Eizellenspende: Beweggründe und Erfahrungen

Interview mit Wissenschaftlerin Yvonne Frankfurth

Yvonne Frankfurth
Yvonne Frankfurth arbeitet am Department of Sociology der University of Cambridge. | Bild: Das Erste

Yvonne Frankfurth arbeitet am Department of Sociology der University of Cambridge. Sie erforscht die Beweggründe, Erfahrungen und Entscheidungsprozesse von Frauen bzw. Paaren, die für eine Eizellspende ins Ausland gereist sind. "Plusminus" hat mit ihr gesprochen.

"Plusminus": Die Eizellspende ist nicht überall gleich geregelt.

Das ist richtig. Die Eizellspende ist mittlerweile in den meisten europäischen Ländern erlaubt, aber sie wird sie je nach nationaler Gesetzeslage verschieden gehandhabt.  Zwei wichtige Unterschiede sind dabei, ob die Spenden anonym sind und wie viel die Spenderinnen an Aufwandsentschädigung erhalten dürfen.  Die meisten Deutschen gehen für eine Eizellspende nach Spanien oder Tschechien. Dort erhalten Spenderinnen dafür normalerweise zwischen 600 und 1000 Euro. Der Transfer von Eizellen verläuft ausschließlich anonym. In England, Finnland, Österreich und den Niederlanden ist die Eizellspende dagegen "offen", das heißt, das Kind darf im fortgeschrittenen Alter identifizierende Informationen über die Spenderin erhalten. In Ländern, wo es offene Spenden gibt, herrscht oft ein Mangel an Eizellspenderinnen. Um den Bedarf an Eizellen zu decken, gibt es vermehrt sogenannte “Egg-Sharing”-Programme. Diese sollen Frauen zum Spenden motivieren. So können in England Frauen zwischen 18 und 30 Jahren ihre Eizellen kostenlos einfrieren lassen – im Gegenzug spenden sie die Hälfte der gewonnenen Eizellen. Somit entfällt auch der Aspekt der finanziellen Entschädigung.  

"Plusminus": Wie unterscheidet sich Österreich von anderen europäischen Ländern?  

In Spanien und Tschechien gibt es nur anonyme Eizellspenden. Das bedeutet, dass die Identität der Spenderin verdeckt bleibt. In Österreich ist das nicht so: Mit Vollendung des 14. Lebensjahres darf das aus der Eizellspende stammende Kind das Kinderwunschzentrum kontaktieren, um identifizierende Informationen über die Spenderin zu erhalten. So kann das Kind mehr über die eigenen genetischen Wurzeln erfahren.  

"Plusminus": Spenderinnen bekommen keine Entschädigung. Was bedeutet das für die Paare?

Vielen Paaren, mit denen ich gesprochen habe, gefällt die Vorstellung, dass Frauen ihre Eizellen aus rein altruistischen Gründen spenden und nicht aus einer finanziellen Motivation heraus. Auf praktischer Ebene ist die fehlende Entschädigung mitunter Grund dafür, dass es nicht genügend Spenderinnen gibt. Daher ist die Eizellspende in vielen Kinderwunschzentren in Österreich trotz der Legalisierung kein großes Thema. Längere Wartezeiten auf eine passende Spenderin können für die Paare eine zusätzliche psychologische Belastungsprobe darstellen – nicht wenige befinden sich seit mehreren Jahren in Kinderwunschbehandlung.  

"Plusminus": Was bedeutet es für die Kinder, dass sie die Möglichkeit haben, zu wissen, wer ihre leibliche Mutter ist?  

Das wird die Zukunft zeigen! Bislang können wir uns nur an Studien aus der Adoptionsforschung orientieren. Dort wird geraten, ein Kind von Anfang an aufzuklären und ihm die Möglichkeit zu geben, die genetischen Wurzeln als Teil des Selbstfindungsprozesses erkunden zu können.

"Plusminus": Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?  

Es wird vermutet, dass 5000-6000 Deutsche pro Jahr für eine Eizellspende ins Ausland gehen. Tendenz steigend. Die Eizellspende ist in unserer Gesellschaft also keine Randerscheinung mehr. Am Ende wirft die Eizellspende Fragen auf, die für unsere gesamte Gesellschaft von Bedeutung sind: Was sind die Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit, was sind ihre Folgen? Leihmutterschaft, Eizellspende, Samenzellspende - wie verändern künstliche Befruchtungsmethoden unsere Vorstellungen von Familie? Ich würde mir wünschen, dass wir uns aktiv mit diesen Fragen auseinandersetzen - nicht nur in Gesprächen mit Freunden und Familie, sondern auch auf öffentlicher Ebene.

Das Interview führte Pia Busch.

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