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Lale Andersen

Lale Andersen (Bild: dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Lale Andersen ]
Sie war die kühle Blonde aus dem Norden, sang vom Fernweh und vom Abschiednehmen, was auch ihr Leben prägte. Unruhe trieb sie und der Hunger nach Anerkennung als Künstlerin. Mit ihren Schlagern über Seefahrtsromantik, Hafenszenen und die Sehnsucht der Matrosen eroberte Lale Andersen, die "Rollkragenschönheit", wie sie sich selbst ironisch nannte, ein Millionenpublikum.

Weltberühmt aber wurde sie 1941 über Nacht mit dem "Lied eines jungen Wachpostens" – als Lili Marleen. Als der deutsche Soldatensender Belgrad diesen Titel zum ersten Mal ausstrahlt, trifft die unheroische, sentimentale Ballade die Herzen der Soldaten aller Nationalitäten an allen Fronten. Sie wird zur inoffiziellen Antikriegs- Hymne. Wenn das Lied allabendlich zum Sendeschluss erklingt, schweigen die Waffen. Wegen seiner "Wehrkraft zersetzenden Wirkung" will Goebbels die Ausstrahlung verbieten, doch der Siegeszug des Liedes ist nicht mehr zu stoppen. Es macht Lale Andersen zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Für Millionen Menschen in aller Welt wird sie immer das Mädchen unter der Laterne, die Soldatenbraut vor dem Kasernentor, bleiben. Lilli Marleen wird zu ihrem Schicksalslied und zu ihrem Alter Ego.

Als Lise-Lotte Helene Berta Bunnenberg wird sie 1905 in Bremerhaven an der Nordsee geboren. Kein Name, mit dem man Weltstar werden kann. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater fährt als Schiffssteward zur See. Der Vorort Lehe, wo sie ihre Kindheit verbringt, liegt nah am Hafen, wo die Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd nach Amerika abfahren. Wo es nach Teer riecht und nach Tang und die Träume von der weiten Welt reifen, in die der Vater immer wieder auf Ozeanriesen entschwindet. Sie besucht die höhere Töchterschule, verlässt sie aber mit 15. Mit 17 Jahren heiratet sie den Kunstmaler Paul Ernst Wilke und bekommt mit ihm drei Kinder. Doch das Leben als Hausfrau und Mutter füllt sie nicht aus. Sechs Wochen nach der Geburt des jüngsten Sohnes Michael verlässt sie die Familie und geht nach Berlin, um eine Künstlerkarriere einzuschlagen.

Als Liselotte Wilke hat sie Erfolg mit Matrosenliedern, aber auch mit Texten von Ringelnatz, Tucholsky und Brecht. Sie erobert als Nachwuchskünstlerin Kabarettbühnen in ganz Deutschland und kommt nach Zürich. Hier begegnet sie der großen Liebe ihres Lebens: Rolf Liebermann, Komponist jüdischer Herkunft. Es ist das Jahr 1933, Hitler hat in Deutschland die Macht ergriffen. Ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern. Sie muss die Schweiz verlassen und legt sich den Künstlernamen Lale Andersen zu. Doch sie bleibt mit ihren jüdischen Künstlerfreunden, die in die Schweiz emigrieren mussten, brieflich in Kontakt. Das wird ihr zum Verhängnis. 1942 erhält Lale Andersen Auftrittsverbot. Sie wird unter Hausarrest gestellt. Man droht ihr, sie ins KZ zu bringen. In ihrer Verzweiflung will sie mit einer Überdosis Schlaftabletten Selbstmord begehen. Sie wird gerettet und flieht auf die Nordseeinsel Langeoog, die zu ihrer zweiten Heimat wird. Dort erlebt sie das Kriegsende und hat ihren ersten Auftritt in einer Baracke vor deutschen und kanadischen Soldaten. Nach dem Krieg passen ihre Fernwehlieder wieder in die Zeit. Während die Menschen noch darben, bedienen die Schlager eine Sehnsucht nach Capri, Rio und Hawaii.

Mit dem Lied "Ein Schiff wird kommen" gelingt ihr 1959 noch einmal ein Riesenhit. Lale Andersen macht Tourneen rund um die ganze Welt. Als "The Original Singer of Lili Marleen" wird sie überall begeistert empfangen. Dass sie an einer unheilbaren Leberinfektion leidet, verdrängt sie lange. Immer öfter braucht sie Blutkonserven, um am Leben zu bleiben. Sie schreibt ihre Lebensgeschichte auf. Es gelingt ihr noch, ihren autobiographischen Roman "Das Leben hat viele Farben" in ihrer Geburtsstadt Bremerhaven vorzustellen.

Dass das Buch ein Bestseller wird, sollte sie nicht mehr erleben. Am 29. August 1972 stirbt Lale Andersen in Wien auf Lesereise. Nach ihrem Wunsch wird sie auf dem Dünenfriedhof ihrer geliebten Insel Langeoog beigesetzt.

Film von Britta Lübke
(Erstsendung am 13.08.2007)

Sendetermin
So, 20.12.09 | 21:45 Uhr
Das Erste