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USA – Muslime gegen IS

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USA - Muslime gegen IS | Bild: WDR

Die Sorge vor der Gefahr von IS-Terroristen in aller Welt ist groß. US-Präsident Obama lädt nächste Woche zu einem Sondergipfel. Drei im Kampf in Syrien gestorbene amerikanische IS Kämpfer kommen z.B. aus Minneapolis, hier lebt eine große muslimische Gemeinde. Nun machen sich Muslime präventiv im Netz auf die Suche, Videos der IS zu finden und dies dem FBI zu melden. Man kooperiert eng im Kampf gegen die  IS. Andere Muslime versuchen, Jugendliche in ihrer Community davon abzuhalten, sich zu radikalisieren. Dennoch gibt es immer wieder junge Menschen, die diesen Weg einschlagen. Wir treffen eine Mutter, deren Ziehnsohn genau das getan hat.

Mutter Julie Boada
Mutter Julie Boada

Die Kleinen zum Lachen zu bringen ist nicht nur ihr Beruf. Julie liebt Kinder über alles. Vielleicht auch, weil ihr Sohn Troy vor 5 Jahren erschossen wurde nachdem er sich radikalen Islamisten angeschlossen hatte.

Vor wenigen Wochen starb sein bester Freund Dough in den Reihen der Terrormiliz IS. Ihren Sohn in Propaganda Videos zu sehen, lachend, mit Gewehr über der Schulter, ist für Julie noch immer unerträglich. Er spricht "Spaß", vergleicht das Terrorcamp mit Disneyland.

"Ich glaube man hat ihn manipuliert und missbraucht. Ich weiß nicht genau wie, aber er bekam eine Gehirnwäsche von diesen Typen mit denen er im Ausland zusammen hing. Er hat angefangen, an diese schrecklichen Dinge zu glauben. Das hätte er nie getan, wenn er in den USA geblieben wäre."

Troy und Dough - gestorben in den Reihen radikaler Islamisten
Troy und Dough - gestorben in den Reihen radikaler Islamisten

Troy und sein bester Freund Dough. Die beiden sind unzertrennlich. Gemeinsam schmeißen sie die Schule. Beide konvertieren vom Christentum zum Islam und verbringen Stunden im Internet, erzählt uns die Mutter. Für Julie ist Dough wie ein zweiter Sohn. Auch nach dem Tod von Troy hält sie Kontakt mit ihm. Besorgt erfährt sie, dass er im Frühjahr über die Türkei nach Syrien reist um sich den Kämpfern des IS anzuschließen. Er kommt auf die US Terrorliste. Bei seiner Rückkehr wäre er an der Grenze festgenommen worden.

Schon vorher hat er im Internet mit den Islamisten sympathisiert. Auf einem Twitter Account unter falschem Namen schreibt er, Islam ist alles für mich. Er posted Nachrichten wie "Ich bin bald in Euren Reihen" Und: "Nur ein Krieger kann Krieger verstehen. Betet für den IS"

Minneapolis - in diesem Teil auch "little Mogadischu" genannt. Hier lebt die größte somalische Gemeinde der USA. Hier sind auch Troy und Dough aufgewachsen. In welcher der vielen Moscheen sich die beiden radikalisiert haben, weiß man nicht. Die Älteren hier sind besorgt, dass sich alleine in diesem Jahr 20 Jugendliche des Viertels zum Kampf in den Reihen des IS aufgemacht haben. Sie erzählen von Headhuntern, die gezielt junge Männer ansprechen und für den Kampf anwerben:

"Das läuft nicht nur über Social media und Internet. Wenn man jemanden dafür gewinnen will, in den Krieg zu ziehen, läuft das auch gezielt über persönliche Ansprache. Da gibt es jemanden der den Trip plant und der für den Flug zahlt"

