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Denis Scheck kommentiert die Top Ten Belletristik

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Denis Scheck kommentiert die Top Ten Belletristik | Video verfügbar bis 09.10.2023 | Bild: DasErste.de

Platz 10) Robert Galbraith: "Das tiefschwarze Herz"

Die Entwicklerin einer populären Cartoon-Serie auf Youtube wandte sich an die Privatdetektivin Robin Ellacott, um sich vor den Nachstellungen ihres virtuellen Stalkers namens Anomie im Internet zu schützen. Jetzt liegt sie tot auf dem Highgate Cemetary. Der sechste Fall von Cormoran Strike und Robin Ellacott bietet keine Weltliteratur, aber solides Lesefutter für Krimifans mit dem schönen Surplus, J.K. Rowlings Sicht auf Rufmordkampagnen und Todesdrohungen in sozialen Netzwerken präsentiert zu erhalten. Damit kennt sie sich aus.

Platz 9) Marianna Leky: "Kummer aller Art"

Literatur vermag uns aus den größten Schlamasseln zu retten. In dieser psychologisch wirklich schlauen Kolumnensammlung erzählt die aus einer Psychiater-Dynastie stammende Marianna Leky davon, wie wir unsere Macken zu Stärken machen können – und wie wir es schaffen, mit dem zu leben, was wir nicht ändern können.

Platz 8) Karsten Dusse: "Achtsam Morden im Hier und Jetzt"

Erstaunlich amüsanter Serienkrimi um einen scheinbar biederen Anwalt, der als Unterweltboss schon einige Morde auf dem Kerbholz hat und auch seinem Umfeld hilft, so gut er kann: "Katharina war eine intelligente und attraktive Frau. Sie war eine liebevolle Mutter und auf Elternebene eine hervorragende Partnerin. Von ihrem ersten Mann war sie geschieden, ihren letzten Freund hatte sie erschossen." Diesmal geht’s um Mord, um Totschlag bei Osho in Oregon.

Platz 7) Stephen King: "Fairy Tale"

Gerade ist er 75 geworden, und pünktlich zum Geburtstag veröffentlicht Stephen King sein 75. Buch – eines seiner besten! Der 17-jährige Charlie trauert um seine Mutter, muss erleben, wie sein Vater dem Alkohol verfällt – ach ja, und dann ist da ja noch die geheimnisvolle Anderswelt, die er von der Herrschaft des Bösen befreien muss. Der neue Stephen King ist ein geniales Horrormärchen, das mehr mit unserer Wirklichkeit gemein hat, als uns lieb sein kann.

Platz 6) Tracy Wolff: "Covet"

Diese dritte Fortsetzung einer Internatsgeschichte mit übernatürlichen Wesen spielt teilweise in einem magischen Gefängnis namens Aethereum, das seine Insassen recht individuell je nach Vergehen foltert. Säße ich in Aethereum ein, Tracy Wolffs klischeestrotzende amerikanische Plastikprosa vermittelte mir in den Wahnsinn treibende Höllenpein.

Platz 5) Rebecca Gablé: "Drachenbanner"

Seit 25 Jahren schreibt die deutsche Autorin Rebecca Gablé nun schon an ihrem im 13. Jahrhundert spielenden Zyklus um die fiktive Familie Waringham. Im 7. Band geht es um die Schrecken von Leibeigenschaft, Krieg und unstandesgemäßer Liebe. Ein spannender, solide recherchierter Schmöker: Respekt!

Platz 4) Bonnie Garmus: "Eine Frage der Chemie"

Eine Naturwissenschaftlerin stößt in den 60gern an die gläserne Decke, wird ausgebeutet und missbraucht. Bis sie die Chance erhält, eine Kochsendung im Fernsehen zu moderieren, denn was ist Kochen anders als eine Frage der Chemie? Ein gewitzt erzählter feministischer Unterhaltungsroman.

Platz 3) Ferdinand von Schirach: "Nachmittage"

Ferdinand von Schirach plaudert in 26 Kapiteln ebenso geistreich wie kurzweilig über Liebe, Vergänglichkeit und Tod in Paris, New York, Tokio und gelangt dabei zu bemerkenswerten Einsichten: "Ich habe die meisten Dinge nie ganz verstanden, sie waren zu laut und zu schnell und zu anstrengend."

Platz 2) Dörte Hansen: "Zur See"

Dörte Hansen schreibt einfühlungsreich und sprachgewaltig über Menschen an einem besonderen Ort, wo die Zäune um die Kapitänshäuser aus Walknochen bestehen, die Angst vor der Monsterwelle in den Alkoholismus führt und man sein Leben an den Rhythmus der Touristenfähren anpasst. Dieser Roman enthält die komplette DNA einer deutschen Nordseeinsel: ein literarischer Triumph.

Platz 1) Charlotte Link: "Einsame Nacht"

Wie hängt der Mord an einer Autofahrerin mit einem neun Jahre alten Cold Case um einen stark übergewichtigen Teenager zusammen, der überfallen und gefoltert wurde und seither im Wachkoma liegt? Für mich sind die in Großbritannien spielenden Krimis der Deutschen Charlotte Link so glaubwürdig wie die deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen mit Eddi Arent und Klaus Kinski. Aber manche halten die ja für Kult.

Stand: 09.10.2022 17:50 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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