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Norwegen: Die schöne Seite des Winters

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Norwegen: Die schöne Seite des Winters  | Bild: SWR

Verschneite Weiten, Nordlichter und ganz wenige Menschen. Manchen mag das zu einsam sein – für zwei Schülerinnen aus dem nordnorwegischen Alta ist das aber das Paradies auf Erden. Bei minus 20 Grad verbringen sie das Wochenende im Zelt: "Man wird nie immun gegen die Kälte. Aber man kann sich daran gewöhnen, etwas zu frieren", sagen sie und genießen die Einsamkeit. Dirk Schraeder hat die beiden begleitet.

Guro und Kesia mit Hund auf Skiern
Man gewöhnt sich an die Kälte | Bild: SWR

Guro Krempig ist erst 18 Jahre alt, aber im naturverrückten Norwegen landesweit bekannt. Im letzten Sommer ist sie mehrere hundert Kilometer allein durch Lappland gewandert. Kesia Arctander ist seit Kindertagen Guros beste Freundin. Dieses Wochenende wollen die Mädchen jagen und angeln. Und sie werden im Zelt schlafen. Bei minus 21 Grad. Inzwischen herrschen hier minus 24 Grad. Guro nimmt´s gelassen. "Ich glaube, man wird nie immun gegen die Kälte. Aber man kann sich daran gewöhnen, etwas zu frieren. Wenn man hier groß geworden ist, verträgt man die Kälte wahrscheinlich etwas besser, als wenn man auf, sagen wir mal, Gran Canaria aufgewachsen wäre."

Funktioniert die Schneehuhn-Falle?

Am frühen Abend lotst Guro Kesia in ein stilles Tal. Ihre Hunde haben sie beim Zeltplatz zurückgelassen. Bei früheren Besuchen hat Guro hier Spuren von Schneehühnern entdeckt. Auch heute finden die beiden frische Abdrücke im Schnee. Die Mädchen beschließen, eine Schneehuhn-Falle zu bauen. Dazu stecken sie junge Zweige in den Schnee, denn die Hühner lieben die frischen Knospen daran. Nur in der Mitte gibt es einen Durchgang. Dorthin kommt eine hauchdünne Schlinge."

Guro und Kesia am Lagerfeuer
Der Wildnisklassiker: das geröstete Butterbrot | Bild: SWR

Das hier ist der schwierigste Teil, denn jetzt muss ich die Schlinge befestigen. Das Schneehuhn soll sich ja darin verfangen. Dabei ist es sehr wichtig, dass man bei der Schlinge nichts falsch macht. Sie muss groß genug sein und sie muss sehr gut befestigt werden…. Jetzt ist sie fertig. Du siehst, die Schlinge ist etwa so groß wie eine Apfelsine." Zurück am Lagerfeuer gibt es den norwegischen Wildnisklassiker: das geröstete Butterbrot. Hier geht es nicht um Schneehühner und Fallen, sondern um Jungs, Schule und Angst im nächtlichen Wald. "Es ist wichtig, dass man jemanden dabeihat, auf den man sich blind verlassen kann. Wenn ich hier ganz allein wäre, hätte ich ein anderes Gefühl."

Die Liebe zur Natur

Am nächsten Morgen hüpfen Guro und Kesia noch vor dem Frühstück zu "Johnny aus der Knopffabrik", einem in ganz Norwegen bekannten Aufwärmtanz. Einige Freunde überlegen, nach dem Abi in den Süden nach Oslo oder sogar ins Ausland zu ziehen. "In einer Großstadt zu leben, das kann ich mir nicht vorstellen!", sagt Guro. "Dafür lieben wir die Natur hier viel zu sehr. Da kann man einfach rausgehen und sowas hier unternehmen."  In der Nacht ist tatsächlich ein Schneehuhn in ihre Falle gelaufen. Mitleid mit dem Tier haben die beiden nicht – Guro und Kesia sehen das pragmatisch.

Guro und Kesia tanzen vor Zelt
Aufwärmen auf Norwegisch | Bild: SWR

"Dieser Vogel hatte ein tolles Leben, und diese Falle ist echt human. Das Schneehuhn läuft rein und ist zwei Sekunden später tot. Das ist doch was ganz anders als zum Beispiel bei..." … "…bei Hähnchen", ergänzt Kesia Arctander. "Die leben in kleinen Käfigen, bekommen kein natürliches Futter und leben nur, damit man Fleisch aus ihnen machen kann. Da ist das hier doch deutlich besser!"

...ganz normale Jugendliche

Vom Erfolg beflügelt, wollen die beiden jetzt auch noch eine Forelle fangen, in diesem See sollen besonders viele schwimmen. Die Mädchen haben sich ihre Eislöcher mit ein paar Metern Abstand gebohrt.  "Es sieht vielleicht nicht so aus", meint Guro, "aber wir sind ganz normale Jugendliche, die Blödsinn machen und… Oh! Oh! Kesia hat einen Fisch!" Guro und Kesia sind mit und in der Natur groß geworden. Zartbesaitet sind sie nicht - und für einen kleinen Scherz immer zu haben. Aber nächstes Wochenende wollen die beiden mal wieder in ein gut geheiztes Kino.

Stand: 18.05.2019 16:21 Uhr

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