Die Hauptakteure

Die Familie

Friedrich und Marie Flick, geb. Schuss
Friedrich und Marie Flick, geb. Schuss. | Bild: SWR

Friedrich Flick (1883-1972), der Gründervater aus dem kargen Siegerland. Der Sohn eines tüchtigen Bauern und Holzhändlers ist getrieben von einem unbändigen und rücksichtlosen Aufstiegswillen. Seine analytische Begabung ist von einem untrüglichen Sinn für geschäftliche Chancen begleitet, von Mut und Risikobereitschaft.

Flick kann konziliant sein, sogar charmant, wenn es dem Geschäft dient, aber hart und unerbittlich, wenn es gilt, die eigenen Interessen zu verfolgen oder einen Konkurrenten auszustechen. Von Politik und Politikern hält er nicht viel. Er versucht, sie für seine Zwecke zu instrumentalisieren, sie von sich abhängig zu machen oder zu umgehen.

Obwohl evangelisch-preußisch aufgewachsen, bedeutet ihm christlich-moralisches Handeln im Geschäftsleben nicht sehr viel: Sein Wertmaßstab ist die ökonomische Effektivität seines Handelns.

Er führt ein arbeitsames, unspektakuläres, gediegen-großbürgerliches Privatleben, raucht billige Zigarren, lässt Sekt statt Champagner servieren, kommt auch mit Hausmannskost zurecht und besucht einmal im Jahr sein Heimatdorf Kreuztal bei Siegen.

Er tritt auch in der "feinen Gesellschaft" sicher auf und macht bei Feierlichkeiten und Festen eine gute Figur. Friedrich Flick ist freigebig und leutselig, zum Beispiel wenn es darauf ankommt, mit Politikern und Geschäftsfreunden ins vertrauliche Gespräch zu kommen.

Seine Stärken sind das unerschütterliche Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und sein zweifelhaftes Talent, um der Effektivität willen skrupellos zu agieren. Flick ist davon überzeugt, mit Geld alle geschäftlichen Probleme lösen zu können. Diese kalte, unerbittliche Effektivität lässt ihn im Privaten scheitern.

Er hat nur wenig Mitgefühl für persönliche Schwächen anderer und wird deshalb für seine Söhne zum unüberwindlichen Übervater. Es kommt zum dramatischen Familienkrieg zwischen Vater und Sohn, zum Bruch der Familie und zur Auflösung des Konzerns.

Otto-Ernst Flick beim Nürnberger Prozess
Otto-Ernst Flick beim Nürnberger Prozess | Bild: SWR

Otto-Ernst Flick (1916-1974), der älteste Sohn und designierte Thronfolger des Friedrich Flick. Auf ihm lastet von Anfang an die Erwartung des Vaters, dass er einmal das Unternehmen führen soll. Otto-Ernst steht deshalb von Beginn an unter starkem Leistungsdruck. Der Vater verbietet ihm zu studieren, schickt ihn stattdessen in die kaufmännische Lehre.

Schon mit 21 Jahren und dem Erreichen der Geschäftsfähigkeit wird Otto-Ernst Prokurist in Flicks Stahlwerk im thüringischen Unterwellenborn. Otto-Ernst will dem Vater imponieren und alles 150-prozentig perfekt machen; er wird zu einem pedantischen Besserwisser, der in langen Tiraden seine Untergebenen belehrt und sie schlecht behandelt.

In einer ganz auf den Gründer eingeschworenen Umgebung macht er sich Feinde und bringt den Vater durch seine Streitlust und Fehler gegen sich auf. Der Vater-Sohn-Konflikt erreicht schon im Mai 1945 einen ersten Höhepunkt mit dem Versagen Otto-Ernsts bei der Rettung der Sulzbach-Rosenberger Maxhütte vor dem Zugriff der Alliierten. Das Verhältnis des Vaters zu seinem "Kronprinzen" ist seitdem schwer gestört.

Zwischen 1958 und 1965 eskaliert der erbittert geführte Familienkrieg: Otto-Ernst zieht gegen seinen Vater vor Gericht, und er verliert. Wegen "Undankbarkeit" darf Friedrich Flick alle Schenkungen an seinen Sohn rückgängig machen. Otto-Ernst wird abgefunden, seine Firmenanteile gehen an seine Kinder über. Eine Versöhnung bleibt aus, was 1972 beim Tod Friedrich Flicks für alle sichtbar wird: Otto-Ernst verweigert dem Verstorbenen als einziges Familienmitglied das letzte Geleit.

