Der Nachtdienstcheck der Gewerkschaft Verdi

Befragung von 238 Kliniken im Frühjahr 2015

Notaufnahme
Nachts und am Wochenende sparen viele Kliniken an den Personalkosten. | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Frühjahr befragte die Gewerkschaft Verdi in 238 Kliniken 7246 Fach-, Hilfskräfte und Auszubildende während ihrer Nachtschicht. Eine Unterbelegung im Dienst bedeutet für die Patienten unter Umständen eine Unterversorgung. 56,8 Prozent der Befragten schilderten, dass sie im Nachtdienst auf der Pflegestation die einzige Fachkraft gewesen seien, bei Stationen mit mehr als 30 Patienten waren es insgesamt noch immer 16 Prozent. Ausgerechnet in privaten Kliniken befindet sich sogar jede fünfte Fachkraft alleine auf einer Station mit mehr als 34 Patienten. Große Schwankungen gibt es im Ländervergleich. Während in Schleswig-Holstein nur 25,6 Prozent der Befragten angeben, dass nachts nur eine Fachkraft auf der Station anwesend sei (in privaten Kliniken sogar nur 2,5 Prozent), sind es in Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz nahezu -  in Thüringen sogar mehr als - zwei Drittel. Im Schnitt werden 18,7 Patienten von einer Fachkraft versorgt. Auch hier schneidet Schleswig-Holstein mit 14 Patienten pro Fachkraft am besten ab.

Wichtige Leistungen werden bei der Versorgung weggelassen

Durch diese Unterbesetzung können nicht alle Patienten ausreichend versorgt werden. Auch das zeigt die Studie eindrucksvoll. So gaben mehr als drei Viertel aller Befragten an, dass sie aufgrund des fehlenden Personals erforderliche Leistungen bei der Versorgung der Patienten  weglassen mussten. Ein fatales Risiko, dass unter Umständen zu lebensbedrohlichen Folgen führen kann. So geben 58,6 Prozent der Fachkräfte an, dass sich innerhalb des letzten Monats eine für den Patienten riskante Situation aus dem Personalmangel ergeben hat. Hier schneiden die privaten Kliniken mit 53,9 Prozent sowie die freigemeinnützigen mit 52,8 Prozent deutlich besser ab, als die öffentlichen Krankenhäuser mit 59,8 Prozent. Drei Viertel der Befragten gaben zudem an, in ihrem letzten Dienst keine ungestörte Pause gemacht zu haben.

Diagramm - entfallene Zusatzleistungen aufgrund von Zeitmangel
Wichtige Leistungen müssen aufgrund des Personalmangels entfallen. Ein Nachteil für Patienten.  | Bild: Das Erste/ verdi

Fachstandard nur selten erfüllt

Verdi untersuchte auch explizit den Personalstand auf Intensivstationen. In gerade einmal 8,5 Prozent der Fälle, versorgt dort eine Fachkraft zwei Patienten, so wie es der Fachstandard fordert. 38,9 Prozent  der Befragten kümmern sich um zwei bis drei Patienten, 29,9 Prozent versorgen drei bis vier Patienten. Im Schnitt kümmert sich eine Fachkraft um 3,4 Patienten. Erneut schneidet Schleswig-Holstein im Bundesländervergleich am besten ab. Hier betreut eine Fachkraft 2,4 Patienten. Mit nur 15 befragten Intensivstationen hat das Ergebnis aber keine eindeutige Aussagekraft. Besonders schwach schneidet hier Brandenburg mit 4,4 Prozent ab. Auch hier ist das Ergebnis bei zwölf befragten Stationen nicht aussagekräftig.

Menschen in einem Krankenzimmer der Intensivstation.
Pausen sind nicht immer drin.  | Bild: HR

Auch in anderen Bereichen der Kliniken macht sich die Unterbesetzung bemerkbar. So liegt die Unterbeschäftigung bei zum Beispiel Intensivstation, OP, Kreissaal, Röntgen, Technik und Reinigung bei 31 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Befragten geben an, nicht die erforderliche Qualität der Leistung erbringen zu können. Besonders die freigemeinnützigen Häuser fallen auf. Dort sind es sogar 86,1 Prozent der Befragten.

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