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Schweiz: Diskussion um Spielergehälter im Fußball

PlayKevin Bua (M) von FC Basel kämpft mit Pajtim Kasami (l) und Quentin Maceiras (r) von FC Sion um den Ball
Schweiz: Diskussion um Spielergehälter im Fußball | Video verfügbar bis 14.06.2021 | Bild: dpa / picture-alliance / Valentin Flauraud / KEYSTONE

Es ist ein drastischer Schritt, den Christian Constantin gegangen ist. Als das Coronavirus im März Europas Fußball-Ligen zum Stillstand bringt, feuert der Präsident des Schweizer Erstligisten FC Sion kurzerhand neun seiner Top-Spieler. Denn die Corona-Spielpause reißt ein tiefes Loch in die Kassen der Clubs. Wie passt das zusammen? Millionengehälter der Spieler, irrwitzige Ablösesummen einerseits – Corona-Spielpause und finanzielle Krise andererseits.

Der Ruf nach einer Gehaltsobergrenze im Spitzenfußball wird lauter – auch jetzt, wo der Ball wieder rollt. "Wenn es möglich ist, Managergehälter zu deckeln, dann muss es auch möglich sein, Gehälter von Beratern und Spielern zu deckeln", sagte selbst der Chef der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert. Doch welche Chancen hätte ein solches Modell?

Vereine in Geldnot wegen Corona

Im beschaulichen Wallis hat sich erstaunliches zugetragen: Der Fußball-Zirkus hat eine aufs Schienbein bekommen. Der Rüpel sitzt am Spielfeldrand: Christian Constantin, Präsident des FC Sion, erste Schweizer Liga. Zu Beginn der Corona-Krise feuerte er neun Spieler, weil die sich weigerten in Kurzarbeit zu gehen. "Man konnte nicht spielen dafür konnte niemand was, Aber der Vertragszweck konnte nicht erfüllt werden, darum hab' ich mich entschlossen, mich von ihnen zu trennen."

Leere Stadionsitze
Corona bedeutet leere Stadien und weniger Einnahmen | Bild: SWR

Der Schritt war nötig für den Klub, sagt Constantin. Die Spieler schlicht zu teuer, im Angesicht fehlender Einnahmen durch die Krise. Das ist nicht nur in den Schweizer Bergen so. Die Spielpause durch Corona hat den Fußball ins Wanken gebracht. Obwohl die Clubs in Europa pro Jahr 21 Milliarden Euro verdienen, plötzlich Geldnot statt. Die Schuldigen sind schnell gefunden: riesige Hütten, dicke Karren, goldene Steaks. ist doch klar: Die Spieler verdienen zu viel! Das neue Modewort: Salary Cap – Gehaltsobergrenze. „Der Fußball generiert sehr viel Geld. Mit diesem Geld muss man jetzt nicht einzelne Spieler so hoch bezahlen, dass sie nicht mehr wissen, wie viele Autos sie sich noch kaufen sollen“, so Ewald Lienen, Technischer Direktor des FC St. Pauli.

Vorbild US-Salary Cap?

Bei den Klubs in Europa fressen Personalkosten etwa 2/3 der Gesamt-Einkommen. 2018 stiegen diese Personalkosten um fast 10 Prozent. Der Löwenanteil geht an die Spieler, über 3/4 der Personalkosten fließen in die Taschen der Kicker. Manche brauchen große Taschen: Cristiano Ronaldo soll bei Juventus Turin pro Jahr 30,5 Millionen Euro verdienen. Der Brasilianer Neymar bei Paris Saint Germain in Frankreich gar 37 Millionen Euro. Die Rechnung für Neymar zahlt ein Staat. Katar hat sich Paris Saint Germain gekauft und schmückt sich mit den teuersten Stars. Kosten egal. Das viele Geld, dass nicht nur in Frankreich in den Fußball fließt hat Gehälter und Transfersummen explodieren lassen, nicht nur für die Top-Stars. Das macht das Überleben in Zeiten der Krise schwer. "Es braucht Regulierung und zwar auf internationaler Ebene, von FIFA und UEFA", fordert Bernard Caiazzo, Präsident Französische Liga. "Wir verschwenden sonst zu viel Geld. Wir bezahlen einfach zu viel vor allem auch für mittelmäßige Spieler."

Basketballer in Halle
Salary Cap: In den USA sind Gehaltsobergrenzen weit verbreitet | Bild: SWR

In den USA gibt’s die Salary Cap. Nur etwa die Hälfte der Club-Einnahmen dürfen für Spielergehälter ausgegeben werden. Im Fußball und in den profitabelsten Ligen der Welt. Football oder Basketball. Das sorgt für stabile Finanzen aber auch für einen ausgeglichenen Wettbewerb. Die Meister wechseln häufig. Allerdings sind die Ligen geschlossen, es gibt keinen Auf- oder Abstieg. Die Möglichkeiten in den verschiedenen Ländern sind unterschiedlich", sagt Christian Constantin, Präsident des FC Sion. "In Englands Fußball gibts viel Fernsehgeld, in Belgien fast nichts, wie soll man sich da auf vergleichbare Gehälter einigen?

Gehaltsobergrenze und Transferobergrenze

Der europäische Fußballverband UEFA will sich trotzdem an das Thema heranwagen. Und auch beim Deutschen Fußball Bund befürwortet Präsident Fritz Keller die Idee, aber so einfach ist das nicht, sagen Experten, die von außen auf den Fußball schauen. In den USA blieben Arenen öfter leer wegen des Feilschens ums Geld. In zahlreiche Streiks und Lockouts wurde um Details der Salary Cap gestritten. Aber grundsätzlich funktioniert sie, weil sie im nationalen Arbeitsrecht verankert ist. Im Fußball bräuchte man ein Entgegenkommen der Profis. Für Philippe Piat, dessen Spielergewerkschaft FIFPRO etwa 50.000 Spieler weltweit vertritt, schwer denkbar. "Man kann nicht über die Salary Cap sprechen ohne über einen Transfer Cap zu sprechen. Das hängt zusammen. Weil die, die die Gehälter der Spieler begrenzen wollen, wollen diese Spieler zu hohen Preisen verkaufen, wie es Ihnen gefällt."

Testspiel des FC Sion
Beim FC Sion wurden neun Spieler aus Kostengründen entlassen  | Bild: SWR

Auch Christian Constantin braucht diese Transfereinnahmen um seinen Club zu finanzieren, um mithalten zu können. So läuft das Fußball-Business, das wohl auch die Corona-Krise kaum verändern wird. "Der Fußball war schon immer anfällig. Wenn einer kommt, der viel Geld investiert, gibt er das an die Spieler weiter, dann steigen die Gehälter. Das ist schon immer so gewesen." Nächste Woche geht in der Schweiz die Saison weiter. Auf die Kurzarbeit folgt für Sion der Abstiegskampf.

Autor: Philipp Sohmer, ARD Stuttgart

Stand: 15.06.2020 18:15 Uhr

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