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Nigeria: Benin-Skulpturen - Streit um "koloniales Erbe"

PlayEine Frau in bunten Kleidern mit Bronzefiguren
Nigeria: Benin-Skulpturen - Streit um "koloniales Erbe" | Bild: Caroline Imlau / ARD Nairobi

Die Kolonialherren hatten wertvolle Kulturgüter aus dem damaligen Königreich Benin gestohlen, aber es geht nicht einfach nur um Kunst. Viele Nigerianer bedauern, dass ihnen damit auch ihre Geschichte geraubt wurde. Auch Nike Okundaye wuchs in ihrem Dorf in dem Gefühl auf, kultur- und geschichtslos zu sein. Heute hat sie die größte private Kunstsammlung Westafrikas, ist weltoffen und selbstbewusst: “Die Briten haben damals Benin überfallen. Dabei haben sie so viele Menschen getötet und haben einfach unsere Bronzen mitgenommen. Die Kunstgegenstände finden sich heute in unzähligen Museen.“

Gerade für die jungen Leute kommt mit der Raubkunst die gestohlene Seele zurück, ihre Identität. Im Land herrscht viel Armut und fast 20 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos. Andere haben sich an ihrer Kunst bereichert, so empfinden viele es.

Kultur, Identität und Rückgabe

Daher ist für Iyamu Culture die Rückgabe nur ein erster Schritt zur Widergutmachung. Der 38-Jährige ist Fischzüchter und Vorsitzender einer Jugendorganisation: "Schon seit 13 Jahren bilden wir junge Leute und Frauen aus. Wir brauchen dafür viel Geld. Dafür muss auch das Geld, was sie mit den Artefakten generiert haben, zurück. Unser Königshaus ist unsere Seele."
Iyamu bezeichnet sich als Aktivist. Er kämpft für Gerechtigkeit. Er findet, die Kolonialherren haben nicht nur Kunst geraubt, sondern auch die Entwicklung seines Landes behindert.
Unsicherheit und eine andauernde Wirtschaftskrise belasten die Nigerianer. Das Geld ist nichts mehr Wert, die Währung, der Naira, ist auf einem Rekordtief. In einem Staat, in dem gerade jetzt kaum etwas funktioniert, scheint es irgendwie tröstlich, sich auf seine Wurzeln zu besinnen. Für die Vertreter der Jugendorganisation Edo National Voice ist auch deshalb die Rückgabe der Bronzen so wichtig.

Hier in Benin City soll ein neues Museum entstehen. Dort sollen auch die aus Deutschland zurückgegebenen 20 Bronzen einmal ihren Platz finden. Ein paar Kilometer weiter ist der historische Ort, wo die Briten in der Kolonialzeit den Palast plünderten, und anschließend die Bronzen in die ganze Welt verkauften.
Allerdings Verhandlungen über Wiedergutmachung für den Kunstraub gibt es noch nicht – und ob es sie jemals geben wird, ist ungewiss – aber die Diskussion hat hohen Symbolwert.
Die Bronzen sind auch spirituelle Begleiter. Prinz Tony, ein Mitglied des Königshauses, hält in seinem Ogievie Tempel regelmäßig Zeremonien ab. Er nimmt dabei Kontakt zu den historischen Königen auf: "Ich bin von den Göttern erwählt, wissen Sie. Die Menschen im Benin-Königreich glauben an Tradition. Es ist eine große Sache, ich möchte, dass die ganze Welt hierherkommt, um zu sehen, warum die Götter diesen Ort erwählt haben."

Autorin: Caroline Imlau, ARD Nairobi

Stand: 14.01.2024 19:10 Uhr

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