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Peru: Die Modedroge Ayahuasca

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Peru: Die Modedroge Ayahuasca | Bild: SWR

Die „Liane der Geister“ wird die Pflanze von den Indios im Amazonasgebiet genannt: Ayahuasca. Die Pflanze wird zu einem Getränk verarbeitet und von Schamanen in rituellen Zeremonien verwendet. Ayahuasca ist eine stark halluzinogene Droge, die in vielen Ländern verboten ist, im peruanischen Amazonasgebiet  jedoch vor allem als Heilmittel verwendet werden darf. Viele der zehntausenden Touristen, die jährlich nach Iquitos in den peruanischen Dschungel reisen, suchen nicht Heilung, sie wollen nur eines: Den „ultimativen Trip“. Auf eigenen Ayahuasca-Farmen treffen sich in diesem abgelegenen Teil Perus Abenteurer und Aussteiger zu einer Art Drogen-Wellness.

 Eine Reportage von Matthias Ebert, SWR Stuttgart

Ausatmen wie ein Windstoß, Rauch, der die Gedanken einnebelt. Dazu eine Schnell-Diagnose im Tabakrausch: Ernesto weiß, was Touristenohren hören wollen. "In deiner Herzgegend sitzt eine Blockade. Du hast positive Energie, aber du musst dich erst einmal einer Reinigung unterziehen.“

Iquitos, eine Stadt im peruanischen Urwald. Die Fremden, die hierherkommen und manchmal auch bleiben, wie der US-Amerikaner David Hewson, suchen etwas ganz Bestimmtes. Wege zum kleinen und großen Glück. Oder Mittelchen, die dabei helfen.

"Das hier ist die "Hexengasse“. Du bekommst alles, was der Dschungel zu bieten hat. Aphrodisiaka, Heilpflanzen und Unmengen "Pusanga“ – ein Liebestrank, damit kannst du dein Mädchen verführen.“

Und neben allen potenzsteigernden und erotisierenden Pülverchen immer wieder das sagenumwobene Rauschmittel Ayahuasca aus den Tiefen des Regenwaldes.

Von Iquitos fahren wir mit Indianern des Cocama-Volkes in den Amazonas-Urwald.

Ema Tapuhima ist eine Anführerin der Cocama. Sie will uns erklären, was es mit Ayahuasca auf sich hat. Mit dem Stoff würde seit Hunderten von Jahren vor allem geheilt. "Ausländer bauen große Ayahuasca-Hotels. Aber sie kümmern sich nicht wirklich um die Gesundheit ihrer Gäste. Diese Gringos wollen doch einfach nur Geld machen.“

Ema erntet mit ihrer Machete Chacruna, ein Blatt mit dem man Halluzinationen erzeugen kann. Die Ayahuasca-Liane selbst stünde ganz in der Nähe. Doch die sei nicht für unsere Augen bestimmt. "Die Liane wächst an versteckten Orten. Wenn ich sie Fremden zeige, verliert sie ihre magische Wirkung. Dabei soll sie doch heilen“

David Hewson ist Besitzer einer Ferienfarm bei Iquitos. Dort wird Ayahuasca vor aller Augen klein gehackt. Die Lianen stammen von einer kommerziellen Plantage. Aus dem Holz und weiteren Zugaben wird ein Gebräu hergestellt mit enormer Rausch-Wirkung.

„Gibst du etwa besondere Blätter zur Ayahuasca, kannst du deine Halluzinationen verlängern. Du spürst den Trip nicht nur vier Stunden lang, sondern es kickt dich – wenn du damit umgehen kannst – sechs bis acht Stunden.“

David beginnt seine Prozedur. Mit ungefiltertem Flusswasser muss der Pflanzensud köcheln – mindestens 30 Stunden lang. Zehn Touristen wohnen in Davids Ferien-Resort. Es ist häufig ausgebucht. Eine Art Drogen-Wellness –All-Inklusiv-Angebot. Inklusive ist hier immer das Ayahuasca-Gebräu. Vier Mal muss David es abgießen, bis am Ende ein brauner, honigähnlicher Sud übrig bleibt.

"Wissenschaftler sagen, dass bei einem Ayahuasca Rausch Glückshormone besser im Gehirn aufgenommen und schneller durch das Blut transportiert werden. Der Effekt: du bist einfach – glücklicher“, sagt David.

Das Glück aus der Drogenküche – befremdlich für die Einheimischen. Befremdlich auch, dass das Geld, das mit der Droge gemacht wird, in fremde Hände wandert. Ema besucht den Dorfschamanen. Das Dorf arm, die meisten hier ohne eigenes Einkommen. Der Schamane Aquilino Acho Mapuche lebt etwas abseits der Gemeinschaft. Bewusst sucht er die Abgeschiedenheit. Er braut Ayahuasca für seine rituellen Heilungen. "Nur wenn du die Wirkung aller Pflanzen kennst, bist du ein wirklicher Heiler. Die Ausländer aber kennen nur einen Bruchteil, das sind keine echten Schamanen.“

Er sagt uns, dass er die Droge nutzt, um in Trance zu fallen, um Kontakt mit einer anderen, einer spirituellen Welt herzustellen. Um dadurch Kraft zum Heilen zu bekommen. So wie heute. Aquilino behandelt einen Mann, der eine schwere Fußverletzung hat. Aquilino ruft Geister an, die helfen können. "Bald wird er wieder gesund sein. Er wird seinen Fuß wieder belasten können.“

Als das Licht ausgedreht wird, werden wir gebeten, zu gehen. Derweil sind in Davids Farm die Vorbereitungen für seine Zeremonie abgeschlossen. David wird zum dritten Mal in dieser Woche mit seinen Gästen auf Trip gehen. Hochsaison. "Mit jedem Mal lerne ich mehr über meine Psyche. Über meine Bewusstseinsebenen, über das, was in meinem Innersten verborgen liegt und für das ich mir sonst kaum Zeit nehme.“

Alle wollen den braunen Saft trinken, der eigentlich ekelhaft schmeckt. Und nicht wenige zum Erbrechen reizt. Sie haben sich die Reise hierher etwas kosten lassen. Geld, das lockt jetzt auch den Schamanen. Er will von nun an mit den Gringos kooperieren. Mit Ayahuasca – so hat der Schamane Aquilino Acho Mapuche ausgerechnet- kann er an einem Tag so viel verdienen wie sonst nicht einmal in einem Monat. "Ich will mit denen meinen Saft teilen. Ich werde ihnen beibringen, wie sie wirklich high werden.“ Aquilino auf dem Weg in sein El Dorado: in das Dollarparadies der Gringos.

Stand: 15.04.2014 11:03 Uhr

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