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Schweden: 'Surströmming' - Wie kann man das nur essen?

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Schweden: 'Surströmming' - Wie kann man das nur essen? | Bild: Das Erste

Die Schweden haben so viel frischen Hering, dass es ein Rätsel ist, weshalb sie mit Begeisterung gegammelten Hering essen. Der kommt traditionell von der Insel Ulvön an der Ostküste von Mittelschweden. Surströmming heißt der Gammelfisch und gärt in Fabriken auf dem Festland oder eben hier im Bootshaus bei Ruben Madsen und Ulf Ögren. Der Gärvorgang hat Folgen: Ranzig und nach ungeputzter Raststättentoilette riecht es. Aber alles ist relativ. Ruben Madsen meint dazu: "Das Leben kennt doch viele Düfte. Die getragenen Socken von der Familie zum Beispiel. Aber wer etwas liebt, kann das doch aushalten und ich liebe Surströmming."

Eine Dose mit der schwedischen Spezialität Surströmming
Eine Delikatesse in Schweden: Surströmming | Bild: dpa

Strömming ist ein fettarmer Hering. Er schwimmt im Mai hier vorbei, wird gefangen, geköpft und fault dann bis August in Salzlake. Als Salz noch teuer und knapp war, kamen die Schweden auf die Idee mit der Lake - und dann auf den Geschmack, wie Ulf Ögren erklärt: "Man lernt das mit der Zeit. Es gibt ja auch andere Gerichte, bei denen man lernen muss, dass man sie essen kann."

Ein besonderes Geschmackserlebnis

Die Autorin Annette Leiterer mit Ruben Madsen
Die Autorin Annette Leiterer wird gleich Ruben Madsens Surströmming probieren. | Bild: NDR

Mein Geschmackserlebnis: "Am Anfang geht es, weil es salzig ist. Faulig wird es erst später im Mund. Und es hat auch was von so nem Flüssigkleber." Die Milchsäure im Fisch tötet Fäulnisgifte und der Schnaps hinterher alles weitere. Ich soll den Surströmming noch klassisch schwedisch probieren. Im Restaurant müssen wir den Fisch aber abseits von anderen Gästen essen – wegen des Duftes der Delikatesse. Zu dem Geruch meint Lisbeth Hilberer: "Wenn ich diesen Geruch spüre, da kriege ich richtig Appetit."Sie kommt aus der Gegend, isst Suströmming seit sie zehn Jahre alt ist - gerne mit Kartoffeln, Creme Fraiche, Zwiebeln und Tomaten auf Knäckebrot. So lässt sich die intensive Fäulnisnote leichter ertragen - hält aber lange, genauso wie der faule Dosenfisch.

Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, dass viele Schweden diesen Gestank irgendwie appetitanregend finden. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, aber einzigartig. Ich habe jetzt genug davon.

Autorin: Annette Leiterer, ARD-Studio Stockholm

Stand: 06.03.2015 13:49 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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