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Japan: Hochzeit auf Probe

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Japan: Hochzeit auf Probe | Bild: WDR

Heute dürfen sie träumen. Ein normales Paar sein. Das tun, was selbstverständlich ist. Momo und Nana werden heiraten. "Ich bin aufgeregt. Freue mich, wenn Momo mich so sieht. So aufgeregt, dass ich vorhin fast weinen musste", sagt Nana und Momo fühlt sich ähnlich: "Ich kann es noch gar nicht glauben. Wie wird es wohl sein? Ich freue mich."

Ein Mönch hält gegen die Gesetze

Ein Paar sein – auch ganz offiziell. Das geht in Japan für Lesben oder Schwule eigentlich nicht. Aber hier im Tempel vor den Toren von Tokio können sie ahnen, wie es sich anfühlt. Moykan Senda schert sich nicht um das Eheverbot. Der buddhistische Mönch will möglich machen, was der Staat nicht erlaubt: "Es ist für beide eine wichtige Zeremonie. Ich glaube ich bin genauso aufgeregt wie sie."

Japan: Der buddhistische Mönch Myokan Senda wirbt in seinem Tempel für die gleichgeschlechtliche Ehe
Japan: Der buddhistische Mönch Myokan Senda wirbt in seinem Tempel für die gleichgeschlechtliche Ehe | Bild: WDR

Momo und Nana sind glücklich. Denn alles stimmt – ist perfekt. Sie denken nicht daran, dass das heute nur ein Foto-Termin ist. Mit diesen Bildern will der Tempel für die Ehe für alle werben. Sie schwören gemeinsam tief verbunden durch das Leben zu gehen. Es ist ihnen ernst. Ihre Liebe müssen sie hier im Tempel niemandem beweisen. "Dass jeder mit der Person zusammen sein kann, die er liebt, sie heiraten kann, das wünsche ich mir am meisten", sagt Momo. Moykan Senda hat dazu eine klare Meinung: "Im Buddhismus, der aus Indien stammt gibt es einen Leitspruch. Was lebt, soll Glück finden. Sozialer Status, Arbeit, Geschlecht spielen da keine Rolle."

Momo und Nana teilen ihre Liebe nach außen

Momo und Nana sind seit zwei Jahren ein Paar. Sie verstecken sich nicht. Und wenn jemand blöd guckt, ist ihnen das egal. Anfangs hatten sie Angst, es ihren Familien zu erzählen. Heute sind sie erleichtert, weil es alle gut aufgenommen haben. Alles könnte so einfach sein.

"Ein Coming out wirkt immer als hätten wir etwas verbergen müssen. Als müsste man es tun. Weil man anders ist. Ich fände es schön, wenn man jedem einfach ganz normal sagen könnte. Ich bin jetzt mit dem oder ihr zusammen", findet Momo.

Um das zu erreichen, zeigen sich die beiden auch im Netz. Und erzählen von ihrem Leben als Paar. Dort folgen ihnen tausende. "Ich hatte Angst, dass vielleicht beleidigende Kommentare kommen. Aber stärker war mein Bedürfnis, den Leuten zu zeigen, dass Frauen normal zusammenleben und glücklich sein können", erzählt Nana.

Veränderung ist langsam in Sicht

Für homosexuelle Paare in Japan gibt es manchmal höchstens ein Bescheinigung für das Zusammenleben. Andere adoptieren den Partner, um füreinander da zu sein. Aber gesetzlich heiraten geht nicht. Myokan Senda, der Mönch aus dem Tempel, versteht das alles nicht. Er hat in England studiert, in Indien gelebt. Aber jetzt merkt er: Es ändert sich was in Japan. Eine Mehrheit hat nichts dagegen, wenn Männer Männer heiraten. Oder Frauen Frauen. "Es gibt ja derzeit Bewegung bei der gleichgeschlechtlichen Ehe. Aber rechtlich etwas zu ändern ist sehr beschwerlich", sagt er.

Japan: Momo und Nana wünschen sich, dass jeder mit dem Menschen, den er oder sie am meisten liebt, zusammen leben und ihn heiraten darf
Japan: Momo und Nana wünschen sich, dass jeder mit dem Menschen, den er oder sie am meisten liebt, zusammen leben und ihn heiraten darf | Bild: WDR

Schnell aufgeben, kommt nicht in Frage. Heute geht er mit dem Programm 'Rainbow Temple' auf Sendung. Produziert einen Podcast, beantwortet Fragen von Lesben und Schwulen. Er spricht zum Beispiel mit einem Teenager, der sich alleine fühlt. Warum nur tut Myokan Senda das alles? Ist er vielleicht selbst schwul? "Alle Menschen, mit denen ich bisher zusammen war, waren Frauen. Aber wenn ich darüber nachdenke, vielleicht war das nur ein Zufall."

Momo und Nana hätten gern ein Kind. Dafür wäre es gut, ganz offiziell verheiratet zu sein. Vor einigen Wochen hat ein lokales Gericht zum ersten Mal entschieden: Dass es die Ehe für alle in Japan nicht gibt, ist verfassungswidrig. Aber bis sich Gesetze ändern, kann es Jahre dauern. Das Land verändert sich nur sehr langsam. "Ich glaube, weil man seine eigene Lebensweise nicht so sehr in den Vordergrund rückt. Und weil Japan am ehesten das Land ist, in dem sich die Leute davor fürchten, kulturell anders zu sein", sagt Momo.

Da es heute nur die Probe war, können Momo und Nana den schönsten Tag vielleicht irgendwann nochmal erleben. Und das tun, was selbstverständlich ist für ein Paar, das sich liebt. Heiraten.

Autor: Gabor Halasz / ARD Studio Tokio

Stand: 09.05.2021 20:42 Uhr

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Westdeutscher Rundfunk
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