnten, haben wir nur gedacht: wir lieben China!" "Nordkorea ist so rückständig wie China in den 50er, 60er Jahren. Im Gegensatz dazu boomt die Wirtschaft in China."

China ernährt Nordkorea – die Freundschaftsbrücke: wie eine Nabelschnur in das abgeschottete Land. In Dandong arbeiten mindestens 20.000 Nordkoreaner, besonders regimetreue und vom Staat ausgewählt und überwacht, wie diese Kellnerinnen, die mit uns nicht reden dürfen und schnell in die nordkoreanischen Restaurants an der Promenade verschwinden.

Kleiner Grenzverkehr

Der kleine Grenzverkehr in Richtung Nordkorea funktioniert gut, manchmal auch mit Geschenken zum Frühlingsfest für die Menschen dort.

Frau Yü hat Erfahrungen mit Nordkorea: "Ich war schon mal drüben in Nordkorea und die waren so nett zu uns. Ich möchte ihnen zum Fest etwas schenken. Die chinesischen Fahrer nehmen es mit rüber."

Das Fest in der Familie
Das Fest in der Familie | Bild: Bild: BR

Zu Hause bei der Tochter von Kim. Fürs Frühlingsfest haben sich alle schick gemacht. Nach koreanischem Brauch werden die Ahnen verehrt. Kim bedeuten diese Tradition viel: er verbrennt die guten Wünsche fürs Jenseits. Die Kinder zeugen den Großeltern Respekt und bekommen dafür rote Umschläge mit Geld. Es ist ein schöner Tag für die Familie. Doch Großvater Kim ist in Gedanken bei seiner Schwester auf der anderen Seite des Flusses, in Nordkorea.

Autorin: Sascha Storfner, ARD Peking

Stand: 13.07.2019 23:26 Uhr

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