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USA: Unternehmer für Trump

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USA: Unternehmer für Trump | Bild: dpa / picture-alliance

Noch drei Monate bis zur Wahl in den USA: Die Demokratie steckt in der Krise. Der erbitterte Streit der Republikaner und der Demokraten, der polarisierende Regierungsstil Donald Trumps hat das Land tief gespalten. Im Bundesstaat Arizona, im Süden der USA, könnte sich entscheiden, ob Donald Trump im November wiedergewählt wird oder nicht. Steve und Dodi hoffen darauf. Die Unternehmer gehören zum Mittelstand – längst nicht alles, was ihr Präsident twittert finden sie gut. Aber sie setzen auf seine Wirtschaftspolitik – selbst in schwierigen Zeiten: Die Wirtschaft auf historischer Talfahrt, auch Steve und Dodis Werbemittel-Geschäft drohte das Aus. Und trotzdem setzen sie alle Hoffnungen in Trumps Wiederwahl – um ihre Existenz und ihren "American Dream" zu retten, sagen sie.

Unternehmer sind für Trump

Donald Trump ist in der Stadt. Dodie und Steve Bell sind gespannt, wie viele Leute diesmal kommen. Beim letzten Mal waren sie ganz beseelt von der positiven Stimmung. Welcome back Mr. President. Donald Trump kämpft um Arizona. Sie hören lieber draußen zu, wegen Corona. "Mir gefällt, dass er ist kein Politiker ist", meint Steve. "Ein Querdenker, der Republikaner und Demokraten irritieren kann, weil sie nie wissen, was er als nächstes tut. Er ist pro Wirtschaft, versteht etwas davon. Wir als Unternehmer wollen jemanden, der unsere Probleme sieht.”

Steve und Dodie Bell
Steve und Dodie Bell unterstützen Donald Trump  | Bild: SWR

Bei Trumps derber Rhetorik schalten sie auf Durchzug. Was für viele Kleinunternehmer zählt: Dass er sich für sie stark macht. "Es ist verrückt, wie Covid alles verändert hat, in Amerika und überall auf der Welt", meint Dodie. "Aber ich bin überzeugt: Wenn er nochmal für vier Jahre gewählt wird, dann würde er das umsetzen, was er am Anfang versprochen hat.” Dodie und Steve wissen: Im November kann’s eng werden in Arizona. Immer mehr liberale Leute ziehen in die Wüste. Phoenix wächst wie keine andere Stadt in Amerika. Der früher stramm republikanische Staat könnte kippen.

"Verdammtes Covid"

Endlich: Der Laden brummt wieder. Es waren harte Wochen, in denen die Wirtschaft komplett eingebrochen ist. "Das ging alles so schnell" sagt Dodie. "Ich wusste, dass die Wirtschaft wieder anläuft, aber ich dachte, es geht schneller.” Sie sind froh, dass Trump Druck macht, die Wirtschaft anzukurbeln. Aber wie er mit Rassismus umgeht, ärgert Steve. Einer seiner Poker-Freunde ist schwarz, von ihm weiß er, wie sehr Rassismus den Alltag bestimmt. "Ein Freund von mir hat mir am Wochenende was darüber geschickt, dass Trump weiße Rassisten unterstützt", erzählt Steve. "Dass er auf Twitter geschrieben hat, das sei was Gutes. Ich habe gerade das Gefühl, der killt sich selbst. Der sollte lernen, einfach mal den Mund zu halten.” Am Nachmittag die Eilmeldung: Neuer Rekord bei den Corona-Zahlen, Bars und Restaurants müssen wieder dicht machen. "Das ändert alles" sagt Dodie. "Genau wie wir gesagt haben: Jeder Tag ist ein neuer Tag. Wenn Du denkst, es geht wieder los, dann ist es schon vorbei.” Und Steve meint: "Auf ein Neues. Verdammtes Covid.”

Fotomontage von Trump
Viele Unternehmer wünschen ihm weitere vier Jahre  | Bild: SWR

Steve lenkt sich beim Sport ab. Wie’s wohl weitergeht mit der Firma. Ob sie überleben können? Er hat so hart gearbeitet. Nach einer Kindheit in Armut. "Wenn wir nicht genug zu essen hatten, mussten wir essen, was da war. Ich kann mich gut an den Abend erinnern, als es zum dritten Mal hintereinander Pfannkuchen gab. Ich kam in die Küche, roch die Pfannkuchen und musste mich übergeben, weil ich nicht nochmal dasselbe essen konnte. Aber wir hatten nichts anderes.” Sein amerikanischer Traum steht auf dem Spiel. Daheim hat Dodie schon alles vorbereitet. Gottesdienst per Mausklick – die Gemeinde, das gemeinsame Gebet fehlt ihnen. Steve war Pastor, bevor er Unternehmer wurde. Dass Trump es mit den zehn Geboten nicht so ernst nimmt, vergibt er ihm. "Ich kenne meine eigenen Schwächen und Sünden. Das muss er mit Gott ausmachen. Ich setze ihn nicht auf dieselbe Stufe wie Jesus. Er ist mein Präsident, nicht mein Heiland.” Und so lange Trump die Unternehmer nicht vergisst, verzeihen ihm die Bells so manche Sünden. 

Autorinnen: Claudia Buckenmaier, ARD-Studio Washington und Marion Schmickler.

Stand: 09.08.2020 21:00 Uhr

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