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Rumänien: Die Kaviarpolizei im Donaudelta

PlayPolizist kontrolliert Fischerboot
Rumänien: Die Kaviarpolizei im Donaudelta (XL Version) | Bild: SWR

Auf der Jagd nach Stör-Wilderern

Gabriel Medeuru und sein Kollege suchen hier nach Fischwilderern, die illegale Jagd auf Störe machen. Gut versteckt, in einer Fluss-Sackgasse, ein verdächtiger Steg. An solchen Orten würden Wilderer ihren illegalen Fang oft transportfähig machen. Die Netze und Haken, die sie hier finden, sind in Ordnung. "Das hier ist wohl nur die Anlage eines normalen Fischers. Nach dem Fischen kommen sie hierher, spannen ihre Netze auf. Aber es ist niemand hier.”

In Gläsern abgefüllter Kaviar
Auf dem Schwarzmarkt werden hohe Preise für Kaviar gezahlt  | Bild: SWR

Wie groß das Problem ist, zeigt diese Razzia der Polizei vor wenigen Monaten 22 Kilo Kaviar, Fischeier, stellen sie sicher. Wert auf dem Schwarzmarkt: zweieinhalb Tausend Euro. Pro Kilo Für diese Mengen fangen Wilderer gezielt die großen Muttertiere und töten sie. Hier im Donaudelta im Osten Rumäniens. Mit über 5.000 Quadratkilometern doppelt so groß wie das Saarland. In mehreren Nebenarmen mündet die Donau hier ins Schwarze Meer. Neben seltenen Pflanzen und Vögel gibt es hier die größten Störarten der Welt, seit Jahren gilt für sie ein Fangverbot. Hier allerdings finden sie keine Hinweise auf Wilderer. Die Polizisten wollen noch einmal raus, aufs Wasser.

Legale Stör-Zucht

Gut 80 Kilometer westlich auf dem Festland. Cristina Munteanu vom WWF Rumänien auf dem Weg zu einer offiziellen Stör-Farm. Die Umweltexpertin kämpft seit Jahren gegen illegale Störfischerei. Hier auf der Stör-Farm will sie wissen, wie es denen geht, die auf ganz legale Weise mit dem Stör ihr Geld verdienen. "Ich werde Euch jetzt mal einen Fisch fangen, damit Ihr ihn gut sehen könnt", sagt die Besitzerin der Stör-Farm Marilena Maerenanu.

Frau auf Stör-Zuchtfarm hält Stör in der Hand
Beim legalen Stör-Handel ist nicht viel zu verdienen | Bild: SWR

Hunderte solcher Störweibchen züchtet Marilena Maerenanu hier. Begehrt sind die Eier der Fische: Kaviar. Um sie zu produzieren, werden die Störweibchen hier künstlich befruchtet. Diese Tiere hier sind noch zu jung dafür. "Schon an den großen Becken und dem frischen Wasser könnt ihr sehen, dass hier alles korrekt ist", so Cristina Munteanu, vom WWF Rumänien: "Es gibt es ständig frisches Wasser, wie in einem Fluss. Alle Regeln werden hier eingehalten, von der Haltung bis zu einer ordentlichen Etikettierung des Kaviars."

Und: hier auf Stör-Farm überleben die Tiere, alles läuft nach strengen Tierschutzregeln. Diese Störweibchen stehen kurz vor der Ernte, erklärt Marilena. Mindestens neun Jahre alt müssen sie dafür Tiere sein. Pro Kilo Kaviar verdient sie 230 Euro − wirtschaftlich sei das kaum. Das Geschäft der Wilderer ärgert sie. "Ein Wilderer raubt einfach das ganze Tier. Er zahlt nichts, er braucht nur seine Fangwerkzeuge und entnimmt die Störeier, den Kaviar. Ich habe hier große Aufzuchtskosten, die vielen Jahre, in denen ich die Fische füttere, ich bezahle Strom und Personal. Der Wilderer kümmert sich um all das nicht.”