Ben Kalasho weiß gut, wie der IS manipuliert. Er stammt selbst aus dem Irak, ist erfolgreicher Geschäftsmann - in jeder freien Minute aber kämpft er gegen die Propaganda der Islamisten. Viele seiner Freunde sind selbst vom IS verfolgt. Ben kennt fast jeden im Viertel. Die Besitzer des Ladens sind erst vor kurzem aus dem Irak geflüchtet. Man tauscht sich aus, was man gesehen und gehört hat. Die Gewalt fühlt sich hier ganz nah an. Der Ladenbesitzer zeig das Foto seines 2 Jährigen Enkels- zerfetzt von einer Bombe, übersetzt Ben. Gelegt von Extremisten. Das war vor 2 Tagen in Bagdad" sagt er uns.

Jeder muss aufstehen und etwas tun gegen die Terrormiliz, fordert Ben vehement. Weil er arabisch spricht, durchforscht er das Internet auf der Suche nach islamistischen Webseiten. Die Headhunter des IS seien auf dem Vormarsch, erklärt er uns. Sie werben nicht nur mit fanatischen Botschaften, sondern auch mit viel Geld. Dabei variiert der Sold.  Gezahlt werde je nach dem, wie fähig der Neurekrutierte ist. "Wenn du ein kleines Licht bist, wie Dough McCain, der im Restaurant gearbeitet hat, dann lassen die nicht viel springen. Wenn du aber ein Experte für Biochemie bist, oder ein heller Kopf, der Computer hacken kann, dann lockt man dich mit einem dicken Bündel Geld."

Ben auf der Suche nach islamistischen Webseiten
Ben auf der Suche nach islamistischen Webseiten

 Ben zeigt uns eine der vielen Seiten, die zu Anschlägen in den USA aufrufen. Genau wird der Bau von Bomben erklärt. Schritt für Schritt, wie eine Kochanleitung. Gegen solche Seiten geht er vor: "Ich trete eine Welle los und tausende protestieren dann bei dem Provider innerhalb von nur 24 Stunden. Dann schließen dann schnell die Seite. Wenn es um etwas größeres geht, um Leben und Tod, dann arbeiten wir eng mit dem FBI und der Polizei zusammen. Die machen dann ihren Job. Und wir unseren." Genaueres über die Zusammenarbeit darf er uns nicht verraten.

Wie wichtig solche Informationen sind, bestätigt uns das FBI. Überraschend haben wir eine Drehgenehmigung bekommen. Radikalisierung im Internet hinterlässt kaum Spuren, erklärt uns Special Agent Foxworth. Sie erfolgt verborgen. Um so wichtiger sind persönliche Hinweise. "Wenn eine Person merkt, da verändert sich jemand seltsam, dann bitten wir sie: sag uns, wenn du etwas siehst. Wir werden solche Quellen nicht in Gefahr bringen, sondern mit den Informationen sehr vorsichtig umgehen und sie sensibel behandeln. Denn sie sind sehr sehr wichtig für uns."

Den Kampf gegen die Extremisten des IS kann man nicht den Sicherheitskräften alleine überlassen. Davon ist Ben Kalasho überzeugt. Nur wenn Menschen wie er, die die Kultur und Religion gut kennen, sich der Propaganda entgegen stellen, könne der Vormarsch des IS vielleicht gestoppt werden. "Das ist wie ein Virus, das immer weiter um sich greift, in der ganzen Welt. Ihr betrügt Euch selbst, wenn ihr glaubt, die USA blieben verschont. Auch wir werden den Terror zu spüren bekommen."

Minneapolis. Von hier stammen die meisten amerikanischen Jihadisten. Junge Männer wie Troy und Dough, die zu tickenden Zeitbomben wurden. Wie lässt sich verhindern, dass noch mehr Mütter um ihre Söhne trauern müssen? Nicht nur in Minneapolis hat man darauf noch keine Antwort.

Autorin: Tina Hassel/ARD Studio Washington

Stand: 20.11.2014 14:41 Uhr

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