Otto-Ernst stirbt 1974 an einem Herzinfarkt. Seine Frau Barbara und seine drei Kinder Gert-Rudolf ("Muck"), Friedrich Christian ("Mick") und Dagmar haben die zerstörerische Auseinandersetzung zwischen Vater und Großvater hautnah miterlebt.

Friedrich Karl Flick
Friedrich Karl Flick vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages in Bonn (1984) | Bild: SWR

Friedrich Karl Flick (1927-2006), der jüngere Sohn und spätere Chef des Flick-Konzerns, wächst behütet in der Flick-Villa in Berlin-Grunewald auf. Einer seiner frühen Spielkameraden und Jugendfreunde ist Eberhard von Brauchitsch, sein späterer Vertrauter in der Düsseldorfer Konzernzentrale.

Anders als Otto-Ernst Flick und sein 1941 in der Sowjetunion gefallener Bruder Rudolf steht der Nachzügler Friedrich Karl als Kind noch nicht so stark unter dem väterlichen Druck. Er darf studieren, Betriebswirtschaft, im bald wieder sehr lebenslustigen München. Friedrich Karl hat eine Studentenbude in Schwabing, genießt die Freiheit, macht aber auch seinen Abschluss.
Später promoviert er sogar.

Friedrich Karl Flick wächst in eine moderne Industriewelt hinein. Er geht für zwei Jahre nach New York und lernt dort beim Chemiegiganten Grace moderne Formen des Managements kennen, bevor ihn Friedrich Flick 1957 zurück ins Unternehmen ruft.

Dort übernimmt er die zukunftsträchtigen Sparten des Konzerns, Automobil, Papier, Chemie, während Otto-Ernst sich mit Eisen und Stahl beschäftigt. Nach und nach entwickelt Friedrich Karl eine widersprüchliche Persönlichkeit: Einerseits tritt er in der Rolle der rheinisch-bajuwarischen Frohnatur auf, fährt schnelle, teure Autos, gibt wilde Partys und ist ein leidenschaftlicher Jäger; andererseits erscheint er als überaus vorsichtiger und ängstlicher Mensch, der in einer mit Panzerglas gesicherten Münchner Villa lebt und von ständiger Angst erfüllt ist, sein Vermögen zu verlieren.

Als er schließlich Konzern-Chef wird, fühlt er sich überfordert, lässt die Dinge schleifen oder tritt Entscheidungen an Eberhard von Brauchitsch ab. Anders als Otto-Ernst, der seinen Vater durch Besserwisserei und Übereifer herausfordert, ärgert Friedrich Karl den puritanischen Alten durch Luxus und Verschwendung. "Party und Profit, das lag bei Friedrich Karl immer ganz nah beieinander" (Michael Graeter, Münchner Gesellschaftsreporter).

Friedrich Karl Flick hat, anders als sein Vater, keine unternehmerische Vision. Mit der Hilfe von Eberhard von Brauchitsch erkämpft er zwar die Macht im Konzern, entwickelt aber selbst keine nachhaltigen Zukunftsstrategien mehr. In den siebziger und frühen achtziger Jahren steht Friedrich Karl Flick wegen spektakulärer Aktiengeschäfte und der Parteispendenaffäre im Rampenlicht.

Nach dem Verkauf seines Industrie-Imperiums zieht er sich 1986 ins Privatleben zurück, steuerbegünstigt nach Österreich. Er stirbt 2006 auf seinem Gut am Wörthersee.

Die Mitarbeiter

Eberhard von Brauchitsch
Eberhard von Brauchitsch | Bild: SWR

Eberhard von Brauchitsch (*1926) wird in Berlin geboren. Seine Mutter und die Mutter Friedrich Karl Flicks kennen sich gut, spielen Bridge miteinander. So lernen sich auch die beiden Söhne kennen. Von Brauchitsch ist als Kind oft in der Flick-Villa in Grunewald und veranstaltet dort mit Friedrich Karl Radrennen. Beide gehen auch in dieselbe Schule.

1943 holt Marie Flick ihren jüngsten Sohn Friedrich Karl von Berlin nach Bad Tölz und von Brauchitsch geht mit. In Bad Tölz besuchen sie zusammen das Gymnasium. Von Brauchitsch wird dann zur Heimatflak nach München einberufen, macht 1944 das Notabitur und verliert Friedrich Karl vorerst aus den Augen.

Er studiert Jura in Mainz, trifft dort seine Tanzstundendame Helga wieder und heiratet sie 1952. Erst 1955 sehen sich die Jugendfreunde wieder – in New York, anlässlich des ersten Transatlantikfluges der Lufthansa: Von Brauchitsch, mit 29 bereits im Justitiariat der Lufthansa, Friedrich Karl, mit 28 seit einiger Zeit Volontär bei Grace in New York. Bei der Lufthansa-Party tauschen beide Jugenderinnerungen aus und machen Pläne für die Zukunft.

