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Schnappschuss: Warum ist ein deutscher Kameramann in Südkorea ein Volksheld?

PlaySüdkoreaner in Gedenkstätte
Schnappschuss: Deutscher Kameramann in Südkorea Volksheld | Bild: ARD

Jürgen Hinzpeter – von Seoul bis Gwangju fällt sein Name schon in der Schule. Warum ist das so? Eine Spurensuche. 19. Mai 1980: Der Kameramann des ARD-Studios Tokio fliegt mit seinem Assistenten nach Südkorea und schlägt sich durch bis Gwangju. Dort, davon hat Jürgen Hinzpeter tags zuvor gehört, soll es Proteste geben gegen das Militärregime. Er wittert ein historisches Ereignis.

Militär richtet ein Blutbad

In Gwangju sieht er, was niemand sehen soll: Das Militär richtet ein Blutbad an. Hunderte Studenten an der Spitze der Proteste werden niedergemetzelt. "Wir waren abgeschnitten. Herr Hinzpeter kam auf eigene Faust und hat berichtet. Ohne ihn wäre das hier nicht bekannt geworden", erklärt Yang-rae Kim, Direktor der Gedenkstätte 18. Mai.

Auch der Deutsche lebt gefährlich, denn außer ihm gibt es zu diesem Zeitpunkt hier niemanden, der filmt: "80 Prozent der Aufnahmen hat er gemacht, nur so können wir heute die Menschen informieren. Viele erkundigen sich nach ihm, deshalb schaffen wir hier einen Ort der Erinnerung", sagt Seo-hae Choi, Führerin auf dem Nationalfriedhof 18. Mai.

Filmmaterial wird aus dem Land geschmuggelt

Männer in einem Bus während des Gwangju-Aufstands in Südkorea.
Männer in einem Bus während des Gwangju-Aufstands in Südkorea.  | Bild: NDR

Am Körper und in Keksdosen gelangt das Filmmaterial aus dem Land. Die Welt ist entsetzt. Das Militär verurteilt den Oppositionspolitiker Kim Dae-jung als angeblichen Rädelsführer zum Tode. Hinzpeters Aufnahmen aber beweisen Kims Unschuld. Auf internationalen Druck begnadigen ihn die Generäle, 18 Jahre später wählt ihn das Volk zum Präsidenten.

Mehrfach kehrt der Kameramann zurück, erhält Auszeichnungen für seine Verdienste. Er ist nicht der Vater der Demokratie in Südkorea, aber er hat ihr auf die Sprünge geholfen. Als ein Mann mit Intuition und Courage. Die Südkoreaner werden sich noch lange erinnern an Jürgen Hinzpeter.  

Autor: Uwe Schwering, ARD-Studio Tokio

Stand: 29.02.2016 14:45 Uhr

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