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Mali: Proteste gegen französische Präsenz

PlayFranzösische Soldaten in Mali
Mali: Proteste gegen französische Präsenz | Bild: IMAGO / Hans Lucas

Frankreich raus, Russland rein

Großdemonstration in Malis Hauptstadt Bamako. Jedes Mal wird der Protest breiter, die Slogans aggressiver, vor allem gegen die Franzosen und ihren Präsidenten: "Es reicht, Macron". Und "Stoppt den Genozid in Mali" – selbst der französische Hahn findet keine Gnade. Pape Diallo gibt die Tonlage vor. Er ist Gründungsmitglied von "Yerewolo", dem Verein, der der Demo eingeladen hat. Ziel: Frankreich aus dem Land werfen, Russland zur Hilfe rufen. Dafür gebe es auch gute Gründe: "Die fast zehnjährige militärische Zusammenarbeit mit Frankreich ist miserabel. Dafür sind die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Russland wirklich wunderbar. Wir bekommen gerade vier Kampfhubschrauber und viel Militärmaterial."

Menschen mit Plakaten auf Demonstration gegen Frankeich in Bamako (Mali)
"Es reicht, Macron", finden die Demonstranten in Bamako  | Bild: SWR

Hoffnungsvoll hatte Frankreich Truppeneinsatz vor fast zehn Jahren auch begonnen. Inzwischen sind 5.000 Franzosen mit einem robusten Kampf-Mandat gegen Islamisten unterwegs sind – der Frieden aber rückt in immer weitere Ferne. Allein in den vergangenen zwölf Monaten gab es 500 Angriffe auf Zivilisten. Fast 2.000 Menschen starben – so viele wie nie zuvor. Für die schlechte Bilanz wird vor allem die ehemalige Kolonialmacht verantwortlich gemacht. Doch die UN-Stabilisierungsmission – darunter auch etwa 1.000 Deutsche – seien nicht viel besser, meinen die malischen Kritiker. Die UN-Truppen schleusten Söldner ein, fälschten Dokumente – angeblich: "Nehmen wir die UN-Truppen: Wir kritisieren sie; das Verhalten vieler Soldaten wird von der Bevölkerung an der Basis verurteilt", so Pape Diallo.

Ein vielschichtiger Konflikt: Terrorismus, Bodenschätze, Flüchtlinge

Manche Malier haben den Verdacht, dem Westen gehe es ohnehin um etwas anderes. Er sei auf Gold, Diamanten und viele andere Bodenschätze aus, glaubt auch die ehemalige Kulturministerin Aminata Traoré. Wenn dann Ausbeutung und Kämpfe zu neuen Strömen von Flüchtlingen führten, werde Afrika selbst dafür noch in die Pflicht genommen: "Genau darum geht es seit der Migrationskrise 2015 in Deutschland: Sie wollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie wollen Terrorismus bekämpfen und die Afrikaner sollen mithelfen, die Migrationsströme zu kontrollieren."

Flüchtlinge in Zelt
In Mali müssen Menschen immer wieder vor Übergriffen bewaffneter Gruppen fliehen | Bild: SWR

Die meisten Flüchtlinge aber gibt es innerhalb Malis, sie stranden etwa hier, einem Vorort von Bamako. Der Konflikt zwischen Militär und Dschihadisten ist auch zu einem zwischen Ethnien geworden – ein Teufelskreis. Die ausweglose Lage treibt "Yerewolo" immer neue Anhänger in die Arme:  "Vor zwei Jahren wurde mein ältester Bruder in der Abenddämmerung von Dschihadisten getötet, beim Verlassen der Moschee", erzählt der Flüchtling Zakario Diallo. "Nicht mal seinen Leichnam bekamen wir zurück. Unersetzlich ist das menschliche Leben, es wird zum größten Verlust." Und Pape Diallo, Sprecher von "Yerewolo", sagt: "Unser Land durchlebt eine nationale Katastrophe. Deren Opfer sind nicht jene, die politische Entscheidungen treffen, sondern jene, die deren Folgen tragen müssen."

Vergangene Woche, Moskau. Außenminister Lawrow empfängt seinen malischen Amtskollegen. Es soll um Bodenschätze gehen, im Tausch gegen russische Söldner, heißt es – wie so oft, wo immer Russland in Afrika auftaucht. Nagelneues Fluggerät aus Russland kam schon: vier Kampfhubschrauber vom Typ MI 171, angeblich zum Marktpreis, aber mit gratis Munition. Testflug über Mali: Es geht um das Überleben des Staates, sagt die Regierung. Und da ist das Vertrauen in die Russen inzwischen größer. Für Pape Diallo sowieso. Russische Fahnen, russische Botschaften. Und einen Ehrengast hat er auch: "Das ist der erste malische Militärpilot, der in Russland ausgebildet wurde. Er wird heute zu uns sprechen." Eine frohe Botschaft für die Russland-Fans. Eine schlechte für die westliche Afrika-Politik.

Autor: Norbert Hahn

Stand: 16.11.2021 14:05 Uhr

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