Von Brauchitsch, eine dominante, raumfüllende Persönlichkeit, Amateurboxer, selbstbewusst und sicher im Auftritt, mit besten gesellschaftlichen Beziehungen und hervorragenden Karrierechancen, ist aus Sicht des unsicheren und vorsichtigen Friedrich Karl bestens geeignet, geschäftlich für ihn "in den Ring zu steigen".

Von Brauchitsch steigt 1960 tatsächlich beim Flick-Konzern ein, wird aber dann, 1970, von Friedrich Karl wieder ausgebotet – zum Leidwesen des alten Flick, der in von Brauchitsch den idealen Aufpasser für seinen Sohn sah. Friedrich Flick schafft es durch eine trickreiche testamentarische Verfügung, von Brauchitsch als persönlich Haftenden Gesellschafter wieder in den Konzern zurückzuholen – der Gründer regiert über seinen Tod hinaus.

Obwohl sich von Brauchitsch von Friedrich Karl in einem Zehn-Punkte-Papier Unkündbarkeit zusichern lässt, muss er dennoch 1982 den Konzern im Zuge der Spendenaffäre verlassen. Von Brauchitsch trägt das Friedrich Karl zumindest nach außen hin aber nicht nach, sondern verhält sich bis heute loyal. Als er im Zuge der Spendenaffäre zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer hohen Geldstrafe verurteilt wird, verarbeitet er diesen Karriereknick, indem er ein Rechtfertigungsbuch schreibt. Es trägt den Titel: "Der Preis des Schweigens".

Konrad Kaletsch (1898-1978) wird am 18. Dezember 1898 in Kassel geboren. Seine Mutter stammt aus der Familie Flick. Wie sein Vetter und Vorbild Friedrich Flick absolviert Kaletsch eine kaufmännische Ausbildung, bevor auch er an der Handelshochschule in Köln studiert, sein Studium wird vom Vetter bezahlt.

Nach Praktika bei der Charlottenhütte wird Kaletsch 1924/1925 in Flicks Berliner Büro geholt. Kaletsch genießt das besondere Vertrauen Friedrich Flicks und wickelt bald sämtliche finanziellen Transaktionen des Konzerns ab, ist für die bilanztechnischen und steuerlichen Belange zuständig.

1937 wird er zum Generalbevollmächtigten der Friedrich Flick KG ernannt. Noch im selben Jahr tritt er der NSDAP bei. Nach dem Krieg wird er verhaftet und angeklagt, im Nürnberger Prozess gegen Flick und seine vier Generalbevollmächtigten jedoch freigesprochen. Während der Haftzeit seines Vetters – die beiden stehen in ständigem Kontakt – kümmert sich Konrad Kaletsch um den Wiederaufbau des Unternehmens.

Im Jahr 1963 wird er von Friedrich Flick zum persönlich Haftenden Gesellschafter ernannt. Konrad Kaletsch, den Flick seinen "getreuen Eckart" nennt, stirbt am 18. September 1978. 50 Jahre lang hatte er eine Schlüsselstellung in der Führungsebene des Flick-Konzerns.

Odilo Burkart (1899-1979) kommt am 29. August 1899 in Riedlingen an der Donau zur Welt. Sein Taufpate ist Adolf Gröber, einer der bedeutendsten Zentrumspolitiker des Kaiserreichs.

Nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg und Promotion arbeitet er zunächst als Kaufmann, dann als Prokurist und Verkaufsleiter in der Oberschlesischen Eisenindustrie AG. 1936 holt ihn Friedrich Flick in die Konzernzentrale nach Berlin, wo er für die Selbstkostenüberwachung der Stahlbetriebe zuständig ist. Er bewährt sich rasch und ist bald für den gesamten Braunkohle- sowie den Eisen- und Stahlbereich des Flick-Konzerns zuständig.

1940 wird er Generalbevollmächtigter mit zahlreichen Aufsichts- und Beiratsmandaten in den einzelnen Konzerngesellschaften.

Nach Kriegsende wird er verhaftet und 1947 zusammen mit Flick und seinen anderen Generalbevollmächtigten im Nürnberger Industriellenprozess angeklagt. Nach seinem Freispruch wird er ab 1950 Vorstandsmitglied der Maxhütte.

Burkart bleibt die Schlüsselfigur in Sulzbach-Rosenberg, bis er sich fast 80-jährig nach dem Verkauf der Maxhütte an die Klöckner-Werke in den Ruhestand zurückzieht.

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