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Japan: Babys im Altenheim

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Japan: Babys im Altenheim | Video verfügbar bis 20.11.2023 | Bild: ARD

Wohl selten hat sich jemand so auf die Arbeit gefreut! Die sieben Monate alte Lena strotzt vor Energie. Die wird sie heute auch brauchen. Draußen in der Stadt Kitakyushu beginnt der Ernst des Lebens für die kleine Lena. Mit Anpacken bei den Großen, den Alten! Hier im Pflegeheim "Ginko-Laube". Lenas künftige Klienten erwarten anspruchsvolle Unterhaltung. Die Grundschüler:innen aus der Nachbarschaft mühen sich nach Kräften. Mit mäßigem Erfolg. Die größten Talente vermutet die Heimleitung bei den ganz Kleinen.

Für die Bewohner:innen ein Highlight

30 Babys wurden hier schon angeworben. Auch Lenas Mutter Kanae hat davon gehört. Und von einer Heimleiterin mit unkonventionellen Ideen. Lena winkt eine Karriere als Alleinunterhalterin. Die Direktorin Kimie Gondo will sie am liebsten gleich da behalten. Die Arbeitsbedingungen traumhaft. Lena kann kommen, wann immer es ihr passt. "Das ist der Vertrag und hier steht die Aufgabe: Wir bitten darum, in der Einrichtung herumzulaufen", erklärt die Direktorin. Oder zu krabbeln. "Wären Sie dann so nett zu unterschreiben?"

Japan: Babygeschrei im Altenheim – in Japan Therapie für Demenzpatienten.
Japan: Babygeschrei im Altenheim – in Japan Therapie für Demenzpatienten. | Bild: WDR

Lena kann es anscheinend kaum abwarten. "Sie hat jetzt zumindest nicht geweint. Mal sehen, wie sie reagiert, wenn sie die älteren Herrschaften trifft", sagt ihre Mutter. Die Kund:innen sollen nicht länger warten. "Guten Tag!". Die Begrüßung verläuft zurückhaltend. Aber dann zeigt Lena ohne Scheu, was sie draufhat. "Die Bewohner:innen sind völlig verändert! Die Atmosphäre wird gleich viel wärmer. Ich wurde schon vorher gefragt: Kommen die Kinder heute? Es ist einfach wunderbar", erzählt die Kimie Gondo. Naturtalent Lena überzeugt schnell. "Hier Lena, das ist dein Lohn. Danke für deine Arbeit", sagt die Direktorin. In der Packung steckt eine Baby-Windel. "Und hier ist noch ein Gutschein. Ein Eis für die Mama. Vielen Dank!"

Lena soll öfter kommen. "Ich freue mich jedesmal. Ich habe ja auch mal Kinder großgezogen. Sie sind so niedlich", sagt Bewohnerin Kyoko Nakano. "Man wird ganz nostalgisch. Wenn sie uns besuchen, erinnert man sich daran, dass es diese Zeit auch in unserem Leben gegeben hat", erzählt Bewohner Taizo Saeki.

Ein Ort der Begegnung

Lena kann hier selbst noch einiges erleben. Zum Beispiel beim Nachbarschaftstreff auf dem Gelände. Das Pflegeheim ist eine Begegnungsstätte. Viele der Heimbewohner:innen sind dement. Aber nicht zwangsläufig einsam. "Die Idee ist, diese Einrichtung offen zu halten. Es soll ein ständiges Kommen und Gehen geben. Man läuft sich über den Weg wie in einer Kleinstadt", erklärt die Direktorin.

Passend dazu haben sie hier auch ein eigenes Radioprogramm. Einmal im Monat zeichnen sie eine Sendung auf. Die Leiterin lässt die Bewohner:innen einfach erzählen, was ihnen durch den Kopf geht. "Die Leute schwärmen immer so vom Landleben. Die wissen gar nicht, wie mühsam das ist!", sagt Tsukimi Kenjin.

Ende eines eindrucksvollen Arbeitstags. "Sie lernt den Umgang mit anderen Menschen. Mit Älteren und mit Kindern. Es gibt eben Dinge, die man nur im Kontakt mit anderen Menschen lernen kann", sagt Lenas Mutter Kanae Shinohara. So gesehen hat Lena an ihrem ersten Tag wohl viel gelernt – und wird vielleicht davon träumen.

Autor: Ulrich Mendgen / ARD Studio Tokio

Stand: 20.11.2022 18:31 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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