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New York: Fantasiestadt Hudson Yards

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New York: Fantasiestadt Hudson Yards | Bild: BR

Der Weg nach oben aus der neuesten New Yorker Subway-Station Hudson Yards führt direkt zu ihm, Ahmed aus Ägypten, Einwanderer, wie so viele New Yorker. Sein Hot-Dog Wagen steht am derzeit begehrtesten Standort der Stadt.
Fünf Jahre lang hat Ahmed überwiegend die Bauarbeiter versorgt, aber seit einigen Tagen ist alles anders. Jetzt steht er am Eingang zu New Yorks neuestem Stadtteil.

Bescheidenheit trifft auf Prahlerei, Armut auf Superreichtum. Die Luxus-Mall, das Einkaufszentrum von Hudson Yards, ist neuestes Touristenziel. Und genau so hatten sich die Entwickler das gedacht, als sie den Stadtteil vom Reißbrett entwarfen.

Stadtteil auf Säulen

Der gesamte Stadtteil steht auf einer gigantischen Plattform über den alten Bahnschienen, auf Säulen tief verankert im New Yorker Granitfelsen. Das größte private Bauprojekt der USA entstand in nur zehn Jahren. Eigene Server versorgen Bewohner und Firmen. Eine eigene Stromversorgung steht für den Notfall bereit.

Alle wollen jetzt dabei sein: als erster Mieter zog die deutsche Softwarefirma SAP in Hudson Yards ein. Hier können sie ihre Vision umsetzen. Mitten in New York wollen alle ganz oben mitspielen. Für Alex Atzberger ist das Arbeitsumfeld der Zukunft nicht ohne Kreativwerkstatt vorstellbar. Hier, auf den fünf Stockwerken von SAP ist das möglich; die jungen Talente sollen im Team denken: "Heutzutage ist der Wettbewerb hier. Unsere Kunden sind hier. Auch die Talente sind natürlich in New York. Von daher gibt uns das die Möglichkeit, tolle Mitarbeiter zu finden, unseren Kunden eine bessere Erfahrung zu geben und natürlich auch zu sagen: SAP ist im Wettbewerb dabei."

Aussicht auf den Big Apple

Anfang nächsten Jahres soll hier auch New Yorks höchste Aussichtsplattform eröffnet werden, im 100. Stock. Chefingenieur Jeoff Butler zeigt uns vorab schon mal die Aussicht. Später kann jeder den 360 Grad Blick über die Stadt genießen. Für Schwindelfreie gibt es auch noch den Blick durch den Glasfußboden. Und es geht sogar noch höher, zur höchsten Bar der Stadt.

New Yorks neue Skyline von New Jersey aus gesehen, mag beeindruckend aussehen, aber Architekturkritiker sehen im neuen Luxusviertel statt kreativer Zukunftsideen nur seelenlose Glaspaläste, mit sechs Milliarden Steuervergünstigungen von der Stadt auch noch gefördert.

Auch die Vessel, das Herzstück von Hudson Yards, findet wenig Zuspruch bei den Kritikern. Umso mehr beflügeln die begehbaren Treppen in Nichts die Selfie-Gemeinde.

Kunstzentrum "The Shed"

Das große Halleluja wird auch im neuen Kunstzentrum "The Shed" von Hudson Yard gesungen, diesmal von Künstlern vor Bildern von Gerhard Richter zur Eröffnung. 500 Millionen Dollar wurden von privaten Spendern dafür gesammelt und das Zentrum soll gemeinnützig betrieben werden.

Der spektakuläre Bau kann auf riesigen Rollen verschoben werden, und sich in eine Freilichtbühne verwandeln. Die Halle selbst wird als Kunstprojekt betrachtet, entworfen von einer Stararchitektin.

Der zehn Stockwerke hohe Innenraum macht künstlerisch fast alles möglich. Der Aufsichtsratschef, Dan Doctoroff, ist mindestens genauso stolz auf den Kulturschuppen wie die Architektin. Doctoroff hatte einst als stellvertretender Bürgermeister zusammen mit Michael Bloomberg das futuristische Projekt auf den Weg gebracht.

Wesentlich bodenständiger sind Ahmeds Träume. Er will nicht das große Geld verdienen, sondern einfach weitermachen. Seit einigen Tagen hört er Gerüchte, dass man ihn vertreiben will. Er befürchtet mit seinem bunten New Yorker Grillstand nicht mehr in diese schöne neue coole Welt zu passen: "Ich will meinen Traum leben. Darum bin ich nach Amerika gekommen. Und darum ist mein Partner gekommen. Alle kommen für den amerikanischen Traum. Und das hier ist mein Traum. Hoffentlich lassen sie mich weiter machen."

Hudson Yards hingegen ist der Traum superreicher Entwickler und Unternehmer. Sie sehen ihr Projekt als eine Insel der Moderne in der alternden Infrastruktur New Yorks, als die Zukunft der Stadt.

Autorin: Christiane Meier, ARD New York

Stand: 07.04.2019 23:19 Uhr

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