Bangladesch: Gefangen in der Ehe – Der Hilferuf von Ex-Surferin Nasima

Nasima und ihr Kind
Ex-Surferin Nasima und ihr Kind | Bild: Das Erste

Bei den Dreharbeiten zum "Weltspiegel"-Beitrag über Surferinnen in Bangladesch ist unserem Korrespondenten Gábor Halász etwas ganz Unerwartetes passiert. Darüber haben wir mit ihm in einem Interview gesprochen.

Sie berichten oft über die Diskriminierung von Frauen und über die Gewalt gegen Frauen. In Ihrem Beitrag über die Surferinnen in Bangladesch sind Sie einer jungen Frau begegnet, die offenbar auch von ihrem Mann geschlagen wird. Im Interview spricht sie plötzlich Englisch, damit ihr Mann sie nicht mehr versteht. Was hat Sie Ihnen genau erzählt?

Wir waren fast fertig mit dem Interview. Aber Nasima wollte noch etwas loswerden. Ganz klar, es hat in ihr gearbeitet. Sie hat uns erzählt, dass ihr Mann sie manchmal schlägt. Dass sie darüber nachdenkt, wegzulaufen. Die Situation war ganz eigenartig. Auf der einen Seite ist Nasima total stark. Sie weiß, dass sie ihrem Mann intellektuell überlegen ist. Aber trotzdem sperrt er sie ein und schlägt sie. Nasima erzählt uns diese unglaubliche Geschichte, lacht aber freundlich. Ein Lachen, das irgendwie steckenbleibt und das sie sehr hilflos erscheinen lässt. 

Es war offenbar eine Art Hilferuf. Wie haben Sie reagiert?

Das ist nicht einfach. Auf einmal bringt dir ein Mensch Vertrauen entgegen, den du gerade wenige Minuten kennst. Wir haben ihr gesagt, dass sie sich jederzeit melden kann. Wir haben ihr unsere Kontaktdaten gegeben. Nasima hat uns gefragt, ob wir sie zu uns nach Indien holen können. Das ist schwer und insgesamt auch traurig. Denn Nasima kann sich nur über Umwege melden. Sie hat kein Telefon, das wurde ihr weggenommen. Das heißt also auch, dass wir im Moment nur ihren Mann oder Freunde von ihr erreichen können. Was wir versuchen: Wir wollen Menschen finden, die ihr vor Ort helfen können. Aber es ist auch ganz klar, es wird unglaublich schwer sein für Nasima auf diesem Gefängnis auszubrechen.

Über Nasima wurde sogar ein Dokumentarfilm gedreht wurde. Er erzählt die Erfolgsgeschichte. Davon, wie sie surft. Viele haben mitbekommen, dass dieser Film gedreht wurde und möglicherweise hat das die Familie des Ehemanns bewogen, sehr hart zu reagieren. Das ist tragisch und die Situation ist auch deswegen verhärtet und nicht einfach zu lösen. 

Sie haben ja auch den Ehemann interviewt, der Nasima offensichtlich das Leben zur Hölle macht. Wie gehen Sie bei den Dreharbeiten damit um?

Ich glaube, er versteht gar nicht, dass er etwas Unrechtes tut. Am liebsten hätte er gar nicht darüber geredet. Was mich beschäftigt, wie die beiden von Liebe sprechen können. Beide haben ja betont, dass es keine arrangierte Ehe war. Ich habe dann auch gefragt, wie er der Frau, die er liebt, das Surfen verbieten kann. Schließlich bedeutete ihr das so viel. Aber der Sinn der Frage kam gar nicht an. Das ist wirklich schwer. Genauso schwer wäre es, ihn zurechtzuweisen. Ihn zu kritisieren. Vor allem, weil es Nasima vielleicht auch gefährdet. Er hatte es seiner Frau ja am Anfang noch erlaubt, surfen zu gehen. Aber nun reagiert er extrem hart. Es spielt sicher auch eine Rolle, dass ihn seine Familie unter Druck setzt.

Nasima und ihr Kind
Ex-Surferin Nasima – mit Ehemann und Kind | Bild: Das Erste

Wie schaffen Sie es, in solchen Momenten eine professionelle Haltung zu bewahren?

In solchen Momenten passiert vieles gleichzeitig. Es war klar, dass wir wenig Zeit haben. Ich merkte, dass Nasimas Mann so schnell es geht wieder weg wollte. Und ich merkte natürlich, was für eine unglaubliche Geschichte sie da gerade erzählt haben. Die ist tragisch und unglaublich traurig. Und doch kratzt du in so einem Moment nur an der Oberfläche. Einfach, weil du keine Zeit hast.

Hinterher arbeitet es dann im Kopf weiter. Dann habe ich auch begriffen, wie verfahren und hoffnungslos die Situation ist. Trotzdem versuchen wir, weiter den Kontakt zu halten.

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