Illegale Fangnetze werden zu Falle

Zurück zur Polizei ins Donaudelta. Kontrolle eines Fischerbootes. "Guten Tag! Wir sind von der Delta Polizei, rudern sie bitte näher!” Wer hier fischen will braucht dafür mehrere Lizenzen. "Gehen ihnen manchmal versehentlich Störe ins Netz?” − "Wo denn?” − "Na hier, wo sie fischen?” − "Nein, nein. Hier die Genehmigungen und die Lizenzen". Bei diesen Fischern ist alles in Ordnung. Wilderei sei noch immer ein Problem, sagt Gabriel. Die Täter zu erwischen, schwierig. Gabriel Medeuru, Spezialeinheit Donaudelta "Wenn wir auf ein Boot stoßen, dass einen verbotenen Fang, etwa Stör, an Bord hat, dann versuchen die Wilderer oft zu entkommen, wollen verhindern, dass wir den Fang finden. Sie werfen den illegalen Fang dann schnell über Bord und vernichten so den Beweis.”

Mehrere Störe im Wasser
Das Objekt der Begierde: der Stör  | Bild: SWR

Handyvideos von ihren letzten Einsätzen. Draußen auf dem Schwarzen Meer stoßen die Polizisten oft auf illegale Fangnetze, so engmaschig, dass sich auch kleine Störe darin verfangen. Oft sterben die Tiere qualvoll, sagt Gabriel. Wie schwer es ist sie zu befreien, zeigt diese Rettungsaktion. Ein Beluga-Stör, die größte Störart. Drei Meter lang und etwa 800 Kilogramm schwer ist dieser hier. Über eine Stunde kämpfen die Polizisten um sein Leben. "Er ist frei!”

Trifft das Fang-Verbot die Falschen?

Nur ein paar Kilometer vom Meer entfernt: Sfantu Georghe. Ein Fischerort, nur mit dem Boot zu erreichen. Jahrelang haben alle hier vom Geschäft mit dem Kaviar profitiert. Seitdem es verboten ist, fahren viele Fischer Touristen durchs Delta. Entschädigungen oder Hilfsprogramme gab es nie, sagen sie. Übers Wildern reden will keiner. Das legale Fischen werde er nie aufgeben sagt Mirel Efimov. Es gehöre zu seinem Leben, wie die Rockmusik, die auf seinem Touristenboot läuft. Sein Vater und Großvater waren Störfischer, Vom strengen Verbot hält er nichts, es treffe die falschen. "Es werden ja auch nur die gefasst, die das Gesetz nicht so schlimm verletzt haben. Zum Beispiel einen Opa der zwei Netze ins Wasser geworfen hat, wo es verboten ist. Der bekommt ein Strafverfahren und riskiert eine Gefängnisstrafe, während andere, die Tonnen von Fisch wildern, wo immer sie wollen, nie erwischt werden.”

Polizist kontrolliert Fischer
Bei diesem Fischer ist alles in Ordnung  | Bild: SWR

Noch einmal aufs Boot der Deltapolizei. Gleich endet die Schicht. Doch bislang nichts Verdächtiges. Die professionellen Wilderer seien ihnen oft überlegen, gibt Gabriel zu. Sie warnen sich per Funk, ihre Boote seien meist schneller als die der Polizei. "Klar bin ich heute enttäuscht, ein Tag an dem wir unser Ziel nicht erreicht haben ist ein verlorener Tag. Aber wir kommen wieder! Und mit Sicherheit haben die Wilderer in uns jemanden gefunden, vor dem sie sich hüten müssen.” Die Landschaft des Deltas gebe ihm jedes Mal neue Kraft sagt Gabriel. Und ein altes Polizeisprichwort, das lautet: Zehnmal mögen die Wilderer entkommen, aber einmal werden wir sie erwischen.

Autor: Christian Limpert, ARD-Studio Wien




Stand: 12.12.2021 22:00 Uhr

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