Britta Hammelstein als Passagierin Martha Stern

Inteview mit Britta Hammelstein

Jeder kennt das grauenhafte Schicksal der Juden in der Nazizeit. Inwieweit beeinflusste dieses Wissen Ihre Rolle der Jüdin Martha?

Besonders herausfordernd war das Format, in dem wir die Geschichte dieser Menschen, deren letzte Chance, den Nazis zu entkommen, die St. Louis war, erzählen. Da wir dokumentarisches Material, Interviews mit Überlebenden neben eine fiktionale Ebene stellen, war die Frage: Wie können wir eine Spielebene finden, die nicht mit den Zeitzeugen konkurriert? Denn das ist natürlich nicht möglich bzw. es macht keinen Sinn. Am Ende habe ich versucht, mich auf die persönlichen Konflikte meiner Figur zu fokussieren, ohne die ganze Zeit, die gesamt-politische Situation mit zu berücksichtigen. Letztlich habe ich mich genauso mit Menschen von heute beschäftigen können, die nicht in ihrer Heimat bleiben können, alles aufgeben müssen, und deren einzige Chance es ist, eine Flucht mit ihren Kindern auf einem Schlauchboot Richtung Europa zu riskieren. Und wir denken ja auch nicht die ganze Zeit: "Oh Gott, ich lebe 2019 und es finden menschenverachtende Dinge statt, Genozide" … Der Mensch lebt weiter, kämpft, hofft. Auch die Figur Martha tut dies.

Wie kommt Martha an Bord und was hat sie dafür alles tun müssen?

Martha und ihr Mann haben alles aufgeben müssen, wie die meisten Menschen, deren letzter Ausweg raus aus Deutschland, weg von den Naziverbrechern, die "St. Louis" war. Die beiden haben ihren privaten Familienbesitz, an dem Erinnerungen mehrerer Familiengenerationen hängen, sowie ihr berufliches Umfeld, eine Arztpraxis, den Nazis überlassen müssen. Mit zehn Mark geht Martha nun, zusammen mit ihrem kleinen Sohn, an Bord. Ihr Mann ist bereits auf Kuba. Zusätzlich zum existenziellen Verlust war da wohl auch die Erleichterung, die Rettung vor noch schlimmeren Naziverbrechen und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.

Was war für Martha das Schlimmste, als klar wurde, dass das Schiff nach Europa zurück muss?

Die Demütigung, dass all ihr Bemühen, den Nazis zu entkommen, umsonst war. Die Angst vor Konzentrationslagern.

Wie erlebt Martha den Kapitän Schröder?

Obwohl er wohl für die meisten Passagiere der St. Louis überwiegend eine Vertrauensperson war, gibt es bei Martha und einigen anderen Passagieren immer wieder Misstrauen. Er ist Mitglied der NSDAP. Sie konnten ihm nicht gänzlich vertrauen. Martha und die anderen appellieren immer wieder an seine Menschlichkeit.

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