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Philippinen: Volkssport Miss-Wahlen

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Philippinen: Volkssport Miss-Wahlen | Bild: NDR

Das Wichtigste beim Menschen sei Persönlichkeit, sagt Mona – und darf sich freuen, dass bei ihr auch das Äußere stimmt. Als Studentin – mit 22 – hilft das dem Portemonnaie und der Karriere. Kann sein, dass sie Manila als Ingenieurin mal eine U-Bahn baut und so reich und berühmt wird. Aber bis dahin versucht sie es als Schönheitskönigin – wie viele junge Frauen auf den Philippinen: Volkssport Miss-Wahlen.

Streben nach der Schönheits-Krone

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Mona will Schönheitskönigin werden. | Bild: NDR

Im Studio von Makoy Manlapaz macht Schönheit Schule. Die Fächer: Gut aussehen, Laufen, Tanzen, Strahlen. "Mit den Wettbewerben möchte ich mir und anderen beweisen, dass man seinen Traum verwirklichen kann – auch wenn man einen schweren Start ins Leben hatte", sagt Mona. "Ich würde gerne mal eine Krone gewinnen. Mehr nicht." Mona lächelt. Trotz flüchtigen Vaters und mieser Mutter. Mit 14 zieht sie aus und tritt ins Rampenlicht, holt sich Pesos – und Ego. Es gibt ja viel Kritik am Gewerbe, sagen wir, aber Mona winkt ab: "Nein, ich denke, Frauen zeigen da Schönheit und Selbstvertrauen. Diese Wahlen sind wichtig in unserer Gesellschaft. Sie haben mich als Frau verändert und meinen Glauben an das Leben. Ich bin jetzt stärker."

Milliarden-Miss-Wirtschaft

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Beauty-Coach Makoy bereitet Mona auf die Schönheitswettbewerbe vor.  | Bild: NDR

Schönheitswettbewerbe und das Beauty-Business hinten dran: eine Milliarden-Miss-Wirtschaft von Mumbai bis Manila. Von der Popularität profitiert der Beauty-Trainer, schon als Kind ein Fan von Miss-Wahlen. Den Job im Call-Center hat er geschmissen, Makoy coacht jetzt Königinnen. "Ich habe festgestellt: Die meisten Mädchen wissen genau, warum sie das machen", sagt Makoy. "Auch Mona. Manche gehen sogar in die Politik. Eine ehemalige 'Miss Universe' aus Venezuela war mal Präsidentschaftskandidatin." Spieglein, Spieglein ... – Mona hat Konkurrenz im Camp: drei Damen aus Myanmar. Zur "Miss Universe" werde es wohl nicht reichen bei Mona – sie sei etwas zu klein, meint Makoy.

Wettbewerbe für alle Altersklassen

 Die fünfjährige Naomi Colyn Parente.
Die fünfjährige Naomi Colyn Parente ist stolz, "Little Miss Dreamville" zu sein. | Bild: NDR

Doch kein Maß hält Mädchen davon ab, hier irgendwann bei einer Miss-Wahl anzutreten. Die Philippinen zählen mehr als 40.000 Gemeinden – und keine, die keine Schönheit wählt, zum Beispiel "Little Miss Dreamville" - für alle Altersklassen. Geld, Aufstieg, Anerkennung. Je früher, desto besser. Was anderen als Geschmacksverirrung gilt, als Degradierung der Frau, Über-Sexualisierung von Kindern, Püppchen-Parade oder Fleischbeschau – nicht diesen Eltern und nicht "Little Miss Dreamville". "Hättest du gedacht, dass du gewinnst?", wird die fünfjährige Naomi Colyn Parente gefragt. "Ich wusste es." – "Woher?" – "Na, weil ich gut bin", sagt sie. "Und seit wann wusstest Du das?" – "Schon lange." Alt, jung, Männlein, Weiblein: Die philippinische Miss-Wahl-Ekstase erreicht Niveaus, als kicke Deutschland um die Fußball-WM. Als die philippinische Kandidatin bei der jüngsten "Miss Universe"-Wahl die Top 6 erreicht, wäre dem Internet fast das Trommelfell geplatzt.

Bloß nicht den Boden unter den Füßen verlieren

Mona rüttelt an jenem Frauenbild, wonach Schönheitsköniginnen nichts im Kopf und nur ein Auge für Äußeres haben. An der Uni geht es für die Bauingenieurin in spe um Bodenbeschaffenheit. Das hat auch viel mit ihrem eigenen Leben zu tun: bloß nicht den Boden unter den Füßen verlieren. "Das ist was völlig anderes als Miss-Wahlen", sagt Mona. "Es ist dreckig, staubig, und man trifft alle möglichen Leute aus der Industrie und Arbeiter. Auf der Baustelle, da riecht es auch ganz anders. Aber das ist okay, ich mache das gern." Bei der Gleichstellung – auch im Beruf - sind die Philippinen Spitzenreiter in Asien, weltweit auf Rang sieben. Mona möchte mal nach Katar, da gibt es viele Baustellen. Zutrauen tun sie es ihr: "Ich sehe ja, was sie mitgemacht hat mit ihrer Familie", sagt Monas Freundin und Kommilitonin Angeline Bacuel. "Und ich denke mir: Dieses Mädchen muss echt etwas durchstehen, aber sie gibt nie auf. Und deshalb werde ich das auch nicht. Sie ist mein Vorbild, sie ist eine Kämpferin."

Nach der Uni kommt das Miss-Geschäft

Miss-Wahl
Auf den Philippinen boomt das Geschäft mit der Schönheit. | Bild: NDR

Monas Make-up war schon früh drauf, denn nach der Uni ist gleich wieder Miss-Geschäft: Styling, Posing, Fotos – mit den Girls aus Myanmar. Und weil man nicht einfach so eine gute Figur macht, gibt es nachher noch Druck vom Kraftmeier: für Bauch, Beine, Po. "Drei Monate vor dem Wettbewerb esse ich keinen weißen Reis mehr, sondern Vollkornbrot", erzählt Mona. "Ich muss dann auf Diät, sonst wird's schwer, schlank zu bleiben." Was gut ist und was nicht, ziert auch die Wand über Monas Etagenbett. Hier im Studentenwohnheim logiert sie mit ihrer guten Freundin Inna. Die drückt Mona die Daumen für den ersten Auslandseinsatz: als Vertreterin der Philippinen bei der Wahl zur "Miss Eco International". In Scharm El-Scheich in Ägypten will sie die Schönste sein: "Ich repräsentiere mein Land", sagt Mona. "Im Lebenslauf zahlt sich das sicher mal aus. Und: Davon kann ich auch meinen Kindern noch erzählen."

Mona die "Miss Eco" – wäre doch die Krönung. Da platzt dem Wohnheim bestimmt das Trommelfell.

Autor: Uwe Schwering, ARD-Studio Tokio

Stand: 14.07.2019 07:09 Uhr

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