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Denis Scheck kommentiert die Top Ten Sachbuch

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Denis Scheck kommentiert die Top Ten Sachbuch | Video verfügbar bis 11.10.2025 | Bild: DasErste.de

Platz 10: Otte Kernberg und Manfred Lütz – "Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?"

Otto Kernberg ist einer der bekanntesten Psychoanalytiker der Welt. In diesem Gesprächsband erzählt er vom Nutzen seiner Disziplin, von ihren Grenzen und von seinem Leben, das ihn als jüdischen Österreichischer auf der Flucht vor den Nazis von Wien über Chile nach New York geführt hat. Am spannendsten ist das Buch immer dann, wenn Fragen diskutiert werden wie die, ob Adolf Hitlers bösartiger Narzissmus therapierbar gewesen wäre.

Platz 9: Maja Göpel – "Unsere Welt neu denken"

Dass der Kapitalismus den Kommunismus besiegt hat, ist kein Grund, das Nachdenken über unser Wirtschaftssystem einzustellen. Maja Göpel beschreibt in ihrem ermutigenden Essay, wir wir alle angesichts endlicher Ressourcen und planetarer Herausforderungen unsere Gier und unsere Dummheit überwinden können.

Platz 8: Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge – "Trotzdem"

Ein Büchlein über Corona, das in jeder Hinsicht beruhigend wirkt. Erstens, weil es eine intellektuelle Freude ist, zwei klugen Menschen beim Nachdenken über die Pandemie zu folgen. Zweitens, weil Ferdinand von Schirachs Bekenntnis, während des Lockdowns zum ersten Mal seit 15 Jahren den Herd in seiner Wohnung eingeschaltet zu haben, was zu einem furchtbaren Gestank nach verbranntem Plastik führte, weil noch die Transportsicherungen unter den Herdplatten gewesen seien, den meisten Lesern den Trost beschert, noch nicht den allergrößten Grad von Schrulligkeit erreicht zu haben.

Platz 7: Richard David Precht – "Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens"

Eine dringend nötige und höchst beachtenswerte Warnung vor Anwendungen der künstlichen Intelligenz im Militär und an der Börse, im Alltag und in der Arbeitswelt und vor der politischen Entmündigung durch Programmierer und ihre Finanziers.

Platz 6: Marianne Koch – "Unser erstaunliches Immunsystem"

Ein Gesundheitsratgeber aus der Feder der Ärztin, des Filmstars und der Fernsehmoderatorin Marinne Koch. Die Lektüre blieb ohne Nebenwirkungen.

Platz 5: Philippa Perry – "Das Buch, von dem du dir wünscht, deine Eltern hätten es gelesen"

Ein Erziehungsratgeber mit vielen beherzigenswerten Ratschlägen: "Was Kinder – und wir alle – brauchen, sind Liebe und Grenzen, nicht nur das eine oder nur das andere", schreibt Philippa Perry. Allerdings fehlt der wichtigste Ratschlag über Kinder, nämlich die Einsicht der unvergessenen Katharina Rutschky: "Kinder sind ein sehr schlechter Hundeersatz." 

Platz 4: Hamed Abdel-Samad – "Aus Liebe zu Deutschland"

Ein sympathisches Buch der Selbst-Vergewisserung. Hamed Abdel-Samad möchte im Gespräch mit Historikern, Politikern und Publizisten herausfinden, "was Deutschland wirklich ausmacht", "was Deutsch-Sein bedeutet und was Deutschland – über die Zeitläufte hinweg – im Innersten zusammenhält". Mein Verdacht ist allerdings, dass er durch ein gründliches Studium des Gesamtwerks von Loriot mehr darüber erfahren hätte.

Platz 3: Jan Böhmermann – "Gefolgt von niemandem, dem du folgst"

"Twitter ist Literatur", schreibt der Satiriker Jan Böhmermann und versucht mit seinen gesammelten Tweets aus 12 Jahren den Beweis anzutreten. In seiner vogeligen Wirrheit, Redundanz und Selbstbezüglichkeit erinnert mich das Böhmermannsche Gezwitscher eher an gesammelte CB-Funksprüche der 70er Jahre. Immerhin finden sich aber einige schöne Gedankenspiele, dieses etwa: "In einem Paralleluniversum gibt es hoffentlich eine Sendung, in der anthropomorphe Bücher die verschiedenen Krawatte-Hut-Dreiteiler-Kombinationen von Denis Scheck besprechen und bewerten." Sagen wir so: Mein Einstecktuch war von Böhmermanns Buch geplättet. Meinem Hemd platzte der Kragen. Meine Schuhe wollten daran unbedingt den Unterschied zwischen Satire und Schmähkritik demonstrieren. Meine Krawatte fand es zum Kringeln, meine Socken fanden es stank, meine Weste fand es intellektuell zu eng und meinem Jackett war es zu ungebügelt.

Platz 2: Manfred Lütz – "Neue Irre. Wir behandeln die Falschen"

Der Psychiater und Theologe Manfred Lütz nimmt psychisch Kranke davor in Schutz, mit politischen Irren wie Jair Bolsonaro, Kim Jung-Un oder Donald Trump gleichgesetzt zu werden. Selten wurde mit leichterer Hand über Demenz, Sucht, Schizophrenie, Angst-, Ess- und bipolare Störungen, Trauma, Manie und Depression geschrieben.

Platz 1: Mary L. Trump – "Zu viel und nie genug"

Mary Trump ist die Nichte des Manns im Weißen Haus, ihr Vater war der alkoholkranke ältere Bruder Donald Trumps, den der Vater Fred Trump immer mies behandelt hat, während er Donald in jeder Hinsicht bevorzugte. Mary Trump, selbst promovierte klinische Psychologin, zögert nicht, ihrem Onkel im Weißen Haus eine ungünstige Ferndiagnose zu stellen: dieser sei ein soziopathischer Narzisst. So erschütternd die geschilderte Lieblosigkeit in dieser Familie wirkt, so gering bleibt der Erkenntniswert dieses Klatschbuchs.

Stand: 11.10.2020 19:38 Uhr

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